Scheeßeler Künstler Eike Wedemeyer alias „Sophies Henker“ bereitet Ausstellung vor

„Unsauber mit Details“

Alle Hände voll zu tun hat aktuell Eike Wedemeyer: Bis zur Vernissage am Donnerstag ab 18 Uhr sollen seine 70 Werke im Rathaus platziert sein. - Foto: Heyne

Scheessel - Von Ulla Heyne. Im Rathaus herrscht trotz der Sommerferien nicht gerade hektische, aber doch eifrige Betriebsamkeit. Bevor am Donnerstagabend die Ausstellung „Aufgewachsen in der Wiederholung“ von Eike Wedemeyer eröffnet, müssen die rund 70 Skriptolzeichnungen des Scheeßeler Künstlers an die Wände gebracht werden. Wir nutzten die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem „Underground-Artist“, der sich auch „Sophies Henker“ nennt.

Herr Wedemeyer, Sie sind ausstellungstechnisch momentan ja ganz schön gefragt...

Eike Wedemeyer: Stimmt, in den letzten eineinhalb Jahren war so einiges: Eine Gemeinschaftsausstellung mit einer anderen Künstlerin in einer Kunstgalerie in Walle, einige Einzelausstellungen in Bremen und vorher hier in der Videothek...

Dort waren hauptsächlich Filmidole zu sehen. Nach welchen Kriterien haben Sie die Motive für das Rathaus ausgesucht?

Wedemeyer: Hier geht es vor allem um Kindheitserinnerungen. Wobei: Ich bin Jahrgang 1978, vieles, was ich damals gesehen habe, war zu der Zeit schon Wiederholung. Ich mag den alten deutschen Film. Horst Tappert, Götz George, Gerd Fröbe - das sind nicht alles Idole, aber Charakterköpfe, Leute, die einen bewegt haben. Putin, Gudrun Ensslin - Von der habe ich sogar nach einem Nacktfoto aus ihrer „Kunstschmuddelphase“ gemalt - es war das Erste, was im Internet bei meiner Recherche hochkam. Das ist im Rathaus aber nicht zu sehen, es ist schon verkauft (lacht). An sie kann ich mich nur noch von den RAF-Fahndungsfotos erinnern, die noch Jahre später in der Post hingen.

Stammen die Werke aus Ihrem Fundus oder zeigen Sie auch neues Material?

Wedemeyer: Rund die Hälfte der Bilder ist neu, darunter auch Kleinformatiges oder ein Bild der St.-Lucas-Kirche, neben dem Bahnhof leider bisher das einzige Scheeßel-Motiv. Ich würde gern mehr typische Scheeßeler Szenen malen, zum Beispiel die Mühle. Eigentlich würde ich auch gern ganz andere Bilder ausstellen, die mich mich gerade beschäftigte, aber die passen hier nicht herein.

Was wäre das?

Wedemeyer: Miniaturen mittelalterlicher Buchmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Es ist unglaublich, was man da - dank Internet findet. Können Sie sich noch an das Killer-Kaninchen von Monty Python erinnern? Das findet man in den alten Büchern, mit einem Morgenstern. Oder die Szene eines Mönchs, der unter der Kutte unverhohlen eine Nonne befummelt. Da war dem Klostermaler wohl langweilig und er hat ein kleines Gimmick eingebaut... Solche Szenen male ich mit Gänsekiel auf Pergament nach... Aber das ist eine andere Technik als meine Skriptolbilder im Rathaus.

Die sind ja oft schmutzig, polarisierend...

Wedemeyer: Die „dreckigen“ Bilder sind dieses Mal gar nicht dabei... (lacht)

Ich meinte eher die Technik: Die fast hingerotzten Linien und Punkte sind ja schon eine Art Markenzeichen - ein Ausdruck von Spannungsabbau?

Wedemeyer: Malen ist für mich in der Tat ein Ventil. Ich male, wenn ich innerlich unruhig bin, um wieder runterzukommen. Die Kleckse liegen allerdings eher daran, dass ich schnell arbeite und dabei auch mal schlampe - und bei Tusche gilt ja: Was einmal da ist, ist da. Das habe ich kultiviert. Was meinen Stil angeht, merke ich, dass er sich weiterentwickelt hat. Ich probiere mehr, da dauert es wieder länger. Früher habe ich, je nach Größe, ein Bild in einer Stunde geschafft. Jetzt würde ich sagen, ich male unsauber mit Details.

Wie man sieht, ist das ja auch mit einer Menge Arbeit verbunden. Sie verdienen Ihr Geld hauptberuflich anders. Warum tut man sich das an?

Wedemeyer: Abgesehen davon, dass ich durch Ausstellungen viele meiner Bilder verkaufe, geht es vor allem um den Spaß an der Sache, die Party bei der Vernissage. Das macht ähnlich viel Spaß wie der Moment, das fertig gerahmte Bild zu sehen. Denn erst dann ist ein Bild für mich wirklich fertig. Insofern ist es fast schade, dass die Ausstellung hier so lange hängt und ich die Bilder in der Zeit nicht woanders ausstellen kann. Aber schon das Aufhängen jetzt macht Riesenspaß. Lustigerweise haben schon viele Rathausmitarbeiter Wünsche geäußert, wer vor ihrer Bürotür hängen soll.

Wie sehen Ihre künstlerischen Pläne für die Zukunft aus?

Wedemeyer: Mit den selbstgebauten Zigarrenkisten und den alten Motiven geht es auf ein Steampunk-Festival - und dann will ich meine nach historischen Vorlagen gebaute Flinte auszuprobieren.

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