Umweltverbände im Kreis unterstützen geschlossenen Aufruf der Scheeßeler Gemeinderatsfraktionen

Rote Karte für die PRD-Seismik

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Verlesung der Resolution Anfang des Jahres (v.l.): die Ratsmitglieder Detlev Kaldinski (SPD), Wolfgang Bassen (CDU), Knut Nagel (Gruppe 57) und Ursel Brüning-Wildhagen (Grüne) demonstrieren Geschlossenheit.

Scheeßel - In seltener Einmütigkeit haben alle Scheeßeler Ratsfraktionen die Bürger gemeinsam aufgerufen, ihre Grundstücke nicht für seismische Untersuchungen der Öl-Industrie zur Verfügung zu stellen. Das loben die hiesigen Umweltverbände im Landkreis. „Das kanadische Unternehmen PRD hat angekündigt, seine Werbetour bei Grundeigentümern dennoch wieder aufzunehmen“, warnen sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

„Auf die Seismik sollen Bohrungen folgen und auf die Bohrungen Förderungen. Wäre dem nicht so, würde sich PRD das Geld für die Seismik sparen“, wird Angela von Beesten (Sambucus) in der Mitteilung zitiert. Wer Bohrungen und Förderungen und damit einhergehende mögliche Gefahren für Umwelt, Gesundheit und das Trinkwasser verhindern wolle, dürfe daher schon die Seismik nicht zulassen.

Damit geht sie konform mit der Anfang des Jahres verabschiedeten Resolution des Gemeinderates sowie den vorangegangenen klaren Stellungnahmen auch der Ortsräte Hetzwege und Wittkopsbostel sowie des Ortsvorstehers aus Sothel und des Scheeßeler Umweltausschusses. Auch sie appellieren: keine Zustimmung zur Seismik. Und wer sie schon erteilt habe, möge sie bitte widerrufen.

Nabu-Vorsitzender Roland Meyer äußert sich zu dem Verfahren, mit dem Anfang dieser Woche durch eine von PRD beauftragte Firma begonnen worden sei, folgendermaßen: „Da werden wir Bürger wenigstens als Grundeigentümer gefragt. Das ist angesichts des unzureichenden Bergrechts der wirksamste Hebel, den wir überhaupt in die Hand bekommen. Den müssen wir nutzen, um unsere Kinder, unsere Umwelt und uns zu schützen.“

Die Verbände, neben Sambucus und Nabu zählen auch der BUND Rotenburg, die Biologische Schutzgemeinschaft Wümmeniederung und Nebenflüsse (BSW) sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Ortsgruppe Rotenburg, dazu, widersprechen dem Märchen von der Versorgungssicherheit. Es bestehe weltweit Einigkeit, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Dann dürfe aber nur noch ein Drittel der heute schon bekannten Vorkommen an fossilen Rohstoffen verbrannt werden, heißt es in der Mitteilung weiter. „Deshalb ist überhaupt kein übergeordneter Nutzen der geplanten Suche und Förderung möglicher kleiner Lager in unserer dicht besiedelten Region erkennbar“, sagt Falk Lutosch von den Waldschützern. In Wirklichkeit gehe es der Explorations- und Produktionsgesellschaft nur um Profite.

Dem aus Sicht der Umweltverbände fehlenden Nutzen für die Allgemeinheit stünden allerdings erhebliche Gefahren gegenüber. Daran erinnert Manfred Radtke vom BUND. Als Beispiele für schlechte Erfahrungen mit der Öl- und Gasindustrie nennt Thomas Lauber (BSW) die undichten Lagerstättenwasserleitungen bei Söhlingen sowie die Quecksilbernachweise und die Bohrschlammgruben in der Region. „Auch damals sind die Bürger mit dem angeblich weit entwickelten Stand der Technik beruhigt worden“, so Lauber. „Dass dennoch Schäden auftreten, bemerkt man immer erst hinterher.“

Die Naturschützer loben: Mit ihrem Aufruf an die Einwohner hätten die Scheeßeler Politiker Weitsicht und viel Verantwortungsbewusstsein gezeigt. „Nun ist es an den Bürgern, das durch ihr Verhalten zu unterstützen und der Öl-Industrie für neue Vorhaben die Rote Karte zu zeigen“, zeigt sich Roland Meyer zuversichtlich.

lw

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