Interview

Ulrike Jungemann spricht über ihre Bürgermeisterkandidatur

Ulrike Jungemann steht vor dem Rathaus in Scheeßel.
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Sie geht für die CDU ins Rennen bei der Bürgermeisterwahl 2021 in der Gemeinde Scheeßel: Ulrike „Rike“ Jungemann.

Als bislang einzige Bürgermeisterkandidatin in Scheeßel steht Ulrike Jungemann fest. Sie tritt für die CDU an und verrät im Interview ihre politischen Ziele.

Scheeßel – Am 12. September entscheiden die Scheeßeler, wer der scheidenden Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheeßel (CDU) nachfolgen soll. Bisher hat sich nur Ulrike Jungemann um den Chefsessel im Rathaus beworben. Sie geht für die Christdemokraten ins Rennen. Im Interview nennt die 49-Jährige ihre Motivation und erklärt, warum sie für diese hauptamtliche Position geeignet ist.

Frau Jungemann, vor ein paar Wochen sind Sie von Rotenburg nach Scheeßel gezogen. Haben Sie sich schon gut eingelebt?

Ja, vielen Dank. Ich bin in Scheeßel sehr herzlich aufgenommen worden und habe mich mittlerweile gut eingelebt.

Sie scheinen es mit der Kandidatur durch den Wohnortwechsel durchaus ernst zu meinen.

Meine Kandidatur habe ich ab dem Zeitpunkt, an dem ich gefragt wurde, sehr ernst gemeint. Mir war es sehr wichtig, frühzeitig in die Gemeinde zu ziehen. Ich identifiziere mich mit ihr und möchte die Menschen vor Ort sowie das Gemeindegebiet noch besser kennenlernen.

Die Corona-Krise hält die Welt nach wie vor in Atem. Wie gehen Sie persönlich mit der Situation um?

Ich nehme die Situation sehr ernst und halte mich an die Vorgaben der niedersächsischen Landesregierung. Ich habe mich kurz vor meinem Umzug nach Scheeßel trotzdem mit dem Virus infiziert und bin froh, dass mein Verlauf im Vergleich zu anderen Fällen, eher harmlos abgelaufen ist. Eine dreiwöchige Quarantäne, in der ich zu niemanden Kontakt haben durfte und lediglich über soziale Netzwerke und Telefon eine Verbindung „zur Außenwelt“ hatte, möchte ich nicht nochmal erleben. In meiner Quarantäne bin ich von meiner Hausärztin hier in Scheeßel und den Kolleginnen und Kollegen des Gesundheitsamtes sehr fürsorglich betreut worden. Ich ziehe meinen Hut mit größtem Respekt vor allen, die sich aufopfernd in der Pflege und in medizinischen Bereichen um die erkrankten Menschen kümmern.

Inwieweit wird Corona noch Ihren bevorstehenden Wahlkampf beeinträchtigen?

Das tut es schon! Aktuell gibt es leider kaum Möglichkeiten, mich auf öffentlichen Veranstaltungen oder Versammlungen vorzustellen und Menschen vor Ort zu treffen und kennenzulernen. Sobald die Corona-Regeln gelockert werden, werde ich auf die Menschen zugehen und ihnen zuhören. Ich möchte erfahren, welche Themen sie auf dem Herzen haben. Mir ist bewusst, dass soziale Netzwerke in diesem Wahlkampf eine größere Rolle spielen als sonst. Online-Dienste können jedoch nicht den persönlichen Eindruck und den menschlichen Austausch ersetzen.

Glauben Sie, dass der Rückhalt aus den Reihen der Scheeßel-CDU ein Vorteil im Wahlkampf ist?

Einerseits bin ich froh, dass mir die CDU ihre volle Unterstützung bietet. Auf der anderen Seite muss eine Bürgermeisterin die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger vertreten und nicht die einer einzigen Partei. Mir liegt es sehr am Herzen, einen neutralen Wahlkampf zu gestalten und alle Gemeindemitglieder zu erreichen und mitzunehmen.

Warum wollen Sie Bürgermeisterin der Gemeinde Scheeßel werden?

Scheeßel gefällt mir rundum: Der Ort hat eine gut ausgebaute und entwicklungsfähige Infrastruktur. Damit meine ich neben den Schulen und dem Bahnanschluss auch den Einzelhandel sowie die medizinische Versorgung. Darüber hinaus mag ich die liebenswerten und charmanten Dörfer der Gemeinde.

Welche Themen sind Ihnen in Scheeßel besonders wichtig?

Hier sehe ich vier Schwerpunkte. Zum einen ist das der Bereich Wohnen und Bauen auf dem Lande beziehungsweise vor Ort: Immer mehr junge Leute wollen in ihren Heimatdörfern sesshaft bleiben, eine Familie gründen und ein eigenes Heim errichten. In den landwirtschaftlichen Orten muss beides möglich sein, sowohl Landwirtschaft als auch Wohnen, ansonsten verlieren sie ihren Charme. Viele Gespräche haben mir in letzter Zeit gezeigt, dass es den jungen Leuten nicht nur um die Ausweisung neuer Baugebiete geht, sondern auch um die Nutzung von Baulücken. Wichtig erscheint mir auch das Arbeiten auf dem Lande/vor Ort und eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Wenn eine Gemeinde wachsen möchte, muss sie neben der Schaffung von Arbeitsplätzen, unter anderem durch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete, auch die Möglichkeit anbieten, dass sich Menschen mit ihren Familien in der Gemeinde niederlassen. Dafür müssen ausreichend flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten angeboten werden, um den Beruf mit dem Familienleben vereinbaren zu können. Dann das Thema Klimaschutz: Ich bin in der Natur aufgewachsen und mein Vater hat mir die Zusammenhänge von Natur und Witterung erklärt. Die Klimaveränderungen der Vergangenheit nehme ich sehr ernst und sehe einen großen Handlungsbedarf. Klimaschutz darf allerdings nicht eine punktuelle Aufgabe sein, sondern muss bei allen Entwicklungen und Planungen betrachtet werden. Auch zur Bürgernähe möchte ich noch etwas sagen: Die Arbeit im Rathaus ist in den vergangenen Jahren immer umfangreicher und komplizierter geworden. Ich möchte die Arbeit von Politik und Verwaltung transparenter machen und die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern stärken. Sie sollen sich verstanden fühlen mit ihren Anliegen. Entscheidungen im Rathaus und in der Politik müssen verständlich vermittelt werden.

Wie nehmen Sie die Außendarstellung der Gemeinde wahr?

Ich kenne die Gemeinde seit mehr als 20 Jahren und ich würde nicht kandidieren, wenn sie mir nicht gefallen würde. Über meine bisherige Arbeit als Regionalplanerin bin ich mit den Entwicklungen der vergangenen Jahre vertraut. Die Gemeinde Scheeßel hat eine sehr positive Außendarstellung, sie ist immer gewachsen und nicht stehen geblieben. Ich sehe sie als innovative Gemeinde, die im Landkreis vorne steht. Als Gemeinde mit ihrem bekannten Festival und den Trachtenfesten ist Scheeßel weit über die Grenzen von Niedersachsen bekannt. Das hat mich immer schon beeindruckt.

Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Meine erste Amtshandlung würde sich auf umfangreiche und intensive Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus konzentrieren. Die Qualität meiner Arbeit als Bürgermeisterin steht dabei im engen Verhältnis zu einer guten, engagierten, motivierten und zufriedenen Belegschaft in der Verwaltung.

Was würden Sie als Bürgermeisterin anders machen als Käthe Dittmer-Scheele?

Ich schätze die Arbeit von Frau Dittmer-Scheele sehr, sie hat in den vergangenen Jahren viele Entwicklungen vorangetrieben und sich in der Runde der Bürgermeister als einzige Frau gut durchsetzen können. Als Kandidatin für das Amt habe ich klare Ziel- und Themenvorstellungen. Was ich anders machen würde, werde ich entscheiden, wenn ich mir ein vollständiges Bild von der Arbeit im Rathaus gemacht habe. Änderungen passieren nur im Team mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In den letzten politischen Sitzungen in Scheeßel waren Sie als Besucherin zugegen. Ihr Eindruck?

Die Sitzungen, an denen ich bisher teilgenommen habe, waren alle sehr harmonisch, sachorientiert und in den Entscheidungen eindeutig. Ich hatte mich auf hitzige Diskussionen eingestellt, dem war aber nicht so. Für die kommenden fünf Jahre werden sich sicherlich nicht alle Ratsmitglieder nochmal für den Gemeinderat aufstellen lassen. Ich wünsche mir, dass mehr junge Leute das Interesse an der Gestaltung ihrer Gemeinde finden und für den Gemeinderat kandidieren. Über eine Kombination aus Erfahrungen und neuen Ideen im Rat würde ich mich sehr freuen.

Gibt es schon Signale aus anderen Parteien, Sie womöglich auch unterstützen, zumindest mittragen zu wollen?

Die Frage müssten Sie den anderen Parteien stellen. Es gibt hierzu Gespräche und Angebote und meine Bereitschaft, neutral aufzutreten, habe ich allen signalisiert. Wie bereits erwähnt, muss eine Bürgermeisterin für alle Bürgerinnen und Bürger da sein.

Wenn Sie die einzige Kandidatin bleiben sollten, die Bürger also gar keine Wahl hätten – wie würden Sie so etwas finden?

Die Bürgerinnen und Bürger sollen mich als Bürgermeisterin wählen, weil sie mir vertrauen, dass ich ihre Interessen vertrete und mich für sie einsetze, unabhängig von weiteren Kandidaten. Mein Wahlkampf richte ich nicht an Gegenkandidaten aus, sondern an meinen eigenen Zielen für die Gemeinde Scheeßel.

Gibt es noch etwas, dass Sie den Scheeßeler Bürgern bei dieser Gelegenheit sagen wollen?

Ich möchte ihnen gerne sagen, dass sie mich jederzeit über meine Internetseite www.ulrike-jungemann.de besuchen und den Kontakt aufnehmen können. Sobald die Corona-Regeln es zulassen, freue ich mich auf persönliche Gespräche.

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