Beim Bauernmal kommen dieses Mal 34 Gemeindewege unter den Hammer

900 „Üro“ für die Baumkasse

Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele legte sich einmal mehr als Wegeversteigerin mit Witz und Schlagfertigkeit ins Zeug. Links neben ihr die Sparkassen-Vorstände Olaf Achtabowski und Jürgen Lange. Fotos: Ujen

Scheeßel - Von Hannes Ujen. Zum traditionellen Bauernmal trafen sich am Montag wieder Landwirte, Jäger, Forstleute, Ratsmitglieder, Geschäftsleute und weitere Bürger der Gemeinde Scheeßel. Von ihrer derzeit provisorischen Amtsstube im Beeke-Forum der Beekeschule hatte sich Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) in das Clubzimmer der Gaststätte „Zum Treffpunkt“ aufgemacht, um die fröhliche Runde in der einzig für diesen Abend zugelassenen Amtssprache auf Plattdeutsch zu begrüßen. Routiniert stellte die erfahrene Auktionatorin fest: „Ick heff düssen Obend keen Grönen sehn. Denn gifft dat leider keene Extrarunde to drinken för uns.“ Erfahrene Bauernmal-Besucher wissen natürlich, dass ein „Gröner“ ein Neuling ist und eine Runde ausgeben muss.

Die Bürgermeisterin, die ihren Job mit viel Humor und Schlagfertigkeit erledigte, versteigerte 34 Gemeindewege, von A wie Alte Westerveseder Landstraße bis Z wie Zweiter Moorweg. Bezahlt wurde sofort in „Üro“ (Euro) bar auf die Hand von Verwaltungsbuchhalter Carsten Grieb.

Wann es mit dem Verpachten von öffentlichen Wegen anfing, weiß keiner mehr so genau, aber das Bauernmal ist seit Menschengedenken überliefert und angeblich nur im Raum Scheeßel bekannt. Früher durften die Pächter am Wegesrand ihre Ziegen und Schafe weiden lassen und die auf dem Seitenstreifen stehenden Obstbäume abernten.

Beim Kleinen Moordamm alias „Schlackenweg“ wollte keiner zuschlagen, aber Landwirt Wolfgang Bassen erbarmte sich und zahlte zehn Euro, als man ihm sagte, dass man dort Mirabellen und Schlehen ernten könne: „Dat hebbt wi googled un is wat för dien Fro. Dor kann see Likör för de Buernladen rut moken.“ Mit Sprüchen wie „dat is wat Feines, de is interessant un besünners“ kitzelte Dittmer-Scheele Höchstbeträge bis zu 35 Üro aus der Bieterschaft heraus.

Das Stimmungsbarometer stieg stetig bei etlichen Runden Rum-Grog, Glühwein und Eisbrecher (Rum-Grog mit Rotwein). „Ick hebb noch een Wech, de bislang noch nich dorbie wär un dat is de Langwedel Weg“ feuerte sie die Gesellschaft an. Niemand wusste so recht, wo sich dieser Weg befindet, aber der eifrige Bieter Werner Bassen von der Männerselbsthilfegruppe sicherte sich das Objekt entlang der Wümme für 30 Euro. Fürs gleiche Geld ging als „letzter Wech“ der Westerwiesenweg an Heinfried Dittmer. So fanden alle Gemeindewege für insgesamt 775 Euro, durch Olaf Achtabowski von der Sparkasse auf 900 Euro aufgestockt, ihre neuen oder oft auch alten Pächter aus dem Vorjahr. Die Einnahmen werden auf einem Sonderkonto verwaltet und für Neuanpflanzungen verwendet.

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