Über das Leben auf der Straße 

Erfolgreiche Benefiz-Doppel-Lesung der Scheeßeler Lions mit Dominik Bloh

Dominik Bloh erzählt, wie es ist, wenn man auf der Straße lebt und wie es gelingt, wieder auf die Beine zu kommen. Foto: Ujen
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Dominik Bloh erzählt, wie es ist, wenn man auf der Straße lebt und wie es gelingt, wieder auf die Beine zu kommen.

Scheeßel - Ein feines Gespür für Lücken im Scheeßeler Kulturgeschehen, aber auch den Anspruch des heimischen Publikums hat der Lions-Club Scheeßel bewiesen, als er den Bestsellerautor Dominik Bloh für zwei Lesungen im Beeke-Ort engagiert hatte. Der ehemalige Obdachlose schildert in seinem Buch „Palmen aus Stahl“, warum er mit 16 Jahren auf der Straße landete und wie er elf Jahre später den Absprung schaffte. Wahrlich keine leichte Kost, sondern die harte Realität des gnadenlosen Überlebenskampfes zwischen Hamburger Kiez und Hauptbahnhof, die der Autor dem Leser schonungslos um die Ohren haut. Aber – und diese Botschaft vermittelt Bloh zu 100 Prozent – auch eine intensive Warnung vor Drogen und vor allem ein überzeugender Mutmacher, an sich selbst zu glauben und nie aufzugeben.

Am Donnerstagmorgen besuchten 250 Eichen- und Beekeschüler die gesponserte Lesung in der Aula der Scheeßeler Oberschule, und auch für die Lesung am Abend wurden 250 Karten verkauft. Der 31-Jährige macht es sich am Morgen – modisch frisiert und lässig gekleidet in Pulli und Jogginghose – auf der Bühne bequem. Das Leben auf der Straße sieht man ihm nicht mehr an, es ist vier Jahre her, heute ist er Bestseller-Autor, Blogger und kümmert sich darum, sein Duschbus-Crowdfunding-Projekt „Go Banyo“ voranzutreiben. Doch alle Erinnerungen sind sofort abrufbar, und so schildert er intensiv, wie seine „lebensuntüchtige, an Schizophrenie leidende Mutter“ ihn als 16-Jährigen mit zwei Koffern vor die Tür gesetzt hat. Mit Auszügen aus seinem Buch beschreibt er die erste Nacht, die Abweisung durch einen „guten“ Freund sowie seine ewigen Irrfahrten durch Hamburg, um die Nacht im Warmen zu verbringen. Nach der Dusche im Schwimmbad sah man ihm die Straße nicht mehr an, und so gelang es ihm tatsächlich, das Abitur zu schaffen.

Den Schülern imponiert es, wie offen Bloh mit ihnen spricht, und so fällt es ihnen leicht, Fragen zu stellen. Der Überlebenskampf auf der Straße sei gnadenlos gewesen und hätte auch ihn letztendlich hart gemacht: „Es gibt keine wirklichen Freunde, jeder kämpft für sich allein, und alles dreht sich letztendlich ums Geld.“ Drogen habe er gemieden, weil er sah, wie sich andere zugrunde richteten: „Verliebt euch lieber, das ist viel cooler als Drogen.“ Rausgezogen aus dem Sumpf habe er sich, indem er mit dem Lügen aufgehört und sich an echte Werte erinnert habe. Dabei sei ihm die Erzählung „Siddhartha“ von Hermann Hesse eine große Hilfe gewesen: „Seid ehrlich zu euch selbst, bleibt bei euch, tut Gutes und denkt daran: Geld hat nichts mit Glück zu tun. Ihr habt alles selbst in der Hand, ihr müsst nur in euch reinhören, was ihr wirklich wollt – denn jeder hat eine Begabung in sich, kann etwas besonders gut, das müsst ihr nur herausfinden und dann umsetzen.“

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