Knotenpunktentschärfung: „Baumretter“ zweifeln Gültigkeit des B-Plans an

Bau über die Grenzen hinaus

Daumen runter: Doris Rosenberg (v.l.), Diana Cartwright und Wolfgang Schumacher möchten nicht, dass die Eichen an der Helvesieker Landstraße für die Abbiegerspuren gefällt werden. Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Diana Cartwright, Doris Rosenberg und Wolfgang Schumacher sind in Sorge. Darüber, dass die prachtvollen, alten Eichen an der Helvesieker Landstraße (L 130), rechts und links der Einmündung in den Fuhrenkamp, schon morgen möglicherweise nicht mehr stehen könnten. Alle drei wohnen sie im Umfeld des sogenannten Knotenpunkts, jenem Kreuzungsbereich, den die Gemeinde Scheeßel beabsichtigt, dauerhaft zu entschärfen. Das soll bekanntlich nicht über einen Kreisverkehr, sondern über den Bau neuer Linksabbiegerspuren mit einer Vollsignalisierung geschehen. Für diese Maßnahme müssten die Baumreihen Platz machen – ein Kahlschlag, der dem Trio, welches an vorderer Front in der vor einem Dreivierteljahr gegründeten Bürgerinitiative „Scheeßel für den Planeten“ mitmischt, aber so gar nicht schmecken will. „Die bestehende Bedarfsampel für Fußgänger und Radfahrer reicht doch aus,“ schätzt Diana Cartwright die Lage ein. „Vielleicht würde dort auch noch eine Vollampel Sinn machen, aber keinesfalls Abbiegerspuren – das ist völliger Quatsch.“ Diese Meinung teile sie mit vielen anderen Anwohnern, die das örtliche Verkehrsgeschehen immerhin tagtäglich vor ihrer Haustür mitbekommen würden. „Es ist wirklich ein Witz: Ich fahre mehrmals am Tag dort lang und habe noch nicht ein einziges Mal wegen Abbiegern im Stau gestanden“, berichtet Doris Rosenberg. Selbst, wenn sie mit ihrem Auto etwas länger vor der Bedarfsampel stehen würde, habe sich hinter ihr bisher noch nie eine lange Autoschlange gebildet.

Auch wenn nun tatsächlich alle Zeichen auf Abholzung stehen würden – ganz begraben, sagt Cartwright, habe die „Planeten“-Initiative die Hoffnung noch nicht, dass einer Fällung kurz vor knapp doch noch der Riegel vorgeschoben werden könnte. Auch wenn die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr das Vorhaben jetzt abgenickt hat.

„Neu überlegt werden müsste das Ganze allemal“, meint Wolfgang Schumacher, sei der Gemeinde doch ein seinen Worten nach ein „schwerer Planungsfehler“ in dem Verfahren unterlaufen, den es unbedingt zu korrigieren gelte. „Knackpunkt ist, dass in dem ursprünglichen Bebauungsplan, der bereits 2004 rechtsverbindlich geworden ist, eine Verkehrsfläche mit der Bestimmung eines Kreisverkehrsplatzes festgesetzt wurde“, schildert der ehemalige Leiter des Scheeßeler Ordnungsamtes. Solche Dimensionen, wie sie jetzt vorgesehen sind, seien darin aber gar nicht enthalten.

Was Schumacher damit meint, zeigt sich ganz bildhaft beim Blick auf den damals für den B-Plan festgesetzten Geltungsbereich. „Der stellt sich in der Länge mit fast 100 Metern zu beiden Seiten der Kreuzung nun fast doppelt so groß dar – deshalb denken wir, dass das jetzige Konstrukt für den Bau der vorgesehenen Abbiegespuren überhaupt keine Rechtsgrundlage bietet.“ Kurzum: Der 16 Jahre alte Bebauungsplan mit dem Namen „Fuhrenkamp II“ müsste geändert werden. „Dann hätten auch alle Behörden und Bürger in einem Beteiligungsverfahren die Möglichkeit, ihre Einwände geltend zu machen.“ Zu dieser Schlussfolgerung, sagt er, sei auch ein auf Umweltrechtsfragen spezialisierter Fachanwalt gekommen, mit dem die Initiative kürzlich in Kontakt getreten sei. „Die Gemeinde würde hier ganz klar gegen geltendes Recht verstoßen, sollte sie über den Geltungsbereich hinaus bauen“, macht Diana Cartwright deutlich.

Für Wolfgang Schumacher ist der Fall klar: „Bei der Gemeinde hat man sich auf den Ausbau des Kontenpunkts mit den Abbiegerspuren längst eingeschossen, Alternativen werden gar nicht mehr diskutiert – dabei hat das von der Kommune beauftragte Planungsbüro doch durchaus auch welche in Betracht gezogen.“ 420 000 Euro, sagt er, seien für den Umbau in den aktuellen Scheeßeler Haushalt aufgenommen worden. „Und da wird wohl im nächsten Jahr noch was drauf kommen.“

Nachdem die Bürgerinitiative von der Gemeindeverwaltung inzwischen vollständige Akteneinsicht bekommen hat, ist für Freitag zwischen beiden Parteien ein Gesprächstermin anberaumt, an dem auch der zuständige Verkehrsplaner und das für den Ausbau verantwortliche Büro teilnehmen werden. „Ganz sicher werden sich die für uns noch offenen Fragen bei dieser Gelegenheit klären lassen“, sagt Cartwright.

Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) möchte sich zu der Angelegenheit indes noch nicht gegenüber unserer Zeitung äußern. Nur das war ihr zu entlocken: „Warten wir doch erst mal das Gespräch mit allen Beteiligten ab.“

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