Zurückgestellt

Trotz Bedarf: Ostervesede muss auf Ausweisung eines neuen Baugebietes noch warten

Baulücken, die mit neuem Wohnraum ausgefüllt werden könnten, gibt es in Ostervesede einige. Nur veräußern wollen die Flächeneigentümer diese an Bauwillige fast nie.
+
Baulücken, die mit neuem Wohnraum ausgefüllt werden könnten, gibt es in Ostervesede einige. Nur veräußern wollen die Flächeneigentümer diese an Bauwillige fast nie.

Ostervesede – Man kann es drehen und wenden wie man möchte: Auf ein neues Baugebiet, für das der Ortsrat Ostervesede bei der Gemeinde vor gut einem Jahr Bedarf angemeldet hat, werden die Einwohner sich noch eine ganze Weile gedulden müssen. „Weder in diesem noch im nächsten Jahr wird sich bei der Ausweisung etwas tun“, gab Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) in der jüngsten Ortsratssitzung zu verstehen.

Grund sei sowohl eine Fülle an Bauleitplanverfahren, die es im Rathaus nun der Reihe nach abzuarbeiten gelte. Zunächst sollen nach einem Beschluss des Verwaltungsausschusses jene Baugebiete zu Ende gebracht werden, für die die Aufstellungsbeschlüsse bereits gefasst worden sind. „Aber auch, und das fällt“, so die Verwaltungschefin, „noch schwerer ins Gewicht, die in den Ortschaften herrschende Komplexität hinsichtlich der Emissionsvorschriften.“ Die seien nämlich nicht weniger kompliziert und schwierig geworden. „Das frisst unendlich viel Zeit, bis man ein Baugebiet mit einer Krücke irgendwie mal durch hat“, berichtete sie aus der Praxis. Abhilfe, um ein bisschen mehr Tempo bei der Abarbeitung der langen Liste hineinzubekommen, erhoffe man sich nun durch eine Stellennachbesetzung im zuständigen Fachbereich. „Aber selbst mit mehr Personal werden wir noch keine Perspektive für Ostervesede geben können.“

Ob für das Dorf nicht die Möglichkeit besteht, die Planungen in externe Hände zu legen, wollte Ortsratsmitglied Friedhelm Lohmann wissen. „Das machen wir ohnehin schon“, erwiderte Dittmer-Scheele, „aber es ist nicht so, dass man jeden Verfahrensschritt an einen Externen vergeben kann.“

Ich möchte nochmal an alle Eigentümer appellieren, die hier noch im Ort Baulücken haben, diese an bauwillige Osterveseder zu veräußern.

Ortsbürgermeister Andreas von Fintel

Dass bauliches Entwicklungspotenzial von Dörfern natürlich unwahrscheinlich wichtig sei, darauf verwies Ostervesedes Ortsbürgermeister Andreas von Fintel: „Und wenn man es bei uns nicht nur am Thema Baugebiet festhalten will, möchte ich nochmal an alle Eigentümer appellieren, die hier noch im Ort Baulücken haben, diese an bauwillige Osterveseder zu veräußern.“ Ihm seien mindestens zwei Einwohner bekannt, die sich ihren Traum vom neuen Eigenheim schon nicht im Heimatdorf hätten erfüllen können und nun gezwungenermaßen woanders hinziehen würden.

Zur Ortskernverdichtung, bei der man häufig in Konflikt mit der Geruchsemissionsrichtlinie, kurz Girl, komme, sagte er: „Wir waren lange anderer Meinung, von wegen die schönen Höfe. Aber da muss man auch Realist sein, da muss das ein oder andere landwirtschaftliche Gebäude, das nicht mehr aktiv genutzt wird, auch mal dran glauben.“ Ein Prozess, der seiner Meinung nach keinesfalls schlecht für die Ortschaft sein müsse, sondern durchaus zu einer Aufwertung beitragen könne – und der damit beginne, dass man solche Anlagen abmeldet.

Tatsächlich, verdeutliche Scheeßels Bürgermeisterin das Dilemma, sei der Landkreis durch die Richtlinie sowie die dazu ergangenen Gerichtsurteile gezwungen, Ställe als Emission zu zählen, und zwar unabhängig davon, ob dort noch Tiere gehalten werden oder nicht. „Solange der Bestandsschutz da ist, wird das Gebäude als Stall gezählt – das heiß, es stinkt zwar womöglich gar nicht, aber es muss rechtlich als stinkend gezählt werden.“ Zwar habe es unlängst im Baugesetzbuch eine Änderung gegeben, „wir können als Gemeinde aber noch nicht genau abschätzen, ob die bei den Emissionen zu einer Verbesserung beiträgt.“ Am Ende könne eine Kommune die Schwierigkeiten auch nicht aus der Welt räumen und schon gar nicht Eigentümer dazu zwingen, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen – „wir sind nur in der Lage, auf die Probleme hinweisen.“ Allerdings, betonte sie, habe sich auch jeder ein Stück weit selbst zu bewegen. „Die Welt verändert sich und wir müssen uns alle darauf einstellen.“ Niemand, davon sei sie überzeugt, werde am Ende in ein Baugebiet am Ortsrand ziehen, wenn das Dorf sich als löcheriger Käse darstellt. „Das ergibt auch überhaupt keinen Sinn.“

Von Lars Warnecke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Meistgelesene Artikel

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien
Für eine bessere ärztliche Versorgung

Für eine bessere ärztliche Versorgung

Für eine bessere ärztliche Versorgung

Kommentare