Ein Titel für die Scheeßeler Tracht

„Tracht des Jahres“: Originale und Beekscheepers erlangen Auszeichnung

Christine-Kai Humrich, Vorsitzende der „Beekscheepers“ und Heiko Klee, Vorsitzender der Original Scheeßeler Trachtengruppe präsentieren die Trophäe.
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Die Kooperation für die Bewerbung war erfolgreich: Christine-Kai Humrich, Vorsitzende der „Beekscheepers“, und Heiko Klee, Vorsitzender der Original Scheeßeler Trachtengruppe, präsentieren die Trophäe.

Die Original Scheeßeler Trachtengruppe und die Beekscheepers haben sich zusammengetan: Gemeinsam haben sie die Bewerbung für die „Tracht des Jahres“ fertig gestellt. Nun halten die Brauchtumspfleger die ersehnte Trophäe in den Händen.

Scheeßel – Noch voller Endorphine und „bollestolz“ sind sie, die zwölf Scheeßeler Trachtenträger der Beekscheepers und der Original Scheeßeler Trachtengruppe, nach ihrem gemeinsamen Ausflug nach Cloppenburg am Wochenende. Der Grund für die allgemeine Euphorie ist gerade mal 20 Zentimeter groß und, gemessen an den farbenfrohen Outfits der Brauchtumspfleger, eher schlicht: der Pokal, den Heiko Klee und Christine-Kai Humrich gemeinsam in den Händen halten, gehört zur Auszeichnung „Tracht des Jahres 2020“.

Aber nicht nur das ist Grund zu Freude. Der Ausflug ist schließlich die erste Gelegenheit seit langer Zeit, zu der mehrere Gleichgesinnte zusammenkommen, wenn auch unter strikten Vorgaben und mehrfachen Tests. Die meisten haben ihre Tracht zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr getragen. „Ich habe am Vorabend erst mal gecheckt, ob alles in Ordnung ist – das mache ich sonst nie!“, schmunzelt Heiko Klee von den Originalen.

Außenstehende können nur erahnen, was diese Auszeichnung für die Beteiligten beider Vereine bedeutet, markiert es doch das glorreiche Ende eines langen Prozesses mit viel Arbeit und Herzblut. Bereits 2019 hatten sich Vertreter der beiden Tanz- und Trachtengruppen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengetan, um der Bewerbung auf die Ausschreibung des Deutschen Trachtenverbandes (DTV) für den bundesweiten Wettbewerb Hand und Fuß zu geben. Denn die Messlatte, das hatte man bei einer früheren Bewerbung 2010 festgestellt, hängt hoch.

Es geht nicht nur darum, die „schönste Tracht“ zu präsentieren – dass die Scheeßeler Trachten dieses Kriterium erfüllen, da sind sich alle Beteiligten einig –, sondern auch „alle Lebensabschnitte abbilden, von der Taufe bis zum Totenbett“, wie es Maren Schwarz ausdrückt. Und als wäre dem noch nicht genug, galt es, die einzelnen Trachten, die bis auf die weißen Bänder einer Trauertracht alle noch im Originalzustand vorliegen, fotografisch zu dokumentieren und nach nahezu wissenschaftlichen Maßstäben zu belegen. Die Bewerbungsunterlagen erforderten mehrere mehrtägige Fotoshootings mit Vereinsmitglied Matthias Trochemowitz und der Scheeßeler Fotografin Carmen Baldamus.

Noch zeitraubender gestaltete sich die Recherche in Archiven, Antiquariaten und Büchern zum Teil noch in altdeutscher Schrift sowie Abgleich mit den Aufzeichnungen von Zeitzeugen aus den eigenen Reihen wie Marianne Cordes. Bereits 1994 hatte man sich für die Ausstellung „90 Jahre Tracht“ mit der Thematik auseinandergesetzt, damals wurden 40 Seiten zusammengetragen. Der jetzt als Bewerbung eingereichte und inzwischen in größerer Auflage in Druck gegangene Bildband umfasst 100 Seiten.

Dabei haben selbst die geschichtlich versiertesten Trachtenexpertinnen Inge Hastedt und Maren Schwarz immer wieder Neues dazu gelernt: „Allein an Trauermützen gibt es je nach Verwandtschaftsgrad zum Verstorbenen und Lebensphase fünf unterschiedliche Exemplare“, staunt Schwarz.

Acht der mehr als 20 unterschiedlichen Trachten, von der Festtags- über die Arbeitstracht für Feld und Küche bis zu Brautjungfer und Brautpaar, trugen die Vereinsmitglieder am Wochenende bei der Preisverleihung durch den niedersächsischen Kulturminister Björn Thümler, Manu Kretschmer vom Landestrachtenverband Niedersachsen (LTN) und Gunter Dlabal vom Bundestrachtenverband im Museumsdorf Cloppenburg.

Begleitet von einem Kamerateam, musste der eigentlich geplante große Bahnhof im Rahmen des Landestrachtentags coronabedingt entfallen.

So außergewöhnlich es ist, dass die Preisträger den seit 2006 ausgelobten Titel zwei Jahre behalten – in diesem Jahr wurde vor dem Corona-Hintergrund auf eine Vergabe verzichtet –, so sehr wirft die Pandemie bei den Scheeßeler Preisträgern 2020 ihre Schatten. „Eigentlich hätten wir ein Jahr lang unsere Trachten bei offiziellen Anlässen des DTB präsentieren und erklären sollen und dürfen“, erzählt Beekscheeperin Nadine Gottschalk, „aber die meisten Veranstaltungen fallen ja noch aus.“

Besonders groß ist das Bedauern, dass den Scheeßelern so vermutlich das Oktoberfest entgeht. Hoffnung besteht allerdings noch auf den Tag der Niedersachsen im Oktober. Dabei ist allen Beteiligten wichtig zu betonen, dass der Titel nicht an einen oder wie in diesem Fall zwei Vereine geht, sondern an die „Scheeßeler Tracht“ an sich.

Die Kooperation beider Vereine ist indessen ein weiterer Grund zur Freude. Abgesehen von den Feierlichkeiten 1994 ist es das erste gemeinsame große Projekt der Originalen und der Beekscheepers seit längerer Zeit – und ein fruchtbares noch dazu: „Wir haben eng zusammenarbeitet und dabei viel gelacht“, fassen die Vorsitzenden Heiko Klee und Christine-Kai Humrich die Kooperation zusammen. Harmonie, die man spüren kann.

In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Begriff der „Einhorngruppe“. Ein Insider: Der Abschluss der umfangreichen redaktionellen Arbeiten am Buch, das ab sofort bei den beiden Vereinen und im Büro des Heimatvereins zu erwerben ist, wurde gemeinsam im Planschbecken von Nadine Gottschalk gefeiert – und der ist im wahrsten Sinne des Wortes eben fabelhaft.  

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