Ein Toter und mehrere Verletzte nach Feuer in einem Obdachlosenheim in Scheeßel

Es war Brandstiftung

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Nach dem bisherigen Ermittlungsstand ist von Brandstiftung auszugehen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke und Michael Krüger. Der Verdacht wiegt schwer: Brandstiftung. Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Verden, bestätigte gestern Abend, dass kein technischer Defekt das verheerende Feuer in der Scheeßeler Obdachlosenunterkunft in der Nacht zu gestern ausgelöst hat. Doch weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Damit bleibt noch unklar, ob der Tod eines 59-jährigen Asylbewerbers auf ein Unglück oder vielleicht einen Anschlag zurückzuführen ist. Auch ob das Feuer innerhalb der von der Gemeinde Scheeßel getragenen Einrichtung oder außerhalb gelegt wurde, ob vorsätzlich oder fahrlässig – nur soviel: „Es hat jemand Hand angelegt.“ Fünf weitere Personen, die sich in dem Altbau an der Bremer Straße aufgehalten hatten, wurden bei der Tragödie verletzt, einer von ihnen schwer. So viel drang trotz der Verschwiegenheit von Staatsanwaltschaft, Polizei und Feuerwehr aufgrund der laufenden Ermittlungen bisher nach draußen: Bei dem Opfer handelt es um einen Asylbewerber aus Sri Lanka. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Um die genaue Todesursache zu klären, hat die Staatsanwaltschaft eine Obduktion des Leichnams angeordnet.

Die verletzten Personen – unter ihnen soll sich ein Ersthelfer befinden – wurden ins Krankenhaus eingeliefert, eine von ihnen mit einer schweren Rauchgasvergiftung. Zwei weitere Hausbewohner hatten Glück: Sie hatten die Nacht an einem anderen Ort verbracht, teilte Gaebel weiter mit. Ein Nachbar hatte das Feuer im Obergeschoss des zweistöckigen Hauses bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Als diese am Einsatzort eintraf, brannte die Obdachlosenunterkunft bereits lichterloh. Rund 90 Kameraden der Wehren aus Scheeßel, Jeersdorf, Westervesede und Hetzwege waren unter teils schweren Bedingungen im Einsatz.

Ob es sich auch um eine politisch motivierte Straftat handeln könnte, kommentierte Gaebel gestern nicht. In dem Wohnheim waren Obdachlose und Asylbewerber untergebracht. Der Staatsanwaltschaft seien keine Hinweise auf vorherige Drohungen bekannt. Einzelheiten würden ermittelt.

Während der Löscharbeiten, für die eine Drehleiter aus Rotenburg im Einsatz war, musste die B75 voll gesperrt werden – und das alles vor den Augen zahlreicher Schaulustiger. Zwar gelang es den Brandschützern, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, das Haus ist nun aber unbewohnbar.

Nach Auskunft einer Anwohnerin soll der Mann, der den Notruf abgesetzt hatte, geholfen haben, die Hausbewohner ins Freie zu bringen – und das noch vor Eintreffen der ersten Rettungskräfte. „Wir sind geschockt, für uns war das eine kurze Nacht“, sagte die Frau, die namentlich nicht erwähnt werden möchte. Eine andere Nachbarin erklärte: „Ich wohne seit 60 Jahren hier, so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Bekannt gewesen seien die Hausbewohner – ob es sich ausschließlich um Männer handelt, war gestern nicht zu erfahren – in der Nachbarschaft nicht. „Man ist sich vielleicht mal auf der Straße begegnet – das war’s“, so ein weiterer Anwohner. Am Morgen danach machten sich Mitarbeiter des Scheeßeler Ordnungsamtes ein Bild von der Lage. „Wir haben uns unverzüglich um eine anderweitige Unterbringung der obdachlosen Bewohner gekümmert“, erklärt Amtsleiter Frank Thies. Zwei von ihnen hätten das Krankenhaus gestern schon wieder verlassen können.

Mann stirbt bei Feuer in Obdachlosenheim

Bereits in der Vergangenheit sei es in dem Obdachlosenheim hin und wieder zu Bränden gekommen, erklärte der Verwaltungsmitarbeiter. Thies: „Allerdings hat es sich dabei um kleinere Zimmerbrände gehandelt, die von der Feuerwehr schnell wieder gelöscht werdenkonnten.“

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