Scheeßeler Einzelhandel abgehängt

Hurricane Festival: Tote Hose im Kernort

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Nicole Cordes (l.) und Julia Matscheroth gehören zu den wenigen Auswärtigen, die während des Festivals im Kernort einkaufen – auch wenn es nur Zigaretten sind.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Opa Hoppenstedt hat es ja schon immer gesagt: Früher war mehr Lametta. In Scheeßel herrscht, kaum, dass die Hurricane-Besucher ihre Quartiere bezogen haben, jedenfalls tote Hose. Da können die Einzelhändler auf noch so viel Publikumsverkehr hoffen, sich womöglich die eine oder andere Schnäppchenstrategie zurechtlegen – gegen den festivaleigenen, mehr als 2 000 Quadratmeter großen Penny-Markt kann selbst der pfiffigste Ladeninhaber sich nicht mehr behaupten.

Wer will schon den mühsamen Fußmarsch vom Campingplatz in Richtung Kernort antreten, wenn um die Ecke alles zu discountüblichen Preisen erworben werden kann: vom Grillfleisch bis zu Gummistiefeln, vom Dosenbier bis zum Frühstücksei? Hinzu kommt: Erstmals können Inhaber einer gewissen Kreditkarte während ihrer Einkäufe bares Geld sparen.

Scheeßel, das ist Tatsache, ist vom Festival abgehängt. Vorbei die Zeiten, in denen am Samstagvormittag noch massenhaft Menschen im Ort zugegen waren, um ihre Einkäufe zu tätigen. Vorbei die Zeiten der langen Schlangen vor den Pfandautomaten (von denen zuletzt eh die meisten seltsamerweise während des Festivals defekt waren). „Irgendwie schade, dass hier nichts mehr geht“, findet Tagesgast Julia Matscheroth, gemeinsam mit Freundin Nicole Cordes auf der Durchreise zum Womo-Platz. Eigentlich, meinen die beiden Nienburgerinnen, seien die Händler aber auch ein Stück weit selbst schuld an der Besucherflaute. „Hier müsste es palettenweise Gummistiefel, Zeltheringe und Pavillons zu kaufen geben – gibt es aber nicht“, sagt Nicole. Dafür aber Zigaretten. Mit denen wollen sich die jungen Frauen noch fix im Edeka-Markt eindecken.

Von weiter her, genau genommen aus Südafrika und London, haben sich Erika Blomerus und ihr Kumpel Ferdinand Connor in den Ort verirrt– wobei „verirrt“ wohl für sie die falsche Vokabel wäre. „Wir haben einen Supermarkt gesucht und ihn hier gefunden“, sagt die mit Einkaufstüten vollbepackte Erika. Dass es auch einen Vollsortimenter auf dem Campingplatz geben soll, davon hören die beiden eingefleischten Festivalgänger heute zum ersten Mal. Ferdinand: „Und ich habe mich schon gefragt, wo denn wohl all die anderen Besucher stecken – irgendetwas müssen die ja auch essen und trinken.“

Ein paar Meter weiter treffen wir Kathi Van Baal, Karsten Klumpmaker und Andreas Oudeainkin – eine Clique aus Hannover/Vechta. Das Trio steht vor dem offenen Kofferraum. Im Auto lagern für das feuchtfröhliche Festivalvergnügen kistenweise Gerstensaft. „Bier schmeckt auch warm“, sagt Karsten. Auch die Drei sind Inhaber einer Tageskarte, auch sie sind auf der Durchreise, warten auf dem Parkplatz am Beeke-Zentrum nur noch eben auf weitere Freunde. „Eingekauft haben wir in Scheeßel nichts, das ist alles mitgebracht“, sagt Kathi. Und wenn die Trink-Reserven aufgebraucht sind? Klar, kein Problem – dann geht es ruckzuck zum Festival-Discounter.

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