Zum Tode von Mo Bessim und Heita Meyer: Zwei Unikate verlassen für immer die Bühne

Musik war ihr ganzes Leben

+
Heinrich „Heita“ Meyer ( (1925-2015) galt noch bis ins hohe Alter als Meister an den Tasten.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Den Verlust gleich zweier Musiker, die Scheeßel musikalisch geprägt haben, hatte der Beeke-Ort in der vergangenen Woche zu beklagen. Im Abstand von wenigen Tagen sind am vorvergangenen Sonntag die Pianisten Mo Bessim und am darauf folgenden Dienstag sein Berufskollege Heinrich „Heita“ Meyer verstorben. Beide waren aus dem musikalischen Geschehen Scheeßels, aber auch der gesamten Region, nicht wegzudenken. Ein Nachruf.

Der ägyptische Pianist Mo Bessim, in den späten achtziger Jahren seiner Frau Antje Meiborg-Bessium zuliebe nach Norddeutschland gezogen, war von Haus aus Barpianist. Der 1934 geborene, teils in Kairo, teils in Singapur aufgewachsene Sohn einer Saudi-Arabierin und eines türkischen Vaters hatte ursprünglich Mediziner werden wollen; doch seine Liebe zur Musik war so groß, dass er im neu gegründeten National-Konservatorium in Kairo klassische Musik studierte, Mitglied der „Skyrockets Combo“, der ersten Rockgruppe Ägyptens, wurde und später auf Kreuzfahrschiffen, aber auch in den großen Hotels der Welt als Bar-Pianist arbeiten sollte. Stationen waren unter anderem Griechenland, Zypern, Kuwait, Addis Abeba (Äthiopien), Nairobi (Kenia) und Mailand (Italien). Dort spielte er nicht nur für die Frau des letzten iranischen Schahs, sondern lernte 1986 auch seine Frau Antje kennen. Ihr zuliebe landete der Feingeist und das Sprachtalent, das fließend sieben Sprachen sprach, im Beeke-Ort. Es folgten zahlreiche Engagements in den großen Häusern der Region wie im Hamburger Elysee, sondern immer wieder auch im Rotenburger Wachtelhof.

Aber auch die Scheeßeler kamen in den Genuss seines Könnens. So begleitete er von 1999 bis 2005 die Ballettgruppen des Tanzvereins „Step by Step“ von Fiona Stermann sowie regelmäßig die Gottesdienste der Rotenburger Auferstehungsgemeinde musikalisch. Aber auch die vierhändigen Klavierkonzerte mit dem Kantor der St.-Lucas-Kirchengemeinde Andreas Winterhalter bleiben dem Publikum unvergessen. Ebenso als Gast war der zurückhaltende, stets freundliche Mensch gern gesehen, fand er in seiner feinsinnigen, Menschen-bejahenden Grundhaltung doch immer einen freundlichen Blick, ein positives Wort für die zumeist jüngeren Kollegen.

Ein ähnlich bewegtes Leben war dem Scheeßeler Heinrich „Heita“ Meyer zuteil. Nach seiner Kindheit zog es den am 28. Mai 1925 geborenen Musiker und Komponisten in die Welt hinaus. Als Pianist begleitete er verschiedene Ensembles, spielte in Varietés und Kabaretts, bevor er 1975 bis zu seiner Pensionierung 1990 an der Eichenschule als Musiklehrer tätig war. Nebenbei leitete er von 1975 bis 1993 den Männerchor Scheeßel und gab mehrere Jahre lang im Rotenburger Wachtelhofsonntägliche Frühschoppen-Konzerte.

Auch als Komponist setzte er Maßstäbe, etwa mit seiner großen Elbe-Weser-Suite, dem Spectaculum oder einem an Molières „Eingebildeten Kranken“ angelehntes Musical. Mit seinem Gesangspartner und Nachfolger als Leiter des Scheeßeler Männerchors Volkmar Hank bestritt er bis in die hohen Achtziger mehrere Bühnenprogramme wie einen Swingabend, die „Lovesongs“ oder ein Programm zum Thema Barmusik.

Den Scheeßelern sind seine zahlreichen Auftritte im Rotenburger Haake-Meyer, im Nötel-Haus oder Meyerhof noch im Gedächtnis. „Er hat den Ort Scheeßel musikalisch befruchtet“, meint sein musikalischer Wegbegleiter Volkmar Hank. Überregionaler Ruhm wurde Heita Meyer zuteil, als er ein aus seiner Elbe-Weser-Suite auf den Jungfernstieg umgedichtetes Lied beim Wettbewerb „Ein Lied für Hamburg“ im Hamburger Congresszentrum (CCH) präsentierte. Darauf wurde er von einem Radiosender eingeladen, um regelmäßig m Hamburger Studio zu musizieren; sein Lied erschien auf einer von Rolf Zuckowski produzierten CD. „Heita war nicht nur ein Musiker, der sein Handwerk aus dem FF beherrschte“, so Wegbegleiter Hank über den Prima-Vista-Pianisten, „sondern sein fachliches Können war mit einem eigenen Stil und künstlerischer Inspiration gepaart“. Auch die Ausrichtung des jährlichen Heringsessens habe er lange Jahre durch musikalische Umsetzung des jeweiligen Mottos geprägt.

Mo Bessim und Heita Meyer, sie werden fehlen: An den schwarzen und weißen Tasten, als kundige und geneigte Zuhörer aller musikalischer Anlässe und als zwei humorvolle, feinsinnige Menschen, die Scheeßel musikalisch wie menschlich bereichert haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

Green Circus auf dem Deichbrand Festival 2017

Green Circus auf dem Deichbrand Festival 2017

Holtebütteler Plattsnackers spielen „Chaos in’t Bestattungshuus“ 

Holtebütteler Plattsnackers spielen „Chaos in’t Bestattungshuus“ 

Meistgelesene Artikel

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Notfallpatienten werden in Zeven nicht mehr aufgenommen

Notfallpatienten werden in Zeven nicht mehr aufgenommen

20 Jahre Feuerengel: Kartennachfrage übertrifft sämtliche Erwartungen

20 Jahre Feuerengel: Kartennachfrage übertrifft sämtliche Erwartungen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Kommentare