Mahnwache und verschwundene Plakate

„Lebenslange Gefangene“: Tierschützer protestieren vor „Circus Granada“

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Zirkus-Chef Karl Lauenburger fühlt sich von der Kritik der Tierschützer verunglimpft.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Eigentlich läuft alles rund auf der Festwiese an der Westerveseder Landstraße. Der Aufbau des großen Zirkuszelts geht zügig voran. Die Auslaufgehege der Tiere sind schon fertig. Dem Spektakel in der Manege mit Akrobatik, Clowns und Tieren steht somit nichts im Wege. Dennoch ist Karl Lauenburger, Chef des „Circus Granada“, bedrückt. Sogenannte Tierschützer machen ihm und seiner Familie nach eigenen Angaben derzeit das Leben schwer.

Beweisen kann Lauenburger es nicht. Aber dass Plakate verunstaltet oder gar verschwunden sind, daran, so der Zirkus-Direktor, gebe es keinen Zweifel. Allein in Scheeßel seien in den vergangenen Tagen 20 große Plakate auf Nimmerwiedersehen verschwunden, auf mindestens 100 Werbeschilder klebten Unbekannte Papierdrucke mit der Aufschrift „Abgesagt“.

Am Freitag nun erhält der „Circus Granada“ unerwünschten Besuch. Im Vorfeld der Nachmittagsvorstellung haben sich Vertreter des Aktionsbündnisses „Animals United“ angekündigt. Die haben kein Interesse an der Show, vielmehr wollen sie gegen Tiere in Zirkussen mit einer Mahnwache protestieren und auf ihr Engagement aufmerksam machen: „Unser Protest richtet sich nicht nur an Granada“, sagt Gruppensprecher Peter Hübner. „Wir stehen auch vor anderen Zirkusbetrieben, die Tiere nutzen. Tiere sind keine Unterhaltungsobjekte. Zirkustiere sind lebenslange Gefangene, die zur Vollführung von Kunststücken gezwungen werden.“

„Das ist alles Quatsch“

Karl Lauenburger kennt die Argumentation zur Genüge: „Das ist alles Quatsch“, sagt der Mittfünfziger, der den Zirkus mit seiner Frau und seiner Familie schon in der achten Generation betreibt. „Wir erhalten keine staatliche Unterstützung und verdienen unser Gehalt durch unsere eigenen Hände Arbeit“, erklärt er. Damit distanziere man sich deutlich von sogenannten „Bettelzirkussen“, betont der Zirkus-Chef. 

Ja, er wisse, dass es auch Zirkusse gebe, die ihre Tiere nicht ordentlich behandeln. Und ja, er befürworte das Engagement von Tierschützern, wenn es denn berechtigt sei. „Aber sehen Sie hier Tiere, die gequält aussehen?“ Spontan füttert er die Pferde auf der Koppel, die ihm bereitwillig den Kopf zuwenden.

Er ist stolz darauf, dass seine Tierhaltung bei den regelmäßigen Überprüfungen durch den Veterinärarzt noch nie beanstandet wurde. Und er verrät auch die Grundlagen dafür: viel Platz für die Pferde in Einzelboxen, täglicher Wechsel der Sägespäne, die als Einstreu weniger Keime haben als Stroh, ausreichend Freilauf für die anderen Tiere und kein Aufenthalt der Tiere für mehr als vier Stunden im Wagen.

Kontrollen und Genehmigungen reichen Tierschützern nicht

Nach dem Tierschutzgesetz hätten Zirkusunternehmen, die Tiere an wechselnden Orten zur Schau stellen, dem für den neuen Aufenthaltsort zuständigen Veterinäramt ihren Aufenthalt anzuzeigen, erklärt Kreispressesprecher Gerd Hachmöller. „Sofern eine Kontrolle durch das Veterinäramt durchgeführt wird, überprüft dieses den Gesundheitszustand der Tiere, die Haltungsbedingungen, die Fütterung und den Pflegezustand der Tiere.“ 

Das Ergebnis der Kontrollen werde in ein spezielles Buch eingetragen, welches der Zirkus bei jeder Überprüfung vorlegen muss. Hierdurch erhielten die jeweils neuen Kontrolleure Kenntnis von Auflagen, die bei einer vorangegangenen Kontrolle erteilt wurden und könnten die Abstellung der Auflagen überprüfen. Hachmöller: „Jeder Zirkus, der Tiere zur Schau stellt, muss eine Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz haben. Ob eine solche vorliegt, ist auch Bestandteil einer Kontrolle.“

Die Tierrechtler lassen sich davon nicht beeindrucken. „Vielfach kommen Dressuren und hartes Training dazu, ebenso bedeutet für die Tiere das große Publikum und der Lärm enormer Stress“, so Peter Hübner. „Dies verdient keinen Applaus, sondern erfordert Empathie diesen fühlenden Lebewesen gegenüber.“

Polizei überwacht die Protest-Aktion

Von Gewalt beim Training und Peitschen und Stöcken als „Hilfsmittel“ für eine Dressur könne keine Rede sein, kontert Karl Lauenburger. „Die Tiere machen es auf Zuruf.“ Ihn ärgert es, dass die Tierschutzaktivisten nicht differenzieren: „Die stehen bei uns vor der Tür und fordern ein Verbot von Wildtieren. Dabei haben wir gar keine. Wir haben Kamele, Pferde, Ponys, Rinder, Esel und Hunde,“, sagt er. „Natürlich leben unsere Tiere nicht wie in der Natur, aber in großen Freigehegen.“ Gerne führt er kritische Besucher über das Zirkus-Areal.

Von 13.30 bis 15.30 Uhr wollen die Vertreter von „Animals United“ am Freitag in Zirkusnähe ihre Mahnwache abhalten. „Wir tun dies friedlich“, betont Hübner. Dennoch komme es auch schon mal zu Auseinandersetzungen, die in Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und Strafanzeigen münden – zuletzt bei einem Granada-Gastspiel Ende Dezember in Buchholz in der Nordheide. Entsprechend sensibilisiert ist die Polizei. Nach dem damals eskalierten Streit zwischen Demonstranten und der Zirkusfamilie haben die Ordnungshüter zugesagt, die Aktion zu überwachen.

Termine

Das erste Mal seit vier Jahren gastiert „Circus Granada“ wieder im Scheeßeler Industriegebiet. In dieser Woche bietet das Familienunternehmen vier jeweils zweistündige Vorstellungen an. Am Donnerstag beginnt um 15 Uhr eine Familienvorstellung, an der Erwachsene zum Kinderpreis teilnehmen können. Am Freitag und am Samstag beginnen die Vorstellung ebenfalls um 15 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr. Danach reist der Zirkus weiter nach Achim.

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