Theaterfrühling an der Eichenschule: Elftklässler bringen Kaleidoskop der Pubertät auf die Bühne

Facetten der „Generation Snapchat“

Slapstick hinter dem Buchsbaum: So herrlich albern kann Jugend sein. - Foto: Heyne

Scheeßel - Imponiergehabe, Balz und Zweisamkeit – doch man lasse sich nicht täuschen: Um „das Tierreich“ geht es in dem gleichnamigen Stück von Nolte Dekar, das am Montagabend im Theatersaal der Eichenschule Premiere feierte, höchstens am Rand.

Worum es wirklich geht in den schnellen, nur scheinbar zufällig aufeinanderfolgenden Szenen im Stil der „Generation Snapchat“, die in einer fiktiven deutschen Kleinstadt mit Freibad, Eisdiele, Schule und Jugendzentrum angesiedelt sind: Um die Befindlichkeiten der Jugend zwischen Euphorie, Hysterie, null Bock, und Wahnsinn, zwischen Diskussionen des „Kommittees zur Umbenennung der Schule“, der Annäherung der Geschlechter, der mehr als einmal zum Slapstick gerät, zwischen Alltäglichem und großen Gefühlen.

Kaleidoskopartig entwerfen die Elftklässler des Wahlpflichtkurses Darstellendes Spiel unter Leitung von Thomas Stermann ein Bild der heutigen Jugend, bunt, vielfältig und chaotisch – und mit jeder Menge Slapstick, Wortwitz und Situationskomik.

Und das gelingt ihnen äußerst authentisch. Herrlich, wenn Linda Bredemeier und Sinja Prange als eineiige Zwillinge „Mean Girls“ ein Chinchilla kidnappen; ebenso gelungen die Darstellung der talentfreien Girlie-Band, die zu schiefen Akkorden der E-Gitarre „Korn-Bier-Weltall“ skandiert, um am Ende doch lieber einen Song über den Erdkern als den Hass auf die Eltern zu texten.

Ein kluger Einfall ist auch die zusätzliche Ebene durch drei Erzähler (grandios: Jasper Anders, der die Eisdielen-Szenen mit italienischem Pizzabäcker-Akzent garniert), die die Gedanken der Pubertierenden offenlegen – mal helfend, mal tröstend – und ins Geschehen eingreifen.

Theater: "Das Tierreich"

Während der Absturz eines Panzers auf die Schule ungerührt hingenommen wird, bekommen Stück und Sommerferien der Jugendlichen unerwarteten Tiefgang, als eine Mitschülerin bei einem Unfall ein Bein verliert und so der Ernst des Lebens Einzug hält. Prädikat: Unbedingt hingehen! Das Stück ist heute zum letzten Mal um 19.30 Uhr zu sehen. - hey

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