Bei der Gruppe „Kathariss“ wird das Publikum zum Richter

„Terror“ im Theatersaal

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Staatsanwältin Nelson (Susanne Bendukat) bedrängt den Zeugen, Oberstleutnant Lauterbach (Stephan Anders), die Wahrheit zu sagen.

Major Lars Koch, Kampfjetpilot bei der Deutschen Bundeswehr, steht vor Gericht: Er ist wegen 164-fachen Mordes angeklagt, da er eigenmächtig ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abgeschossen hat. Die Terroristen steuerten es auf die voll besetzte Allianz-Arena zu. Der Major hatte zuvor den Befehl bekommen, den Airbus abzudrängen. Er sollte verhindern, dass das Flugzeug beim Länderspiel zwischen Deutschland und England auf die Zuschauer stürzt. Durfte der Bundeswehrsoldat so handeln? Hat der Kampfjetpilot damit die Menschenwürde der Passagiere verletzt? Oder ist er ein Held, weil er Tausende Menschen rettete? Um die Frage, ob der Staat zur Terrorabwehr töten darf, geht es in dem Theaterstück „Terror“ von Ferdinand von Schirach. Aufgeführt wurde das schier unglaubliche Rechtsspektakel am Samstag von der aus Lehrkräften der Eichenschule bestehenden Theatergruppe „Kathariss“ im neuen Theatersaal. Die mehr als 100 Zuschauer entschieden dabei selbst über das Urteil des Angeklagten.

Scheeßel - Von Marié Detlefsen. Der Vorhang öffnet sich und bedrückende Musik setzt ein. Das Bühnenbild wird sichtbar und enthält lediglich drei Tische mit Stühlen sowie einen Zeugenstuhl im Vordergrund, der sich im Laufe des Stücks immer mehr zu einer Anklagebank entwickelt. Nach wenigen Sekunden betritt der Major (Jörn Gnass) die Bühne, während das Publikum die nächsten zwei Minuten auf die nächste Aktion wartet. Schon jetzt wird dem Zuschauern klar, dass ein spannender Prozess auf ihn wartet.

Die Vorsitzende, hervorragend gespielt von Gisela Heyber, klärt auf. „Sie sollten alles vergessen, was sie über diesen Fall zu wissen scheinen, denn heute sind Sie die Schöffen. Sie haben am Ende die Macht, über das Schicksal eines Menschen zu urteilen.“ Der folgende Ablauf orientiert sich an einem echten Gerichtsverfahren, sogar das Publikum steht an besagten Stellen auf.

Rund zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) vollzieht sich das Strafverfahren vor den Augen der Zuschauer. In der ersten Hälfte sticht vor allem Stephan Anders hervor, welcher als Zeuge Oberstleutnant Lauterbach den Tatverlauf im Detail wiedergibt. Er wirft mit Fachbegriffen wie „Duty Controller“ oder „Runaway“ um sich und wird zuletzt von der hervorragenden Susanne Bendukat als Staatsanwältin Nelson ausgequetscht, sodass er selbst anfängt, an seiner Haltung zu zweifeln.

Als Nebenklägerin Franziska Meiser zeigt Schauspielerin Dorothea Drewes die andere Seite der Tat. Haben die Passagiere vielleicht den Terroristen zu Fall gebracht und sich gerettet, wären sie nicht abgeschossen worden? Auch Major Lars Koch muss sich den Fragen stellen. In seiner Uniform versucht er, dem Druck standzuhalten, kämpft andauernd mit den Tränen, um nicht seine Fassung zu verlieren. Zum Abschluss liefern sich Susanne Bendukat als Staatsanwältin und ihr Mann Volkmar Bendukat als Verteidiger ein regelrechtes Gefecht der Plädoyers. Am Ende liegt es aber in der Hand der Zuschauer, ob sie den Angeklagten für schuldig oder nicht schuldig befinden. 75 gegen 31 votierten für Freispruch, wobei es sich der eine oder andere mit seiner Entscheidung nicht leichttat.

Eine weitere Aufführung findet am kommenden Sonntag um 17 Uhr an gleicher Stelle statt. Karten zum Preis von zehn Euro (ermäßig fünf) gibt es im Vorverkauf in der Sonnen-Apotheke Scheeßel. An der Abendkasse sind es zwölf beziehungsweise sechs Euro.

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