Scheeßeler Mühle öffnet ihre Türen zum Tag der Industriekultur am Wasser

Ein technisches Kleinod an der Wümme

Ein tonnenschwerer Gigant von Dampfmaschine ist die Lokomobile im neu angebauten Dampfsägewerk. Foto: Ujen

Scheeßel - Von Hannes Ujen. Zur fünften Aktion „Tage der Industriekultur am Wasser“ öffneten am Wochenende in der Metropolregion Hamburg und im Umland 122 Denkmäler an 58 Orten mit mehr als 250 Veranstaltungen ihre Türen. In Hafenanlagen, Schleusen und Schiffen, Leucht- und Wassertürmen, Brücken und Mühlen, Fabriken und Kraftwerken konnten interessierte Besucher Einblicke in die Welt der Industriekultur am Wasser erhalten.

Zu den ausgewählten Orten des Projekts zählte auch wieder die Scheeßeler Wassermühle, in der am Samstag und Sonntag Führungen durch die größte Naturkraftmühle im Landkreis Rotenburg angeboten wurden. „Wir sind uns der Bedeutung dieses technischen Kleinods an der Wümme voll bewusst“, erläuterte Bärbel Münnich, Vorsitzende des Fördervereins, der sich seit dem Jahr 2003 um den Erhalt der Funktionstüchtigkeit des historischen Bauwerks kümmert. „Ganz vorne an steht dabei das großartige Engagement vom Mühlenbesitzer Jan Müller-Scheeßel, der immer wieder für neue Attraktionen in diesem historischen Gemäuer sorgte.“

Die Mühle markiert eindrucksvoll den Übergang von einer traditionellen Getreidemühle zu einem Industriebetrieb. Im Kern stammt der heutige Bau aus den Jahren um 1828 und 1829. Damals wurden mit zwei großen Wasserrädern vier Mahlgänge angetrieben. Um 1880 wurden die Wasserräder durch zwei Francis-Turbinen mit Leistungen von 35 und 40 Kilowatt ersetzt, die von der Wasserkraft der Wümme angetrieben wurden und über neuartige Walzenstühle Feinmehl produzierten. Seit 1866 half dabei auch eine Dampfmaschine.

Von 1929 bis 1950 arbeitete ein Dieselmotor als Hilfsantrieb bei Wasserknappheit. Seit fast drei Jahren ist jetzt im Mühlenkeller wieder ein Herford GS Diesel, Baujahr 1936, im Betrieb.

1898 und 1900 wurde die Mühle noch einmal ausgebaut und ihre Technik dann zwischen 1925 und 1955 erneuert. In den vergangenen Jahren vor der Stilllegung 1999 produzierte die Mühle vor allem Mischfutter.

Eine weitere Attraktion im Mühlenensemble ist die zig-tonnenschwere Lokomobile, eine mächtige Dampfmaschinenanlage. Man kann sie sich als Dampflok ohne Räderunterbau vorstellen – mit Befeuerung, riesigem Dampfkessel, Steuerung sowie der Antriebseinheit aus Zylindern, Kolben, Kurbelwelle und Schwungrad mit Riemenscheibe. Die im Jahr 1924 von der A. Wolf AG in Magdeburg-Bückau gebaute Lokomobile fand ihren Platz im neu angebauten zukünftigen Dampfsägewerk.

„Trotzdem die Scheeßeler Wassermühle immer wieder modernisiert wurde, lassen sich in dem historischen Gebäude noch überall Spuren der alten Betriebsformen entdecken“, stellte ein Besucher aus Hamburg über die spannenden Einblicke in die Welt der Industriekultur am Wasser erfreut fest.

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