Syrische Flüchtlinge beteiligen sich mit Kochaktion am Halloween-Shopping

Falafel für die Gastgeber

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Bringen gemeinsam die „Aktion Falafel” beim Halloween-Shopping auf den Weg: Ehrenamtliche Sprachmittlerin Roueida Kara (v.l.), Carsten Tietjen vom RW Scheeßel, Achmed und Hassan aus Syrien.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Halloween-Shopping – das heißt: geöffnete Geschäfte bis weit nach Einbruch der Dunkelheit, stilvolle Dekorationen und gut gelaunte Gruppen amüsierwilliger Scheeßeler. Also alles beim Alten dieses Jahr? Nicht ganz: Neben dem Getränkestand des Rot-Weiß-Scheeßel in der Großen Straße, seit rund vier Jahren geselliger Treffpunkt an diesem speziellen Abend, soll es neben Flüssignahrung dieses Jahr nach einer Gaumenfreude der besonderen Art duften, die so nicht eben jeden Tag im Beeke-Ort zu finden ist. Denn hier, so die pfiffige Idee von Carsten Tietjen, Vorstandsvorsitzender des örtlichen Fußballclubs, werden syrische Flüchtlinge das traditionelle Gericht Falafel für ihre Scheeßeler Gastgeber zubereiten.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Kooperation kam Tietjen nach eigener Aussage, als er in unserer Zeitung vom letzten Café International im Harmshaus der Kirchengemeinde las: „Da dachte ich: Warum geben wird unseren Neubürgern, aber auch dem Helferkreis, nicht eine Plattform, ins Gespräch zu kommen und auf sich aufmerksam zu machen?“ Dabei geht es nicht nur um das Nationalgericht aus Erbsenmus, sondern auch darum, Kontakte zu knüpfen. „Und hier können die Helfer Interessierten auch erklären, wo vielleicht noch Hilfe gebraucht wird und was fehlt.“ Berührungsängste habe es von Anfang an nicht gegeben; Einer der Flüchtlinge kickt bereits erfolgreich in der zweiten Herrenmannschaft.

Dass das ehrgeizige Projekt auch tatsächlich umgesetzt wird, ist auch dem sozialen Netzwerk Facebook zu verdanken. Dort veröffentlichte Tietjen seine Idee in der Gruppe „Scheeßel hilft“. Gelesen und aufgegriffen wurde sie von Roueida Kara, die ehrenamtlich Deutschkurse für Flüchtlinge gibt. Die Libanesin, die 1997 der Liebe wegen nach Scheeßel kam, ist über ihren Sohn mit dem Sportverein verbunden. Sie erzählte ihren Kursteilnehmern von dem Vorhaben – und rannte offene Türen ein. Fadi, Achmed und Hassan hatten bereits im Harmshaus das Kichererbsen-Gericht zubereitet.

Die kleinen vegetarischen Küchlein, die direkt an Ort und Stelle frittiert werden, erfordern mehr Vorbereitung als man ihnen ansieht. Schon das Besorgen der Zutaten kann hierzulande zur Herausforderung werden: „Wenn die nicht über die Moschee in Rotenburg zu bekommen sind, müssen wir nach Hamburg fahren“, übersetzt die ehrenamtliche Sprachmittlerin, die auch die Fahrdienste für den Einkauf übernimmt.

Dann folgt eine Menge Handarbeit, „denn eine Maschine haben wir hier leider nicht, um die getrockneten Bohnen zu mahlen“, so Achmed. Also heißt es: kneten, kneten, kneten, bis der Teig zu einer glatten Masse geworden ist. „Einen Tag Vorbereitungszeit wird das wohl dauern“, erzählt Hassan, der in seiner Heimat als Koch gearbeitet hat. Für beide ist es selbstverständlich, dies unentgeltlich zu machen: „Wir wollen etwas von der Hilfsbereitschaft zurückgeben, die uns die Scheeßeler entgegen gebracht haben“, erklären sie, und Achmed fügt hinzu: „Wir haben Glück gehabt, dass wir hier gelandet sind.“ Am liebsten würden sie die gesamten 150 Portionen, die derzeit geplant sind, gratis abgeben. „Letztes Mal haben sie die Zutaten aus eigener Tasche bezahlt“, steckt uns Kara.

Tietjen ist bereits auf der Suche nach Sponsoren, damit die Erlöse aus den Spenden für den Falafelverkauf wieder in die Flüchtlingsarbeit fließen können. Eins steht für ihn schon jetzt fest: „Wenn unsere ersten Herren die Saison gewinnen, spendiere ich Falafel für alle!“

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