Ab in die Menge: The Subways versprechen den Hurricane-Besuchern Körperkontakt

Wie der Urschrei

Für den Glamour-Faktor bei der britischen Indie-Rock-Band The Subways ist die Bassistin Charlotte Cooper, hier beim Hurricane 2014, zuständig. - Foto: Ralf G. Poppe

Scheeßel - Von Ralf G. Poppe. Nur etwas über eine Woche, dann startet das Hurricane-Festival in Scheeßel in seine 20. Auflage. Natürlich sind alle Tickets schon längst verkauft, die Veranstalter erwarten um die 75 000 Fans – und etliche Bands. Mit dabei auch The Subways, die am Sonntag, 26. Juni, um 15.15 Uhr auf der Green Stage stehen. Nach 2008, 2011 und 2014 ist die britische Indie-Rock-Band somit schon zum vierten Mal auf dem Eichenring mit dabei.

Sie sind wohl die herzlichste Band, die das Festival je zum Feiern brachte: The Subways aus Welwyn Garden City, Hertfordshire in England – gut 30 Kilometer vom Kings Cross in London entfernt gelegen. In Gesprächen mit ihnen gibt es selten ernste Momente, meistens wird gelacht. Ohne jedoch albern zu werden oder zu wirken. Lebensfreude überwiegt. Und die Kunst, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

Knapp elf Jahre ist es nun her, als Billy Lunn (Gesang/Gitarre), sein Bruder Josh Morgan (Schlagzeug) und Charlotte Cooper (Bass) mit „Young for Eternity“ ihr erstes Album präsentierten. Sie vermischten jugendlichen Elan mit Charme. Mittlerweile zitieren sie sogar altehrwürdige Sounds, die sie im Elternhaus gehört haben. Lunn sagt dazu: „Unsere Eltern waren große Fans von T.Rex. Jede kleine Reise, besonders an den Wochenenden, wurde mit Musik begleitet. Mum liebte Smokey Robinsons Musik, Dad hörte hartes Zeugs von Hendrix oder AC/DC. Hoffentlich sind wir in der Lage, irgendwann eine Marke darzustellen wie David Bowie oder Deep Purple. Das größte aber war, dass unsere Eltern (und all die anderen Eltern, in deren Schlafzimmern wir musizierten) uns zuriefen ,Lauter! Aufdrehen! Großartig!‘. Hoffentlich werden wir auch einmal solche Eltern.“

Musikalisch gereift, setzten die Drei bereits im Jahr 2008 mit „All or Nothing“ alles auf eine Karte, um weitere Karrieresprünge 2011 mit „Money and Celebrity“ gebührend zu feiern. Die erste erfolgreiche Single des Trios, „Rock'n'Roll Queen“, wurde gar in mehreren Sprachen aufgenommen. „We don‘t need money to have a good time“ beinhaltet in der Bonus-Version den Chorus in Deutsch.

Das aktuelle, selbstbetitelte, im Frühjahr 2015 veröffentlichte Album wurde jedoch ausschließlich in Englisch eingesungen, obwohl die neue Schallplattenfirma der Band ihren Sitz in Hamburg hat. Lunn erinnert sich: „Deshalb war es diesmal einfacher für uns! Diese Produktion war die Einfachste und die Schwerste zugleich. Einerseits gab es diesmal keine Texte in ausländischen Varianten. Totale künstlerische Freiheit, wir konnten quasi tun, was wir wollten. Andererseits musste aber auch jedes Studio selbst angemietet werden, jeder Zeitplan selbst erstellt. ,The Subways‘ ist der erste Longplayer, durch den wir uns komplett selbständig durchkämpfen mussten. Es gab niemanden, der uns sagte, wann wir welchen Mix fertigen oder wann wer im Studio anwesend sein musste. Als Ergebnis dessen kannst du nun meine ersten grauen Haare sehen.“

The Subways ist eine sehr bodenständige Band. Sie sind weder oberflächlich, noch hochnäsig. Bei Konzerten nehmen sie sich oft auch die Zeit, um mit Fans für Selfies zu posieren. Der Kontakt zur Basis geht nicht verloren. Der große Glamour des Showbusiness greift bei ihnen nicht. Lunn betont: „Charlotte ist der Glamour in dieser Band. Josh und ich sind nicht glamourös.“ Frage an Charlotte: Sind Josh und Billy manchmal biestig? Charlotte: „Ähm...“ (kommt kaum zu Wort). Billy und Josh: „We‘re quiet loud!“ Es ist nicht zu verbergen, diese Menschen haben viel Spaß miteinander. Passenderweise heißt ein Lied dann auch „Good Times“.

Was benötigen die Subways, um „Gute Zeiten“ zu haben? Lunn: „Die Menschen, die wir lieben! Das ist das einzig Wichtige im Leben. Unter Umständen noch etwas Geld. Das benötigen wir schließlich, um etwas zu Essen kaufen zu können. Sollte Geld jedoch zum Fokus des Interesses werden, zerstörst du dich innerlich selbst. Es ist schön, von einem Freund immer wieder daran erinnert zu werden. Von jemandem, der gute Zeiten mir dir verlebte, als du noch kein Geld hattest. Dieser Jemand ist dann wiederum eine der Personen, die wir lieben. Genau darum habe ich diesen Song geschrieben! Solange du Menschen hast, die sich um dich sorgen, solange kannst du auch gute Zeiten haben! Wir lieben es, ausschließlich für unsere Fans die Bühne zu betreten!“

Und dabei ein Bad in der Menge zu nehmen, wie beim letzten Hurricane-Festival? Lunn: „Ich denke, für uns alle ist es ein ritualistisches Ding, auf der Bühne zu stehen. Es drückt sich auch körperlich aus. Es ist mehr, als einfach nur die Lieder zu spielen. Wir wollen alle dazu aufrufen, eine gute Zeit zu haben. Dieser Spaß beinhaltet es auch, sich direkt in die Menge zu begeben. Es ist wie der Urschrei! Direkt vom tiefsten Platz in deiner Seele. Ich realisiere immer wieder, woher die Musik kommt, wie sie uns spirituell zusammenbringt. Nicht nur körperlich! Wäre ich religiös, Musik wäre mein Gott!“

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