Chefriege malt bei Treffen düstere Prognosen

Stiftungsvorstand aufgrund niedriger Zinsen in Nöten

Auch die jüngste Renovierung der Kirchenorgel wurde mit Stiftungsgeldern gefördert. - Fotos: Heyne

Scheeßel - „Die St.-Lucas-Kirche hat große Sorgen“ – mit dieser Feststellung wurden rund 30 Teilnehmer des diesjährigen Stiftungstreffens im Harmshaus von Vorstandsmitglied Claus-Dieter Winkelmann konfrontiert. Das Kuriose: Diese Aussage stammt eigentlich aus einem Pressebericht aus dem Jahr 2003, als die Landeskirche den Gemeinden Gelder strich. Heute sei sie aktueller denn je, wenn auch aus anderen Gründen: Es ist das niedrige Zinsniveau, das auch der 2003 gegründeten Stiftung zu schaffen macht.

Eigentlich steht die Stiftung nach vier abgeschlossenen Bonifizierungsphasen und knapp 2 300 Einzahlungen von mehr als 913 Einzahlern finanziell recht gut da: Die halbe Million Euromarke für das Stiftungsvermögen ist wie avisiert geknackt worden. „Leider sind die Zeiten, wo Verzinsungen von acht Prozent gang und gäbe waren, längst vorbei“, bedauert Vorstandsmitglied Karsten Müller-Scheeßel.

So konnte 2015 trotz steigenden Stiftungskapitals deutlich weniger Geld für Zuwendungen ausgeschüttet werden als noch im Vorjahr, wo sich der Abwärtstrend bereits ankündigte. Winkelmanns Prognosen sehen noch düsterer aus: Bewahrheiten sich die Hochrechnungen des Sparkassenbetriebswirts, die – so will es die Satzung – auch Rücklagen in Höhe eines Drittels der Zinsen beinhalten, so erreichen die Ausschüttungen 2020 gerade mal die Hälfte des heutigen Niveaus.

Das Problem: Viele von der im Landkreis recht erfolgreichen Stiftung unterstützten Zwecke sind nicht einmalig, sondern langfristiger angelegt. So wird die Jugenddiakoninnenstelle von Sabine Gerken bereits seit Jahren mit einem vierstelligen Betrag bezuschusst; auch die Sterbebegleitung der Diakonie-Sozialstation oder der Swimmy-Treff sind keine Eintagsfliegen. So übersteigen die Zusagen und Anträge für das laufende Jahr bereits das, was mit Zinsen abgedeckt werden kann.

Der Ausweg: Im Einzelfall decken Spenden das Delta. Zwar stehe das Ziel im Vordergrund, vornehmlich das Kapital durch Zustiftungen zu erhöhen („In Kirchenkreisen denkt man in anderen Zeiträumen“, so Müller-Scheeßel), doch „im begründeten Einzelfall werden wir auch in Zukunft den Weg unterstützender Spenden statt Zustiftungen gehen.“ Darüber hinaus denke man im Kirchenvorstand verstärkt darüber nach, andere Wege zu gehen, ergänzt Winkelmann. Beispielsweise laufe Ende 2017 der Vertrag der Jugenddiakonin aus.

Auch personell agieren Müller-Scheeßel und Winkelmann vorausschauend: Beide suchen für die nächste Amtsphase aus Altersgründen nach einem Nachfolger.

Bewährt haben sich bereits ungewöhnliche Wege: In der vergangenen Bonifizierungsphase haben vier Stiftungskonzerte insgesamt 6 000 Euro in die Kassen gespült, „und das ganz ohne Sponsoren und nur mit regionalen Künstlern“, so Müller-Scheeßel. - hey

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