„Stell dich nicht so an“

Großes Interesse an Vortrag über Hochsensitivität von Dr. Richter

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Nina Meyer (2.v.r.) von der Beeke-Apotheke und Referentin Dr. Vivian Richter freuen sich über ein volles Haus.

Scheeßel - Kompetente Informationen aus erster Hand erhalten – diese Möglichkeit nahmen am Mittwochabend zahlreiche Interessierte wahr, die zum Vortrag über Hochsensitivität von Dr. med. Vivian Richter in die Beeke-Apotheke gekommen waren. Deren Chefin Nina Meyer begrüßte die Diplom-Homöopathin, die in Winsen eine Praxis für ganzheitliche Medizin betreibt.

Nach Beschreibung der Unterschiede zwischen aufgrund traumatischer Erfahrungen erworbener Hochsensibilität und wahrscheinlich angeborener Hochsensitivität klärte die Medizinerin ausführlich über das aktuelle, immer noch nicht gänzlich erforschte Bild von hochsensitiven Menschen auf. Basierend auf den Forschungen der Amerikanerin Elaine Aron sei unabhängig vom Geschlecht jeder Fünfte eine hochsensitive Person, wobei 20 Prozent der Hochsensitiven als extrovertiert und 80 Prozent als introvertiert gälten.

Mehr Zeit für hochsensitive Kinder

„Als hochsensitive Person hat man eine wesentlich feinere Wahrnehmung, die sich sowohl auf alle inneren Reize wie eigene Gefühle und Gedanken als auch äußeren Reize wie Gerüche, Lärm oder optische Eindrücke auswirken kann. Von den fünf Sinnen können parallel mehrere wahrgenommen werden“, erklärte Richter. „Freude, Traurigkeit und Ängste werden in immenser Tiefe erlebt. Diese Personen fühlen Dinge, die andere nicht wahrnehmen – da fallen dann aus Unwissenheit leicht Worte wie ‘Stell Dich nicht so an, da ist Nichts’ und ähnliche Kritik“, so die Referentin. Ein Beispiel seien Kinder, die viele Warum-Fragen stellen, da sie vernetzt und in größeren Zusammenhängen denken würden. Hochsensitive Kinder bräuchten in erster Linie mehr Zeit, da sie das Wahrgenommene höchst gewissenhaft, umsichtig und sorgfältig verarbeiten; Entscheidungen fielen ihnen schwer, weil von ihnen erst alles bedacht werde.

Nervliche Übererregung

Das Nichterkennen der Hochsensitivität könne in der Schule oder später in Ausbildung und Beruf zu ernsten Problemen führen. Dabei verfügten Hochsensitive über ein großes Potenzial: Sie hätten einen hohen moralischen und ethischen Standard, seien hervorragend im Aufspüren und Vermeiden von Irrtümern, könnten sich sehr gut konzentrieren und seien oftmals besonders kreativ und naturverbunden, trat Richter, selbst Mutter von zwei hochsensitiven Kindern, für die Betroffenen ein.

Bei längerer Nichtverarbeitung von Eindrücken komme es zu nervlicher Übererregung mit einem erhöhten Cortisol-Spiegel. Folgen wären Beschwerden wie Schlafstörungen, Bauchschmerzen und noch mehr Ängste, welche die Sensitivität wiederum verstärken würden. Dieses könne schließlich zu Leistungsabfall, Krankheitsanfälligkeit oder irrationalen Reaktionen führen – das sei ein wahrer Teufelskreis. Daher sei in erster Linie Aufklärung wichtig, zumal diese Kinder oft unwissentlich in eine „Schublade“ mit AD(H)S-Patienten gesteckt würden. Über den Hausarzt könne man sich an entsprechende Fachtherapeuten vermitteln lassen. Ziel für Betroffene sei die Balance, sich nach außen zu wenden, um sich seinen Ängsten zu stellen und nach innen zu wenden, um Ruhe und Erholung zu finden - wenn das gelänge, sei Hochsensitivität keine Krankheit, sondern ein Schatz. - uj

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