Scheeßel: Übergabe nach 17 Jahren

Heinz Promann neuer Gemeindearchivar

Die Heimatgeschichte bewahren: Noch-Gemeindearchivar Karsten Müller-Scheeßel (r.) mit seinem Nachfolger Heinz Promann und Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann.
+
Die Heimatgeschichte bewahren: Noch-Gemeindearchivar Karsten Müller-Scheeßel (r.) mit seinem Nachfolger Heinz Promann und Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann.

Scheeßel – Vielleicht kann man es Schicksal nennen, dass er in der Zeitung auf die Stellenausschreibung aufmerksam wurde. Heinz Promann ist sich jedenfalls sicher: Es war Schicksal. Denn: „Den Annoncenteil lese ich wirklich nur alle paar Monate“, sagt der 67-Jährige. Irgendwann im September habe er so zufällig erfahren, dass die Gemeinde Scheeßel einen Posten neu besetzen möchte – einen, der seit einer gefühlten Ewigkeit stets mit seinem Namen verbunden war: Dr. Karsten Müller-Scheeßel.

17 Jahre lang stand der ehemalige Rektor der Eichenschule als Gemeindearchivar zu Diensten. Doch wie formuliert es der heute 82-Jährige so trefflich: „Das Leben ist endlich.“ Und so habe er das honorige Ehrenamt, das ihm stets große Freude bereitet habe, wie er beteuert, in jüngere Hände geben wollen. Dass Promann, wie er selbst pensionierter Pädagoge, am Ende das Rennen unter drei Mitbewerbern gemacht habe – für Müller-Scheeßel ein Segen: „Er kennt sich mit Archiven aus, das ist für ihn kein Neuland.“ Er sei überzeugt: „Mit ihm wird das, was ich aufgebaut habe, fortgesetzt, ergänzt und ganz sicher auch noch verbessert.“ Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU) spricht gar von „einem absoluten Pfund“,welches die Gemeinde mit dem neuen Archivar, der zum 1. Januar seine Stelle offiziell antreten wird, habe.

Dass Heinz Promann (67) gar nicht aus der Beeke-Gemeinde kommt, erscheint angesichts seines Sachverstandes nur nebensächlich. Wohnhaft in Lauenbrück, war der ehemalige Berufsschullehrer fast 20 Jahre lang dort stellvertretender Bürgermeister. Von der Politik habe er sich inzwischen aber verabschiedet, sagt der Vater eines erwachsenen Sohnes, der sich nun ganz und gar seiner neuen Aufgabe widmen wolle. „Alles hat eben seine Zeit.“

Seit knapp 50 Jahren sei er schon in Archiven unterwegs, nicht als einer, der Ordnung schafft, nein, sondern als Besucher – anfangs, um seine eigene Familiengeschichte zu erforschen, später war es vor allem die NS-Zeit, die sein Interesse geweckt habe. So kennt man Promann unter anderem von seinem Bemühen um die Kriegsgräberfriedhöfe in der Region, wie auch von Aktionen, bei denen sogenannte Stolpersteine in Erinnerung an die Opfer aus jener düsteren Zeit verlegt worden waren. Vernetzt, befindet er, sei er also schon gut – bis nach Stade hin ins Landesarchiv. „Um die Grundkenntnisse der Archivwissenschaft auch wirklich kennenzulernen, möchte ich aber noch gerne einen Lehrgang bei der Archivschule in Marburg besuchen“, kündigt der frühere Lehrer für Elektrotechnik und, wie sollte es auch anders sein, Geschichte, an.

Was Promann unbedingt forcieren wolle: die Digitalisierung von Fotos und Zeitungen, um so der Vergänglichkeit von gedrucktem Papier einen Riegel vorzuschieben. Dafür, sagt er, müsse die Gemeinde noch ein bisschen in Equipment investieren. „Das hat sie mir aber schon zugesagt.“

Ein aufgeräumtes Archiv, das es so in Scheeßel räumlich noch gar nicht gibt (vieles landet im Kreisarchiv in Rotenburg), hinterlässt ihm sein Vorgänger allemal. „Im Wesentlichen besteht das aus Kopien, die wiederum mein Vorgänger Willi Dittmer zur Erstellung der letzten Scheeßeler Chronik zusammengetragen hat“, berichtet Karsten Müller-Scheeßel. Er selbst habe das Material im Laufe der Jahre dann noch an verschiedensten Stellen ergänzt. „Ich habe regelmäßig das, was an Literatur über unseren Raum erschienen ist, dazugeholt.“ Für Jungemann wäre es jedenfalls erstrebenswert, all diese zeithistorischen Dokumente irgendwann einmal an einem einzigen Standort in Scheeßel zusammenzuführen, „um das auch für den Bürger zugänglich zu machen“. Ihr schwebe ein ansehnliches Gebäude vor, welches bestenfalls auch historisch zu der Thematik passen würde.

Und Heinz Promann? Der hat es sich zu einem weiteren Ziel gesetzt, der Scheeßeler Jugend ihre Heimatgeschichte noch ein Stück mehr näherzubringen – in den Schulen, wie er es selbst als Lehrer immer wieder in Form von Schülerprojekten praktiziert habe. „Was ich möchte, ist, dass Menschen generell keine Hemmschwelle vorfinden, um sich diesbezüglich zu informieren“, betont der 67-Jährige. Ganz die Hände in den Schoss legen will Müller-Scheeßel im Übrigen nicht. Aktuell schreibt er wieder an der Jahreschronik der Gemeinde – und möchte, wenn es denn seine Kräfte erlauben, dies auch in Zukunft gerne tun.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben
Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat
Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?
Präventionsprogramm an Rotenburger Schulen

Präventionsprogramm an Rotenburger Schulen

Präventionsprogramm an Rotenburger Schulen

Kommentare