Konzert in der St. Lucas-Kirche

Ständchen für und mit einer alten Dame

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Die Cellistin Franziska Meyer (r.) setzte im Zusammenspiel mit Chor und Continuum Akzente.

Scheeßel - Wäre sie ein Mensch, dann wäre sie einer von den verlässlichen, die immer da sind, wenn man sie braucht – und die man erst bemerkt, wenn sie einen runden Geburtstag feiern. Die Rede ist von der Kirchenorgel der St. Lucas-Kirche, deren Geburtstag sich am Sonntag zum 250. Mal jährte.

Anlass genug für Kantor Andreas Winterhalter, das vom Orgelmacher Marcus Hinrich Petersen aus Bederkesa gebaute Instrument in den Mittelpunkt eines Konzerts zu stellen. Und wie schön, die erst kürzlich „geliftete“ und mit einer neuen Zunge ausgestattete alte Dame einmal länger zu erleben als im Gottesdienst für Vorspiel und Liedbegleitung. Den Anfang des rund einstündigen Programms, zu dem sich rund 70 Gratulanten eingefunden hatten, machte ein „Solo“.

 Im Präludium in g-Moll von Vincent Lübeck brachte Kantor Andreas Winterhalter gekonnt die vielen Facetten der frisch renovierten Orgel zu Gehör, mal gewaltig, mal verhalten oder cantabile. Anschließend ging die ehrwürdige Dame in den Dialog, zunächst bei einem Stück von Frescobaldi mit einer guten Handvoll Sänger, dann bei Mozarts „Ave verum“ mit der gesamten Lucas-Kantorei. Das festliche Stück mit einem harmonisch-rundem Klangkörper der gut 30 Stimmen sollte dann auch einen der Höhepunkte markieren. Nach Haydns „Dankliede zu Gott“ und einem kontemplativen Faurée mit schön herausgearbeiteter Dynamik kam die Orgel noch einmal allein zu Wort. Schön auch das Wechselspiel bei Scheidts „Magnificat sesti toni“, bei dem die Chormitglieder auch ohne ihren Dirigenten im Rücken gut ihre Einsätze zum hypnotisch-eindringlichen einstimmigen Gesang fanden.

Höchsten Musikgenuss bescherte mit Bachs „Lobe den Herrn, alle Heiden“ ausgerechnet das einzige Stück, in dem die „Jubilarin“ pausierte; zu verdanken war dies dem jungen Talent Franziska Meyer, die am Cello zu Chor und Continuum mit ausgefeiltem, expressiven Spiel Akzente setzte. Das immer wieder mit Tempiwechseln und Verschachtelungen fordernde Werk rang den Zuhörers Respekt ab: „Hut ab, das Stück ist total schwer!“, so das fachmännische Urteil von Hobbymusikerin Annegret Bromand.

Auch im darauf folgenden Präludium von Nicolaus Bruns gelang es Winterhalter mit den unterschiedlichen Registern, gerade im Bass, die Verschachtelungen des ursprünglich einfachen Motivs zu großer Plastizität zu führen.

Kleiner Spaß zum Schluss: Das „Allegro über eine wohlfeile Melodey“ mündete im „Zum Geburtstag viel Glück“ – da kann die Jubilarin mit der neuen Zunge eigentlich nicht meckern. 

hey

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