Marianne Kuhn ist Geschäftsführerin der Diakonie-Sozialstation

Ein Sprung ins kalte Wasser

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Marianne Kuhn an ihrem Arbeitsplatz.

Scheeßel - Von Ursula Ujen. Dass es auch ein Mädchen vom Bauernhof in Groß Meckelsen bis an die Spitze eines Unternehmens mit mehr als 50 Mitarbeitern schaffen kann, dafür ist Marianne Kuhn der beste Beweis. Dafür brauchte das mittlere von sieben Kindern allerdings einen langen Atem – und einen festen Glauben an sich selbst. „Meine Kraftquelle ist mein starker Glaube“, so Kuhn, „ich bin in einer bodenständigen Familie aufgewachsen, in der die Grundlage dafür gelegt wurde, und mit meiner Mutter hatte ich immer ein lebendiges Vorbild an meiner Seite.“

1955 geboren, wurde die lütte Marianne in die Dorfschule in Groß Meckelsen eingeschult. „Damals ging es auf dem Lande noch sehr beschaulich zu“, erinnert sie sich. Nach der Volksschule in Sittensen schloss sie die Handelsschule in Zeven – dorthin habe es damals schließlich eine Bahnverbindung gegeben – mit der Mittleren Reife ab. Um ihr Hobby, das Reisen, zu finanzieren, nahm Kuhn Ferienjobs an, denn ab 14 Jahren durfte sie dank Unterstützung ihrer Mutter alleine mit der Wilstedt-Zevener-Tostedter-Eisenbahn (WZTE) Busreisen unternehmen, die sie bis Holland, Ratzeburg oder zum Bodensee führten und später sogar mit der Landkreis-Jugendgruppe bis nach Moskau und Helsinki.

Um ihren Wunschberuf, den der Bankkauffrau, zu verwirklichen, ergriff die 16-Jährige kurzum Eigeninitiative, fuhr mit dem Rad zur Spar- und Darlehenskasse nach Sittensen (heute Volksbank) und stellte sich persönlich vor. Der Einsatz hatte sich gelohnt, und nach bestandener Aufnahmeprüfung in Hannover begann sie ihre Banklehre und schloss diese 1975 (um ein Jahr verkürzt) ab.

Eine weitere, wichtige Station war das Leben und Arbeiten in Hamburg. Dort arbeitete Kuhn, seit nunmehr 43 Jahren verheiratet, in der Beratung für Existenzgründungsdarlehen bei der Edeka-Bank – bis zur Geburt ihres Sohnes. Damit der genau wie sie selbst in ländlicher Umgebung aufwachsen konnte, ging es bald wieder zurück in die alte Heimat, und dort erblickte ihre Tochter in Sittensen das Licht der Welt. Während ihrer Familienzeit ließ sich Kuhn zur zertifizierten Tagesmutter ausbilden und widmete sich ihren künstlerischen Ambitionen durch Teilnahme an Workshops oder Fotokursen.

Nach Gründung eines eigenen EDV-Geschäfts 1995 in Sittensen war es mit dem etwas beschaulicheren Leben vorbei. Nach einer Maßnahme zur Wiedereingliederung in das Berufsleben mit kaufmännischer Ausrichtung und aushilfsweiser Tätigkeit als Pfarrsekretärin in Lauenbrück folgte 2002 die Anstellung als Verwaltungskraft in der Diakonie-Sozialstation Scheeßel-Fintel (DSSF).

Getreu dem Rat ihrer Mutter, („Das Wichtigste ist für eine Frau eine gute Ausbildung, und führe zu Ende, was du begonnen hast“) belegte die Sittensenerin ab 2007 einen VHS-Kurs zur Finanzbuchhalterin. Gleich anschließend zog sie ein Fernstudium zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen IHK durch. Ihre Mühe wurde belohnt, denn Kuhn wurde für ihre Leistung (Bestnote 1,0) mit dem „Smart-Learn-Preis 2013“ der Hamburger Akademie für Fernstudien ausgezeichnet. „Ich habe wirklich über sechs Jahre jedes Wochenende gelernt, aber auch mit 58 kann man noch eine Weiterbildung machen, es lohnt sich immer,“ betont sie.

2012 wurde die heute 62-Jährige von den Gesellschaftern der DSSF zur Geschäftsführerin berufen: „Es war ein Sprung ins kalte Wasser, und es folgte eine anstrengende Zeit für alle Mitarbeiter, die uns manchmal bis an unsere Grenzen führte – aber durch Teamgeist und Durchhaltevermögen wurden wir am Ende mit einer schwarzen Null belohnt.“

Heute, sagt Marianne Kuhn, würden täglich 240 Personen von der DSSF in der ambulanten Pflege zu Hause, in der Tagespflege in der Friedrichstraße und in „Heikes Klönstuv“ im Luther-Haus betreut. Dazu kommen diverse Beratungsgespräche für pflegende Angehörige. Den mehr als 50 Pflegekräften, die im Großraum von Scheeßel unterwegs sind, stehen zwei Busse und zwölf Autos für ihre jährlich rund 69 000 im Jahr zu leistenden Hausbesuche zur Verfügung. Mit Stolz verweist die Geschäftsführerin auf eine über 50-prozentige Fachkräftequote und konstatiert: „Ich liebe meine Mitarbeiter und bin sehr stolz auf ihre kompetente Arbeit. Mir ist es wirklich eine Ehre, ihre Vorgesetzte zu sein.“

Und mit Blick auf die von der DSSF betreuten pflegebedürftigen Menschen verdeutlicht sie ihren Leitgedanken: „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen.“ Wir können dieses durch Einfühlungsvermögen sowie gute Pflege tun und dadurch unsere Wertschätzung und unseren Respekt ausdrücken.“

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