Vom Sparen und Rekorde knacken

Heimatverein Scheeßel zieht auf Mitgliederversammlung Bilanz und blickt in die Zukunft

Insgesamt 28 Männer und Frauen wurden vom Vorsitzenden des Heimatvereins Scheeßel, Uwe Wahlers (l.), im Rahmen der Jahreshauptversammlung für langjährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Unter ihnen die Silberjubilare Gundula Schöling (v.l.), Elisabeth und Dietmar Hornig, Karl-Heinz Humrich und Erwin Klitsch sowie Johannes Grafelmann und Johann Bremer, die schon seit 50 Jahren dabei sind.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Abgerechnet wird wie immer zum Schluss. Das tat der Heimatverein auf seiner Mitgliederversammlung am Montagabend im Meyerhof. Wie jedes Jahr um diese Zeit. Die Bilanz, die die Scheeßeler Brauchtumspfleger in 50-köpfiger Runde mit Blick auf das abgelaufene Jahr zogen – sie kann sich mit neu aufgestellten Besucherrekorden, mit baulichen Vorhaben und dem Blaudruck als Kulturerbe jedenfalls sehen lassen. Und auch mit Blick auf die Zukunft, das wurde nach den zwei Stunden deutlich, stehen die Zeichen auf Erfolg.

Erfolg, dazu hätten auch wieder eine Vielzahl an Mitgliedern beigetragen, die sich unermüdlich für ihren Verein und dessen Aktivitäten rund um das Museumsgelände engagieren, findet Vorsitzender Uwe Wahlers gleich zu Beginn lobende Worte. Und das, wie es schon gute Tradition ist, op platt, einer Sprache, die hier jeder versteht. Einige Altgediente, wie Walter Eichhorn, Hans-Günter Brammerloh, Friedrich Heitmann und wie Beekscheeper Johnny Riebesehl hob Wahlers in diesem Zusammenhang besonders hervor – nur dass diese seit dem vergangenen Jahr allesamt nicht mehr unter den Lebenden weilen. Wie auch Detlef Steppat, der als Kommunalpolitiker „immer ein offenes Ohr“ für den Verein gehabt habe. Ihnen und weiteren Verstorbenen gedachte die Versammlung in einer Schweigeminute.

Die einen gehen, andere kommen. 24 Neueintritte habe es laut Wahlers gegeben, acht seien aus dem Verein ausgertreten. Damit belaufe sich der Mitgliederbestand auf aktuell 434 – eine Zahl, die seinen Worten nach durchaus noch verbesserungswürdig sei. Für 25 langgediente Vereinsangehörige schlug an dem Abend in einem regelrechten Ehrungsmarathon ihre große Stunde. Ausgezeichnet für ein Vierteljahrhundert Mitgliedschaft wurden Heiner Fischer, Werner und Helene Schütte, Siegfried Froese, Klaus Maiwald, Friederike Haager-Maiwald, Eckart Schmidt, Petra und Heino Behrens, Gundula Schöling, Annegret und Walter Spiering, Johann und Anne-Luise Trau, Ilse und Karl-Heinz Humrich, Elisabeth und Dietmar Hornig, Erwin Klitsch, Stefan Heitmann sowie Borchard und Ingrid Müller-Scheeßel. Stolze 50 Jahre dem Heimatverein die Treue halten Rolf Seeland, Johannes Grafelmann und Johann Bremer.

„Die Arbeit hier macht viel Spaß“

Anerkennende Worte richtete Wahlers auch an die Museumsführer Hans Brauns, Helga Behrens, Klaus Witte und Wolfgang Eckert, die insbesondere dafür Sorge tragen würden, „dass die Gäste mit einem lachenden Gesicht das Museum wieder verlassen“. Immerhin: 18 252 Besucher seien 2017 gezählt worden – „wobei das Internationale Beekefestival wieder einen großen Anteil an der Zahl hatte“, ließ Nils Meyer, der im Dezember die Nachfolge von Jessica Krull in der hauptamtlichen Museumsleitung angetreten hatte, wissen. Sein bisheriges Fazit: „Die Arbeit hier macht viel Spaß, ist abwechslungsreich und ich bin vom Verein gut aufgenommen worden.“ Demnächst wolle der selbsterklärte „Plattversteher, aber noch kein Plattschnacker“ mit seiner Familie nach Scheeßel ziehen, in die Nähe der Wassermühle.

Was seine Vorgängerin betrifft, habe die Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Vorstand „einfach nicht geklappt“, resümierte Wahlers auf Nachfrage eines Vereinsmitgliedes („Die Öffentlichkeit soll doch mal erfahren, wie es dazu gekommen ist“). Am Ende seien die Vorstellungen doch zu unterschiedlich gewesen, der zunächst auf drei Jahre befristete Vertrag damit nicht verlängert worden. „Es war die richtige Entscheidung“, befand der Vorsitzende.

Aufhorchen ließen auch die Berichte aus den einzelnen Abteilungen. Birgit Ricke, Leiterin des Kunstgewerbehauses, sprach von fünf durchaus gut besuchten Werkschauen, wobei die Postkartenausstellung mit rekordträchtigen 1 232 Besuchern alle Erwartungen übertroffen hätte. Auch für das laufende Jahr seien von März bis Oktober wieder eine Handvoll Ausstellungen geplant, den Anfang mache Ende des Monats eine Schau mit Polaroidfotos von Lokalmatador Thorsten Finner.

Höherer Eigenanteil am Empfangsgebäude

Ein beherrschendes Thema: Der Blaudruck, wie er von Annerose Rathjen und ihrem Team auf dem Meyerhof praktiziert wird. Die zeigte sich zuversichtlich, dass das alte Färberhandwerk den Sprung vom nationalen immateriellen Kulturerbe Ende November, wenn in Paris die Entscheidung fällt, auch auf die internationale Liste schaffen werde. Derzeit, so Rathjen, arbeite man noch an einer Internetpräsenz, auf der speziell auf dieses Ereignis aufmerksam gemacht werden soll.

Bei aller Euphorie – was die finanziellen Rückstellungen betrifft, muss der Heimatverein in den Folgejahren den Gürtel wohl enger schnallen. Grund: Die Kosten für das neue Empfangsgebäude, an denen die Ehrenamtler sich zu zehn Prozent beteiligen, würden unerwartet höher ausfallen, als angenommen, erläuterte Schatzmeister Klaus Sinnhuber-Fleischer. Bei einem Volumen von 240 000 Euro belaufe sich der Eigenanteil nunmehr auf 24 000 Euro. „Einen so dicken Posten hatten wir bisher noch nie“, konstatierte der Kassenwart. „Zwar sind wir immer noch im grünen Bereich, unsere Rücklagen werden dann aber aufgezehrt sein.“ Abhilfe schaffen könnte das Anzapfen weiterer Fördertöpfe – entsprechende Anträge, gab Uwe Wahlers bekannt, seien schon gestellt. Ihm zufolge müsse jedoch auch das zuletzt rückläufige Spendenaufkommen wieder angekurbelt werden. „Da müssen wir selbst aktiv werden, das geht nicht von alleine.“ Geld könnte auch durch einen forcierten Verkauf der vom Verein aufgelegten Bücher zum Kunstgewerbehaus einbringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Meistgelesene Artikel

„Laut & draußen“-Festival auf dem Kalandshof bleibt vom Unwetter verschont

„Laut & draußen“-Festival auf dem Kalandshof bleibt vom Unwetter verschont

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Kommentare