Ortsbürgermeisterwahl in Jeersdorf / Gerken macht nach Losentscheid das Rennen

Spannend bis zum Schluss

Gewinner und Verlierer: Günter Gerken (r.) leitet als Ortsbürgermeister künftig die Geschicke in Jeersdorf. Jürgen Wahlers (l.), ebenfalls an dem Posten interessiert, hatte nach dem Losentscheid das Nachsehen. - Foto: Warnecke

Jeersdorf - Von Lars Warnecke. Er ist 74, im Besitz eines CDU-Parteibuches und lebt schon sein Leben lang in Jeersdorf: Günter Gerken. Als Stellvertreter von Ortsbürgermeister Detlef Steppat tanzte er stets in der zweiten Reihe. Nachdem der Sozialdemokrat aber im Juni gestorben war, leitet Gerken nun die Geschicke seines Heimatdorfes.

In einem überaus spannenden Wahl-Thriller setzte er sich gegen seinen SPD-Konkurrenten durch. Nicht etwa per Abstimmung. Am Ende hat das Los entschieden.

Vor der Wahl steht es fifty-fifty

Acht Jeersdorfer. Vier sitzen für die CDU im Ortsrat, vier vertreten die SPD. Das neunte Mitglied, Sozialdemokratin Daniela Wilkens, hat sich krankgemeldet. Die Sitzung findet ohne sie statt. Nicht unerheblich für den Wahlausgang. Das sprichwörtliche Zünglein an der Waage fehlt. So steht die Sache fifty-fifty. Die CDU greift auf ihr eigenes Personal zurück, schlägt Günter Gerken für das Bürgermeisteramt vor. Immerhin habe der die Geschäfte von Steppat nach dessen Ableben federführend fortgesetzt, möchte auf eigenem Wunsch hin als Bürgermeister für Jeersdorf tätig sein, heißt es zur Begründung. Die SPD indes will Jürgen Wahlers, ihren Mitstreiter, auf dem Posten sehen. Und der 56-Jährige will es selbst auch. „Jürgen ist jahrelang schon im Ortsrat tätig, auch im Gemeinderat hat er einen Sitz – das kann nur gut für unser Dorf sein“, wirbt Ilka Wilken für den Kandidaten.

Es ist kurz vor acht. Gemeindechefin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) bereitet die Stimmzettel vor, Ortsratsmitglied Hans-Heinrich Ehlbeck, der Wahlleiter des Abends, erklärt die Spielregeln. Sollte es im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit für einen Kandidaten geben, steht für die Ortsratsmitglieder ein weiterer Urnengang an. In dieser Instanz würde schon eine einfache Mehrheit genügen. Ist auch das nicht erfüllt, kommt es zum Losentscheid.

Gerade will Ehlbeck zur Wahl überleiten, meldet sich der SPD-Kandidat zu Wort. Ob es denn wohl noch möglich sei, dass er und sein Mitbewerber sich vorab persönlich vorstellen können, fragt Wahlers sichtlich empört mit Blick in Richtung Bürgermeisterin. Die gibt zu verstehen, dass eine Aussprache in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht vorgesehen sei. „Leider habe ich gerade nicht die entsprechenden Paragrafen dabei, um das zu stützen“, sagt sie.

„Ich finde das wieder recht seltsam hier“

Das ist Wahlers gleichgültig. „Ich finde das wieder recht seltsam hier“, raunt der Landwirt mit hochrotem Gesicht in die Runde. „Ein Bürgermeister ist Interessenvertreter aller Bürger und nicht nur der einer Partei!“ Also setzt der Amts-Aspirant zu seiner Bewerbungsrede an, geht auf diverse örtliche Projekte ein, die unter seiner Mitwirkung im Jeersdorfer Rat erfolgreich hätten umgesetzt werden können. Jemand wie er, der auch im Gemeinderat sitzt, sei einfach der geeignetere Kandidat, betont Wahlers am Ende eines minutenlangen Monologs.

Dagegen gestaltet sich die Ansprache von Günter Gerken recht kompakt: „Ich bin überall bekannt und stelle mich zur Wahl, wenn ich denn gewünscht bin“, wendet er sich an die Anwesenden.

Schließlich kommt es, wie es kommen muss: Gleich im ersten Wahlgang fehlt beiden Bewerbern die absolute Mehrheit. Auch im zweiten Durchlauf kommt es an der Wahlurne erwartungsgemäß zu keiner Entscheidung. Stimmengleichheit. Die Parteien halten an ihren Eigengewächsen fest. Die Bürgermeisterin holt eine Box hervor, in die sie zwei Kapseln mit den Namen der Kandidaten hineinlegt. Es wird kräftig durchgemischt, jetzt muss das Los eine Entscheidung herbeiführen.

Stille herrscht nun im Saal. Schließlich, mehr als eine halbe Stunde ist seit dem ersten Wahlgang vergangen, verkündet Ehlbeck das Ergebnis. „Unser neuer Ortsbürgermeister heißt Günter Gerken!“ Unter den 30 Zuschauern brandet Applaus auf. Jürgen Wahlers blickt reichlich angesäuert auf die Tischplatte. Ihm bleibt nach einstimmigem Votum des Rates (bei einer Enthaltung von CDU-Mann René Kahlbrecht) der Posten des Stellvertreters. Faire Verlierer sehen irgendwie anders aus.

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