Sotheler Grünen-Politiker fordert eine Gesundheitskarte für Asylbewerber

„Das ist eine Katastrophe“

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Sieht in der Flüchtlingsbetreuung Schwachstellen: Arthur Lempert.

Scheeßel - Arthur Lempert versteht die Welt nicht mehr. „Wie kann es sein, dass es für unsere Asylbewerber in Scheeßel noch immer keine Gesundheitskarte gibt?“, stellt der Sotheler bestürzt fest. Die Gemeinde, ist er überzeugt, müsse reagieren – „nicht morgen, sondern am besten schon heute“. Es ist nicht das einzige Manko, das das Vorstandsmitglied des Grünen-Kreisverbands, im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbetreuung in Scheeßel anprangert.

„Die Situation für unsere Zuwanderer ist eine Katastrophe“, findet Lempert. Er selbst kümmert sich um einen Flüchtling mit einem kaputten Knie. Also suchte er mit seinem Schützling eine Arztpraxis auf. Was er dort erlebte, lässt ihn nur ungläubig mit dem Kopf schütteln.

„Wir sind von vornherein abgewiesen worden, eine Behandlung hat gar nicht stattgefunden.“ Überhaupt, sagt er, seien immer noch zu viele Hürden zu nehmen, wenn es um die medizinische Versorgung der Neuankömmlinge geht. „Braucht der Flüchtling eine Einweisung, muss der Antrag erst ans Sozialamt in Rotenburg geschickt werden. Das wiederum leitet ihn an den medizinischen Dienst weiter, der darüber entscheidet, ob er behandelt werden darf oder nicht“, erklärt der Sotheler. Für ihn „ein bürokratischer Irrsinn“.

Abhilfe könne seiner Ansicht nach dagegen eine Gesundheitskarte leisten, die dann jedem Flüchtling zur Verfügung gestellt wird. Diese Möglichkeit habe man auch schon innerhalb der Kreisverbandsspitze besprochen – und sie für sinnvoll befunden. „Wenn, sollte die aber sofort eingeführt werden“, spricht Lempert im Namen seiner „grünen“ Parteifreunde.

Damit sieht er unter anderem auch die Gemeinde Scheeßel in der Pflicht. „Jede Kommune kann so eine Karte einführen, das ist lediglich eine Frage des Wollens – offensichtlich ist das von Frau Dittmer-Scheele und ihrer Verwaltung aber nicht erwünscht“, mutmaßt Lempert. „Ich für meinen Teil habe meiner Fraktion im Gemeinderat schon gesagt, sie möge das Thema zügig anschieben.“

Eine weitere Schwachstelle sieht der Grüne beispielsweise auch in der aktuellen Wohnraumsituation. „Man kann doch nicht sagen: Wir kümmern uns darum, wenn die Asylbewerber erst da sind.“ Um die angespannte Versorgungslage zu lindern, könne er sich ebenso vorstellen, in Scheeßel Wohncontainer für die Flüchtlinge zu errichten, „allerdings nicht als Dauerlösung, sondern eben nur so lange, bis adäquate Unterkünfte für die Menschen zur Verfügung stehen“.

Zu wuppen sei die Flüchtlingsarbeit mit dem derzeitigen Personenkreis auf Dauer sicher nicht, meint Lempert – weder im Rathaus noch auf Seiten der Ehrenamtlichen, die inzwischen schon ihre Belastungsgrenze erreicht hätten. „Genau deshalb brauchen wir in unserer Verwaltung auch dringend eine zusätzliche Vollzeitkraft, die sich ausschließlich um die Belange der Asylbewerber kümmert und mit den ehrenamtlichen Helfern kommuniziert.“ Vorbildlich sei seinen Worten nach hier Sittensen, wo eine solche Stelle bereits geschaffen worden sei.

Und noch etwas brennt dem Sotheler auf den Nägeln: „Wie in Lauenbrück muss auch in Scheeßel der Bürgerbus für unsere Flüchtlinge kostenlos sein!“ Entsprechende Ausfalleinnahmen solle die Gemeinde dann an den Trägerverein zurückerstatten. „Das Geld ist schließlich da.“

Für Arthur Lempert steht fest: „Wir dürfen den Zeitpunkt nicht verpassen zu erspüren, wann die Stimmung bei uns kippt – die Gefahr hierfür ist groß.“

lw

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