„Noch nie erlebt“

Attest statt Maske: Scheeßeler wird in Elektrofachmarkt trotzdem vor die Tür gesetzt

Walter Merklinger mit seinem Attest.
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Walter Merklinger mit seinem Attest.

Scheeßel – Walter Merklinger leidet unter einer schweren, chronischen Atemwegserkrankung. Zu wenig Luft kann für den 63-Jährigen lebensbedrohlich sein. Deswegen ist der Scheeßeler in der Corona-Pandemie auch von der Maskenpflicht befreit. Das hat ihm ein Facharzt per Attest bestätigt. Zu Problemen beim Einkaufen ist es deswegen für ihn noch nicht gekommen.

„Zu Hochzeiten bei besonders hoher Inzidenz habe ich auch versucht, immer eine Maske zu tragen“, berichtet Merklinger. Weil er wenig Lust habe, von den Leuten ständig angesprochen zu werden. „Es geht ja auch keinen etwas an, dass ich krank bin.“ Nur wenn er gar keine Luft bekommen habe, sei er auch schon mal „oben ohne“ im Einzelhandel unterwegs gewesen. Mit Reaktionen, die er so nicht erwartet habe: „Die Mehrheit hat mich zwar nach dem Grund gefragt und ob ich ein Attest dabei habe, die absolute Minderheit wollte es tatsächlich aber auch sehen.“

Nun berichtet Merklinger von einem Erlebnis, das ihm ganz und gar die Sprache verschlagen habe: Gemeinsam mit seiner Frau Carmen habe er neulich, an einem heißen Sommertag, in einer Nachbargemeinde den Elektrofachmarkt seines Vertrauens aufsuchen wollen, um dort noch schnell eine Besorgung zu tätigen – „einen Tippstift für das Tablet unserer Enkeltochter, der alte war kaputt“. Nur sei er, der in dem Moment keine Maske aufhatte, dort auch ziemlich schnell wieder des Hauses verwiesen worden. „Es war einer dieser Tage, an denen ich wieder mal nur schwer Luft bekommen habe“, erinnert sich der gelernte Koch, der 45 Jahre in der Gastronomie gearbeitet hat.

Natürlich sei auch ihm bewusst, dass Läden Masken-Befreiten den Zutritt verbieten könnten – „das Hausrecht hat ja sowieso jeder.“ Nur als Stammkunde, der das Verkaufspersonal eben auch schon seit Jahren gut kenne, habe er sich doch etwas mehr Entgegenkommen gewünscht, statt nur im unwirschen Tonfall mit Anweisungen zu argumentieren. „Das Attest, das ich immer mit mir herumtrage, wollte man dort auch erst gar nicht sehen.“

Nach einer solchen Beleidigung haben wir kein Interesse mehr, jemals wieder einen Fuß in dieses Geschäft zu setzen

Walter Merklinger

Den „Rausschmiss“, wie der 63-Jährige es nennt, damit auf sich beruhen lassen, wollte er nicht. „Ich habe mich tags darauf telefonisch bei der Geschäftsleitung erkundigt, ob es denn tatsächlich richtig sei, dass jemand ohne Maske mit Attest den Markt nicht betreten darf.“ Dabei habe er erfahren, dass dem zwar so sei, er als Kunde aber die Möglichkeit habe, die Ware stattdessen auch vor dem Geschäft zu ordern – über ein Tablet eines Mitarbeiters. „Darauf sind wir jedoch überhaupt nicht hingewiesen worden“, moniert Merklinger.

Er jedenfalls habe den Vorfall, der ihm so noch nie untergekommen sei, als diskriminierend empfunden, was er seinem Gegenüber am Telefon auch so zu verstehen gegeben habe. „Daraufhin ist die Person regelrecht aus der Haut gefahren, hat mich wüst beschimpft“, schildert er den eskalierenden Gesprächsverlauf.

Den Tippstift fürs Enkelkind hat das Ehepaar Merklinger inzwischen woanders gekauft. „Nach einer solchen Beleidigung haben wir kein Interesse mehr, jemals wieder einen Fuß in dieses Geschäft zu setzen“, betont der nunmehr ehemalige Stammkunde. Gut erinnere er sich noch an seine Lehre als Koch – da habe in seiner Klasse ein Bild gehangen mit der Aufschrift „Ein Krieg mit einem Gast hat noch keiner gewonnen“. Und so, meint er, sei es im Einzelhandel auch.

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