Silvesterevent in Scheeßel:

„Schief gehen kann alles“

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Hoch über den Köpfen der Besucher schwingt René Warso seine Arme zum Rhythmus der Musik. „Bäm, jetzt zündet eine Bombe für 30 Sekunden. Und zack, auf den Beat auch noch ein Effekt.“

René Warso (r.) und Florian von Bothmer sind beruflich wie privat ein eingespieltes Team.

Der 39-Jährige ist ein Komponist mit Sprengstoff. Gemeinsam mit Kumpel Florian von Bothmer lässt der Großfeuerwerker beim Silvesterevent auf dem Eichenring den Himmel in den strahlendsten Farben erleuchten. Was für das Publikum allerdings so spielerisch aussieht, erfordert eine Menge Planung.

Es ist zehn nach acht. Erwartungsvoll stehen die Menschen hinter der Absperrung. Aus den Boxen dröhnt spannungsgeladene Musik. Die Lichter im Motorsport-Stadion sind gedimmt. Nur hier und da blinkt es auf dem Abschussplatz für den Bruchteil einer Sekunde rot auf. Ein letzter Check, ob die Zündcomputer gleich auch wirklich senden – die Show kann beginnen. Eigentlich, denn noch immer sind nicht alle Sicherheitskräfte dort, wo sie in den folgenden 15 Minuten stehen sollen.

Nervös zieht Florian von Bothmer an seiner Zigarette. Gemeinsam mit Warso hat sich der Pyrotechniker und Erfinder des Silvesterevents hoch oben in den Gerüstturm zurückgezogen. Von dort aus soll das Spektakel gleich in Gang gesetzt werden. Alles, was dafür nötig ist, sind ein mit spezieller Software ausgerüsteter Laptop und ein Funksender. „Wir sind scharf“, konstatiert René Warso. Die Musik fährt runter. Totenstille erfüllt den Platz. Der Pyrotechniker drückt den Knopf. Die ersten Fontänen glimmen auf – zu den Klängen von John Miles. Dass diese im Geräuschpegel des Feuerwerks stets gut zu hören sind, bedient Tontechniker Stefan Erhard die Lautstärkeregler.

Jetzt erst wird sichtbar, was Warso, der vorwiegend den chinesischen Markt für die Lauenbrücker Pyrotechnikfirma betreut, in monatelanger Vorarbeit am Computer entworfen hat. Exakt 2180 Raketen oder – wie es im Fachjargon heißt – Bomben, werden synchron zur Musik gezündet. Das entspricht immerhin einem Gesamtgewicht von fast zwei Tonnen. Was jetzt passiert, darauf kann der 39-Jährige, der seit dem Begrüßungsfest in Rotenburg für die Nationalmannschaft Trinidad und Tobago während der Fußball-WM 2006 eng mit von Bothmer in Sachen Feuerwerke zusammenarbeitet, nun keinen Einfluss mehr nehmen. „Ob der Ausfall einer unserer 30 Zünder oder ein gestörtes Funksignal – schief gehen kann während der Show generell erstmal alles“, sagt er. Das betreffe jedoch auf keinen Fall die Sicherheit für das Publikum. „Da gibt es keine Kompromisse.“

Pyrospektakel auf dem Eichenring

Nach den harten Aufbauarbeiten in den Stunden davor ist das staunende „Ah“ und „Oh“ des Publikums für die beiden Pyrotechniker, die sich auch freundschaftlich eng verbunden fühlen, die verdiente Belohnung. Zwei Kindern gleich stehen sie während der Show am Gerüstgeländer, tauschen freudige Blicke aus, tanzen zur Musik und fallen sich nach dem Ende erleichtert in die Arme. Heute lief alles perfekt.Sonderseite

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