Probenbetrieb des Orchesters der Freiwilligen Feuerwehr Scheeßel nimmt Fahrt auf

Mit Signalwirkung

Doris Gein und Pultnachbar Niclas Hoop gehören zu denen, die hier das Orchesterspiel für sich entdeckt haben.

Scheeßel – Heinz Jakobi ist in seinem Element. Er wedelt rhythmisch mit den Armen, fordert: „Das geht noch lauter – auch das muss man können!“ Über den Noten auf seinem Pult steht „Fuchsgraben“ – ein Standardstück für Blasorchester. Einige der rund 15 Musiker des Feuerwehrorchesters, das wöchentlich im oberen Sitzungssaal des Scheeßeler Feuerwehrhauses probt, nicken wissend, als er von Staccato, Crescendi und Al Fine erzählt oder ein Sforzato vormacht, das Tote erwecken könnte. Andere senken erst mal Trompete, Flügelhorn oder Tuba und lesen die Noten mit, als Stücke wie der „Fuchsgraben“ angespielt werden. Seit Oktober läuft der Aufbau der zuletzt aus Altersgründen kaum noch auftrittsfähigen Formation. „Prämisse war nicht nur, einen neuen musikalischen Leiter von außen zu holen, sondern auch, dass unsere altgedienten Teilnehmer einverstanden sind“, erklärt Ortsbrandmeister Kai Volckmer.

Sie sagten allesamt ja – und waren begeistert: „Sonst wäre es mit unserer Feuerwehrkapelle wohl bald zu Ende gewesen“, konstatiert Gerhard Winkelmann, der lange Jahre die Leitung innehatte. Heinz Jakobi bringe frischen Schwung in die alten Stücke, erklärt der Klarinettist. „Das ist ein ganz neuer musikalischer Input.“ Dem Neustart vorausgegangen waren intensive Gespräche mit der Familie Rudolph. Alle vier im „Funny Blech“ engagiert, träumten Jürgen Rudolph, seine Frau Petra, ihre Tochter Daniela Kolkmann und Ehemann Volker Bähr von einem großen örtlichen Blasorchester mit Signalwirkung. Volker Bähr, frisch gewählter organisatorischer Leiter, war schon im Alter von zehn Jahren mit dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Tespe an der Elbe unterwegs. „Das waren in den 1990ern andere Zeiten – wir haben bei jedem Schützenfest für Stimmung gesorgt!“ Sein Plan: Das neue Blasorchester soll sich breit aufstellen, schon, um auch Jugendliche zu binden: „Swing, Pop, Konzertantes – aber auch die traditionelle Blasmusik soll Bestand haben.“ So stehen an diesem Übungsabend neben „Vogelwiese“, „Herzschmerzpolka“ und „Gruß an Kiel“ auch „Final Countdown“ und „Rock mi“ auf dem Programm.

Das gefällt dem neunjährigen Niclas Hoop, dem Jüngsten hier. Der Jeersdorfer, der seit zwei Jahren Unterricht an der Trompete bekommt, ist heute zum Schnuppern gekommen und will wiederkommen. Er teilt sich das Notenpult mit Doris Gein. Die Lauenbrückerin ist eigentlich Gitarristin, hat die Trompete zuletzt vor 23 Jahren an den Lippen gehabt. Auch wenn es manchmal „ein Kampf“ sei, hat sie schon den ersten Auftritt der mit Frischzellenkur versehenen Kombo bei der Weihnachtsfeier der Feuerwehr mitgemacht. „So nette Leute und dann noch das Erlebnis, in der Gruppe zu spielen – es macht einfach Spaß!“ Das ist auch Jakobi positiv aufgefallen: „Die Musiker sind sehr motiviert reingegangen und alle geblieben, auch die alten Hasen – und sie ziehen mit.“

Der Spagat, Neulinge und Erfahrenere unter einen Hut zu bekommen, wird derzeit durch zusätzliche Einzelstunden innerhalb der Register gelöst. Sich verstärkt um den Nachwuchs zu kümmern, ist nicht nur Profimusiker Jakobi wichtig, der seine Meriten beim Luftwaffen-Musikkorps verdiente, auch Volker Bähr ist begeistert vom Rückhalt seitens der Feuerwehr: „Die sind extrem offen und ziemlich auf Zack!“

Bährs Vision, schon bald größere Auftritte absolvieren zu können – sie scheint nicht unrealistisch. Zunächst hat man sich jedoch ein Jahr Proben verordnet. Einzige Ausnahme: Die Teilnehmer der Feuerwehr-Hauptversammlung bekommen in dieser Woche eine musikalische Visitenkarte gereicht.  hey

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