Politik lässt Bahnhofseiche als zu erhaltenden Baum festsetzen

Sicher ist sicher

Für viele ist die alte Eiche am Bahnhof aus dem Ortsbild nicht wegzudenken. - Foto: Warnecke

Scheeßel - Mehr Stellflächen für die Pendler: Die Park-and-Ride-Anlage am Scheeßeler Bahnhof soll erweitert werden. Eine entsprechende Überplanung des Areals läuft auf Hochtouren. Nur nicht um jeden Preis, wie sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates herausstellte. Gegenstand einer lebhaften Debatte war einmal mehr die alte Bahnhofseiche.

Im Zuge einer Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung waren in dem Bebauungsplanverfahren bereits zahlreiche Hinweise und Anregungen eingegangen, über die der Rat nun als nächste Instanz zu befinden hatte. Besondere Aufmerksamkeit galt hierbei der Stellungnahme des Nabu.

Der schlägt vor, die Eiche, über deren Fällung in der Vergangenheit schon des Öfteren debattiert worden war, als einen zu erhaltenden Baum festsetzen zu lassen. „Eine sinnvolle Idee“, findet Ursel Brüning-Wildhagen (Grüne). Umso bedauerlicher sei es aus ihrer Sicht, dass die vom Bau- und Planungausschuss zuvor mehrheitlich auf den Weg gebrachte Beschlussempfehlung einer Festsetzung anschließend vom nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss wieder gekippt worden sei. „Dabei haben wir doch schon Erfahrungen gemacht, dass Bäume bei uns ganz schnell wegkommen.“ Ihr Plädoyer lautet daher: Die Anregung des Nabu soll doch sicherheitshalber wieder in die Vorlage aufgenommen werden.

Der CDU ginge dieser Schritt jedoch zu weit. „Wenn wir das jetzt in den Bebauungsplan aufnehmen, engen wir uns doch selbst ein“, gab Reinhard Frick (CDU) zu bedenken. Ohnehin sei die Politik sich doch inzwischen einig darüber, dass der Baum, der jährlich von Gutachtern auf seine Sicherheit hin überprüft werde, erhalten werden solle. So sieht es auch die Bürgermeisterin: „Der Wille ist da, eine Festsetzung wäre ein weiteres formelles Korsett“, betonte Käthe Dittmer-Scheele (CDU).

Dass die Eiche tatsächlich dauerhaft gewollt sei, daran hegt Ernst Friesecke so seine Zweifel: „Ich höre zwar, dass sie erhalten bleiben soll, recht glauben kann ich es aber nicht“, meldete sich der Einzelratsherr zu Wort und berief sich auf das Beispiel Rathauspark. „Ich weiß sehr wohl noch, wie dort kerngesunde Bäume auf der Basis eines beeinflussten Gutachtens gefällt worden sind.“ Eine Bemerkung, die die Bürgermeisterin entschieden in der Sitzung zurückwies.

Aus Sicht der SPD sei die Festsetzung „keineswegs in Stein gemeißelt und ein deutliches Signal an die Ratsmitglieder künftiger Wahlperioden“, formulierte es Fraktionschef Johannes Hillebrand. „Natürlich können andere Mehrheiten in Zukunft wieder etwas anderes beschließen, wenn der Baum weg soll, nur wäre es jetzt ein Zeichen, dass uns der Erhalt der Eiche wichtig ist.“

Dem konnte die Mehrheit im Rat nur recht geben: Mit der unterlegenden Zahl aller CDU-Stimmen ist der Baum wieder in die Beschlussvorlage aufgenommen worden.

Von Lars Warnecke

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