Serie: Ortsbürgermeister Ernst-August Kröger genießt am Bartelsdorfer Kirchsteg die Ruhe

Auf Bohlen die Seele baumeln lassen

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Entspannung an hektischen Tagen findet Ernst-August Kröger auf „seinem“ Kirchsteg.

Bartelsdorf - Von Lars Warnecke. Über rustikale Holzbohlen inmitten der Veerse-Niederung wandelt er am liebsten. Ernst-August Kröger‘s Lieblingsort ist unbestritten der Bartelsdorfer Kirchsteg. Hier, zwischen morastigen Wiesen und üppigem Schilf, kommt der 74-Jährige zur Ruhe – und schwelgt gerne in Kindheitserinnerungen.

„Noch als kleiner Junge habe ich hier mit Freunden im Sommer immer gebadet“, erzählt der Ortsbürgermeister und deutet auf jene Stelle unter seinen Füßen, an der die hölzerne Brücke die Veerse quert. Damals, in den Fünfzigerjahren, sei das noch möglich gewesen. „Heute wäre der Wasserstand dafür viel zu niedrig – und auch Fische, wie man sie damals von der Böschung aus beobachten konnte, sucht man mittlerweile vergebens“, äußert sich der Bartelsdorfer schon fast ein wenig wehmütig.

Von Kindesbeinen an fühlt sich der pensionierte Maurermeister mit dem Kirchsteg verbunden. „Es ist ein magischer Ort, an dem man einfach mal die Seele baumeln lassen kann“, findet er. Ob das wohl auch die Menschen im frühen 14. Jahrhundert so gesehen haben, ist nicht belegt. So lange nämlich, verrät ein Blick in die Bartelsdorfer Dörpschronik, dürften die Ursprünge der Brücke schon zurückreichen. Damals bekam Scheeßel seine erste Kirche. Der Steg galt seitdem als die wichtigste Verbindung zwischen den Nachbardörfern und ist noch heute mit viereinhalb Kilometern die kürzeste Verbindung zwischen Bartelsdorf und dem Beeke-Ort. Ein Umstand, den sich auch Kröger schon zu Nutzen gemacht hat. „Als Kind war das mein Schulweg“, erinnert sich der einstige Eichenschüler. Und auch Ausflüge ins heute nicht mehr existierende Lauenbrücker Freibad kürzte der junge Ernst-August gerne über den Kirchsteg ab.

Der enge Bezug zur Kirche, er blieb – bis ins Jahr 1958. „Früher ging es für große Teile der Trauerumzüge ja noch über den Kirchsteg zum Scheeßeler Friedhof, während die Toten über die Napoleon-Chaussee, der heutigen Bundesstraße 75, gebracht wurden“, weiß Kröger zu berichten. Er selbst habe das noch erlebt – bis Bartelsdorf seinen eigenen Friedhof bekam.

Heute zieht die 109 Meter lange, über ein Schwemmgebiet der Veerse führende Brücke vor allem Ausflügler an, ist sie doch nicht nur Teil der Ährenroute, sondern ebenso des Scheeßeler Nordpfads Kirchsteg-Moore-Bäche. „Bei schönem Wetter trifft man hier immer Leute – ob Wanderer oder Radfahrer“, hat der Ortsbürgermeister festgestellt. Und einige, fügt er hinzu, seien wirklich erstaunt über den guten Zustand des Bauwerks. Kröger klärt auf: „Natürlich ist das Holz über die Jahrhunderte hinweg immer wieder ausgewechselt worden – zuletzt während eines aufwendigen Neubaus, den wir 2014 gemeinsam mit den Junghandwerkern vom Heimatverein und der Gemeinde vorgenommen haben.“

Der Kirchsteg sei „wohl der schönste Teil unserer Feldmark“, heißt es in der Dörpschronik weiter. Kröger kann dem nur zustimmen. „Wer es nicht glaubt, kommt einfach mal hierher und überzeugt sich selbst.“

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