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Seminar mit großer Strahlkraft

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Von: Lars Warnecke

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Rollenspiele unter Paukern: Schulleiter Sven Borstelmann (r.) und seine Kollegen hatten bei den Praxiseinheiten sichtbar viel Spaß. Fotos: Warnecke
Rollenspiele unter Paukern: Schulleiter Sven Borstelmann (r.) und seine Kollegen hatten bei den Praxiseinheiten sichtbar viel Spaß. Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Das sieht man auch nicht alle Tage: Gestandene Lehrer, die miteinander rangeln – und dabei ganz bewusst in die Rolle ihrer Schützlinge schlüpfen. Auf der Brust tragen sie Schilder mit Vornamen: Sven, René, Sarah und wie die Damen und Herren Pädagogen noch alle heißen. Ja, da war was los in der Beekeschule. Und irgendwie auch wieder nicht. Denn für ein hausinternes Seminar, welches das Kollegium der Scheeßeler Oberschule von Donnerstag bis Sonnabend auf Trab halten sollte, hatte die komplette Schülerschaft doch gleich einmal freibekommen. „Der Jubel unter den Kindern und Jugendlichen war natürlich groß, als sie erfahren haben, dass sie zu Hause bleiben dürfen“, erzählt Sarah Eckert in der Kaffeepause. Sie ist eine unter den 31 an der Schule tätigen Lehrkräften, die bei einem Präventionsprogramm des Lions Clubs lernten, wie sie ihrer „Klientel“ effektiv soziale Kompetenzen vermitteln können.

„Erwachsen werden“ nennt sich dieses und hat zum Ziel, Kinder so zu stärken, dass sie Verantwortung übernehmen und Selbstvertrauen aufbauen können. „Im Prinzip geht es darum, den Lehrkräften im Bereich soziale Kompetenz das entsprechende Werkzeug im Umgang mit ihren Schülern an die Hand zu geben“, erklärt Trainerin Anke Drewes, Leiterin der Oberschule in Hanstedt (Landkreis Harburg). Beim „Erwachsen werden“ ginge es um die Resilienz, soll heißen: um die psychische Widerstandskraft. Zehn- bis 14-Jährige sollen dadurch Konsequenzen und Gefahren einschätzen können, „darüber hinaus sollen sie im Nachhinein aber auch besser erkennen, was ihnen selbst guttut“, so Drewes. Gewalt- und Drogenprävention bildet dabei einen Teil der zweieinhalbtägigen Fortbildung, die der Lions Club Deutschland im Rahmen seines Programms „Lions Quest“ entwickelt hat und die von der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) finanziell gefördert wird.

„Früher war es so, dass man über die Suchtmittel gesprochen hat“, meint Beekeschulleiter Sven Borstelmann, „jetzt muss man die Kinder aber so weit stärken, dass sie gar nicht erst süchtig werden wollen.“ Er ist durchaus stolz auf sein Kollegium: „Alle haben sich für das Seminar freiwillig gemeldet, das zeigt das große Interesse.“ Die Präventionsprojekte seien nicht Teil der Lehrerausbildung, „aber für die jüngere Schülerschaft hier sehr hilfreich“, betont Borstelmann, der das Seminar an seine Schule geholt hat. Immerhin, ergänzt Sarah Eckert, seine Kollegin, „werden in der Pubertät die Hirne noch einmal neu formatiert“. Daher sei es gerade in diesem Alter angebracht, die sozialen Kompetenzen und die Widerstandsfähigkeit zu stärken, um die Schüler fit fürs Leben zu machen. An der Lions-Quest-Schulung gefällt ihr vor allem, dass sie praxisorientiert ist und nicht bloß Vorträge aneinanderreiht.

„Die Lehrer können schon nächste Woche in ihren Klassen mit der Umsetzung starten“, erläutert Trainerin Anke Drewes. Dafür würde jeder von ihnen einen Ordner mit ausgearbeiteten Unterrichtssequenzen an die Hand bekommen. „Ich habe auf jeden Fall schon jede Menge Tipps für meinen Unterricht bekommen und weiß jetzt noch mehr über die Möglichkeiten, Kindern und Jugendlichen Teamgeist und soziales Verhalten zu vermitteln“, sagt Eckert, die unter anderem Deutsch, Sport und Geschichte lehrt. Sie selbst harre nach der Fortbildung gespannt der Dinge, die nun kommen würden. Ob ihre Schüler das auch so sehen, ist nicht überliefert.

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