Theaterkurs der Zehntklässler

Selbstreflexion zwischen Handywut und Dixieklo

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Ob Riepe oder Hurricane – das Handy ist immer mit dabei.

Scheeßel - Wie tickt die heutige Jugend? Am besten, man lässt sie selbst zu Wort kommen. Und genau dies taten 26 Zehntklässler des Wahlpflichtkurses Darstellendes Spiel in ihrem selbst entwickelten Stück „#ourgeneration“ auch.

Collagenartig brachten sie in neun Szenen ihre Lebens- und Gedankenwelten und Befindlichkeiten auf die Bühne, vom Markenzwang über Mobbing bis zum Saufgelage in der Disco. Schon dafür: Hut ab, gehört doch einiges dazu, etwas von den eigenen Gedanken- und Gefühlswelten preiszugeben und ein Stück weit sich selbst zu spielen. Wie groß dieses Stück ist, darüber wurde in der Pause und nach dem Stück eifrig im Publikum spekuliert.

In die Entwicklung der Szenen waren viele charmante Ideen eingeflossen – etwa, den Theaterlehrer mit Kaffeetasse über die Bühne schlurfen zu lassen oder die beim Discobesuch nicht mehr ganz nüchtern entstandenen Selfies durch Standbilder nachzustellen. Dabei wird die Frage aufgeworfen, welcher der Abende (dank „Boomerang-App“ lassen sich peinliche Ereignisse löschen und erneut durchleben) in Riepe der Bessere gewesen sei: der mit Bierpong, Saufkoma und Reihern in den Mülleimer oder der nüchterne? 

Eigene Interpretationen gewünscht

Eine Frage, die wie so viele andere offengelassen wird. Nicht zuletzt die pantomimischen Einlagen der schwarz gekleideten, weiß maskierten Masse im Gleichtakt macht klar: Hier geht es nicht um Antworten, eigene Interpretationen sind erwünscht. Nur Raphael Rabong, der mehrfach den charmanten Conférencier gibt, nimmt mit der Frage: „Urteilen wir nicht alle viel zu vorschnell?“ nach dem Freitod einer gemobbten Schülerin die Wertung vorweg. 

Und das fällt denn auch in dem Stück auf: Der moralische Zeigefinger, angesichts von Handywut, Anpassung an die Normen – kaum zu glauben, dass der von den Schülern selbst kommt. „Ist aber so“, versichern mehrere von ihnen in der Pause. Lehrer Deutschmann hat nach eigenem Bekunden lediglich beim Kürzen der Szenen geholfen.

Hurricane Festival durchgeplant

Im zweiten Teil dürfen verstärkt die wenigen männlichen Schauspieler ran – und schon dominiert die anarchische, heitere Seite. Köstlich: Die Durchplanung des Hurricane-Festivals. Während der eine der Bedrohung des Mainstreams entgehen will und Mühe hat, seinen Individualismus zu leben, bucht der Kumpel kurzerhand die „Platin-App“, die ihm – dank mitgebuchtem Fan mitsamt Go-Pro und Übertragung des Festivalerlebnisses auf die Virtual-Reality-Brille – den eigenen Abstieg in Matsch und „blaue Gülle“ (also Dixieklos) erspart. Da merkt man: Hier zeichnen die Drehbuchschreiber mit Liebe zum Detail eigene Festivalerfahrungen nach.

Die Hauptrolle spielt an diesem Abend das Handy. Muss man sich angesichts thematisierten Mobbings bis zum Selbstmord (der Auslöser, von der Freundin im Internet verbreitete Nacktbilder, ist leider keine Fiktion, sondern jüngste Scheeßeler Realität) über den Zustand der heutigen Jugend Sorgen machen? Wohl kaum.

Die Eichenschüler legen ein gesundes Maß an Selbstreflexion an den Tag – auch, wenn es um die recht authentischen Dialoge am elterlichen Abendbrottisch geht. Prädikat: Amüsant!

hey

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