Milch zum mitnehmen

Selbst zapfen am „Regiomaten“

Landwirt Sven Trochelmann erläutert die Funktionsweise seiner „Milchtankstelle“. - Foto: Heyne

Wohlsdorf - Von Ulla Heyne. Eine kühle Milch frisch vom Erzeuger, dazu Eier direkt vom Hof oder Grillfleisch und Hochzeitssuppe aus der unmittelbaren Umgebung – was im Zuge des Trends „regional kaufen“ für Städter paradiesisch klingt, ist in Wohlsdorf schöne Realität. Der Landwirt Sven Trochelmann hat auf dem historischen Hof am Kirchweg, der von seiner Familie nunmehr in der 14. Generation bewirtschaftet wird, eine „Milchtankstelle“ eröffnet.

Stolz sind Sven und Ina Trochelmann, wenn sie auf die großen Lettern „Röpers Hof“ blicken, die an dem ehemaligen Kartoffelspeicher prangen. Der Weg davor ist frisch gepflastert und mit blühenden Pflanzen gesäumt. In dem Gebäude von 1926, das in vier Wochen Eigenarbeit mit Unterstützung vieler Freunde zum „SB-Lädchen“ des Hofs umgebaut wurde: Auf der einen Seite ein antikes Wagenrad und ein historischer Pflug, auf der anderen Seite ein eingebauter Monitor, der Luftaufnahmen des Betriebs zeigt und auf dem bald eine filmische Anleitung für den schnellen Einkauf laufen soll.

Tradition trifft auf High-Tech. „Wir sind eben rustikal“, meint Trochelmann, und zeigt stolz auf die geschmackvoll lasierten dunklen Balken vor der weiß getünchten Wand. In der Mitte zwei Automaten, einer für Milch, der andere ist der „Regiomat“: Selbst gekochte Marmeladen, Eier vom eigenen Hof, „selbstverständlich aus Freilandhaltung“, Honig eines Imkers aus der Region, Äpfel aus dem Alten Land, dazu Würstchen und anderes Grillgut vom Schlachter Bernd Miesner. Der steckt an diesem ersten Morgen die Nase zur Tür herein: „Ein sauberes Ding“, meint er anerkennend und lädt frische Ware aus. Er selbst hat mit eigenen Automaten in Sothel gute Erfahrungen gemacht: „Am Wochenende muss ich bis zu drei Mal Ware nachlegen.“

Erst Münze einwerfen, dann Produkt wählen

Trochelmann demonstriert die Technik, die hier Einzug gehalten hat: Münze einwerfen, die Nummer des gewünschten Produkts eingeben, in diesem Fall eine leere Milchflasche – „noch nicht alle Kunden bringen ihre eigenen Flaschen mit“. Diese wird vom gepolsterten Fahrstuhl „abgeholt“ und fällt in das Entnahmefach. Mit der Flasche geht es zum linken Automaten, wo selbst auf den Milliliter genau auf Knopfdruck „gezapft“ werden kann, während der Automat centgenau abrechnet und das Fach für den nächsten Vorgang gereinigt wird.

Mit der „Milchtankstelle“ erfüllen sich Sven und Ina Trochelmann einen Herzenswunsch. „Wir haben so etwas vor zwei Jahren im Schwarzwald gesehen, das war der zündende Funke“, so der Familienvater. Seitdem sei die Idee gewachsen; im Nachhinein ist er froh, so lange gewartet zu haben: „Das Bewusstsein der Menschen für regionale Produkte ist in den letzten Jahren enorm gestiegen.“ Denn: ihm geht es nicht nur um einen Zuverdienst; die ruinösen Milchpreise auffangen könne auch die „Milchtankstelle“ nicht. Aber: Für ihn ist es ein Einstieg in den Direktvertrieb. „Früher hatten wir nur eine Kartoffelbox.“ Auch die gibt es im neuen SB-Laden, der täglich von 6.30 bis 22 Uhr geöffnet ist – als einzige Ware noch nach dem „Ehrlichkeitsprinzip“.

Mit der Direktabgabe seiner Rohmilch, die – so will es der Gesetzgeber – vor dem Verzehr abzukochen ist, sucht Trochelmann neue Wege als Alternative zu größeren Ställen. „Das ist einfach nicht mein Weg“, sagt der Landwirt. Schon die Generationen vor ihm haben Diversifizierung praktiziert, auch gegen den Zeitgeist der letzten Dekaden. „Momentan subventionieren die Kartoffeln die Kühe“, meint der 39-Jährige. Seine Margen sind kleiner als im Supermarkt; dennoch wird er hin und wieder auf den leicht höheren Preis angesprochen. „Wir machen alles Mögliche: Verschenken, Verlosungen – aber beim Preisdumping machen wir nicht mit!“, meint er entschieden. Die meisten Kunden unterstützen genau diese Haltung. „So tragen sie dazu bei, ein Bild zu erhalten, das man beim Spazierengehen gern vorfindet.“

Transparenz mittels Hinweisschilder

Und: Trochelmann setzt auf Transparenz; Hinweisschilder weisen aus, woher die zugekauften Produkte stammen und wie man in Kontakt treten kann. Der Hof ist an mehreren Terminen im Jahr zu besichtigen. Über Facebook beantwortet er schon jetzt die Fragen der Kunden, etwa wie die QS-zertifizierte Milch kontrolliert werde.

An diesem Morgen haben schon die ersten Besucher eingekauft, „die haben das System verstanden“, freut sich der Landwirt. Am Samstag fällt im Rahmen eines Frühschoppens auch offiziell der Startschuss. Umrahmt wird er um 11.30 und 13.30 Uhr von Sets des Singer-Songwriters Thorsten Finner – „denn was wäre stimmiger, als auch musikalisch auf lokale Qualität zu setzen?“

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