Freiwillige Feuerwehr präsentiert ihr Leistungsspektrum

Neujahrsempfang der Gemeinde Scheeßel: Mit Sekt, Selters und Sirene

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Mit Atemschutzmaske beim Neujahrsempfang:Die praktische Demonstration der Freiwilligen Feuerwehr verfehlte ihre Wirkung nicht.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. „Ach, du auch hier?“, „Schön, Sie mal wiederzusehen“, „Hast du schon gehört?“ – solche Sätze waren am Donnerstagabend in der Beekeschulaula sehr häufig zu hören. Die Gemeinde richtete zum Jahresbeginn ihren traditionellen Empfang aus.

Und der stand nicht nur im Zeichen der Vernetzung, nein, dieses Mal rückte mit Blaulicht sogar die Feuerwehr an. Kurz vor 18.30 Uhr bringt sich Käthe Dittmer-Scheele in Position. Neben der Bürgermeisterin nimmt der Ratsvorsitzende Reinhard Frick seinen Platz ein. Das Empfangskomitee ist startklar, das Defilee kann beginnen. 

Rund 230 Hände werden die Gastgeber in der nächsten halben Stunde schütteln. So viele Besucher zieht es an diesem Abend zum Neujahrsempfang, der wegen Umbauarbeiten im Scheeßeler Hof dieses Mal ausnahmsweise an anderer Stelle stattfinden muss. Geduldig stehen sie im Eingangsbereich in der Schlange, wo sie die Gastgeber empfangen.

In der Aula ist es schnell eng geworden. Im Getümmel plaudern Bürger, Ratsmitglieder, Vertreter aus Wirtschaft, Vereinen, Feuerwehr und sozialen Einrichtungen miteinander. Der stellvertretende Landrat Hans-Jürgen Krahn und der CDU-Landtagsabgeordnete Eike Holsten sind gekommen, ebenso die Ortsbürgermeister aller Dörfer der Einheitsgemeinde. Lars Klingbeil, der SPD-Bundestagsabgeordnete, fehlt. Die Sondierungsgespräche in Berlin gehen nun mal vor.

Neubauten werden genannt

Die Gastgeberin hat derweil alle Hände geschüttelt. Bei ihrer Ansprache fasst sie sich kurz, erwähnt anstehende Projekte wie die Rathaussanierung, den Bau der neuen Kindertagesstätte und des Feuerwehrhauses für die Ortswehren Bartelsdof und Wohlsdorf sowie die Erschließung weiterer Wohnbauflächen „Vor dem Varel“.

Dann leitet die Bürgermeisterin über zum Thema des Abends. „Stell dir vor, es brennt und keiner kommt“, ist es überschrieben. Heute hat die Freiwillige Feuerwehr ihren großen Auftritt – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

530.000 Euro, so Dittmer-Scheele, betrage der laufende Aufwand für das gemeindliche Brandschutzwesen allein in diesem Jahr. Gut angelegtes Geld, denn: „Was nützt es uns, wenn die Männer und Frauen aus den Ortsfeuerwehren nicht da wären, es zu bedienen und bereitstehen würden, jederzeit in den Einsatz zu fahren?“

19.15 Uhr. Gerade will Dieter Apel, der Gemeindebrandmeister, ausholen, was es bedeutet, Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu sein, schlagen die Meldeempfänger der im Saal anwesenden Ortsbrandmeister und deren Stellvertreter Alarm. Der nächste, wenn auch fingierte, Einsatz ruft. Denn an diesem Abend wollen die Brandschützer ganz praxisnah demonstrieren, zu was sie im Ernstfall im Stande sind. Draußen, auf dem Schulhof, fahren die Einsatzfahrzeuge vor – mit Blaulicht und „Tatütata“ versteht sich.

Feuerwehr stets einsatzbereit

Auch Apels Typ ist jetzt gefragt. Für ihn übernimmt Mathelehrer Karsten Frick, selbst Feuerwehrmann, das Mikro. Bei dem gerade ausgelösten Meldeeinsatz könne man sehen, was für die 574 aktiven Feuerwehrleute eine permanente Einsatzbereitschaft – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr – bedeutet, so Frick. „Zurück bleiben die Partner, die sich nach Auslösen des Brandmelders vielleicht wieder ärgern, dass die Familienfeier gesprengt worden ist.“

Währenddessen dringen Wehrleute in voller Montur in die Aula ein. Auch Atemschutzträger gesellen sich dazu. In Windeseile bauen sie mehrere Stationen auf, die allesamt das Leistungsspektrum der Feuerwehr abbilden. Das Publikum begleitet das Szenario mit manchem „Ah“ und „Oh“. Nun ist auch wieder der Gemeindebrandmeister zur Stelle. Apel spricht von 138 Einsätzen, die die zwölf Gemeindefeuerwehren im vergangenen Jahr gefahren hätten – weniger Brandeinsätze, dafür würden Verkehrsunfälle inzwischen die Hauptaufgabe bilden. 

Überhaupt habe sich die Arbeit in den vergangenen Jahren gewandelt. („Wasser marsch, Löschen, Feierabend – das geht heute nicht mehr.“) Die Helfer würden nicht selten durch Gaffer, die Filme und Fotos vom Einsatzort machen würden, um sie anschließend ins Netz zu stellen, behindert.

„Was heißt es zu helfen, wenn andere in Not sind?“, stellt er abschließend die Frage in den Raum. „Ist Feuerwehr ein Hobby, eine Berufung? Nein, es ist eine gesetzliche Aufgabe, die wir aber gerne alle freiwillig wahrnehmen.“ Dafür ernten die Brandschützer Applaus.

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