„Labskaus mit Milch“: Cousins ziehen für eigenen Podcast durch den Landkreis

Sehenswertes auf die Ohren

Alles, was Jan Kuhn (l.) und sein Cousin Nils Bassen für ihren Podcast brauchen, sind ein Laptop und ein Kopfhörer. Und natürlich darf auch ein Mikrofon nicht fehlen.
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Alles, was Jan Kuhn (l.) und sein Cousin Nils Bassen für ihren Podcast brauchen, sind ein Laptop und ein Kopfhörer. Und natürlich darf auch ein Mikrofon nicht fehlen.

Scheeßel – Über der Podcastbühne ist ein neuer, kleiner Stern aufgegangen – „Labskaus mit Milch“, so heißt die Serie, mit der Nils Bassen (27) und sein ein Jahr älterer Cousin Jan Kuhn auf Internet-Plattformen wie Spotify und Instagram eine immer größer werdende Fangemeinde gewinnen. Im Mai brachte das Duo mit Scheeßeler Wurzeln seinen ersten Beitrag heraus – ein Testballon, in dem sich die beiden jungen Männer noch ohne genaues Konzept vor Augen dem Thema Impfgegner widmeten. „Da ging das gerade mit der Corona-Sprechstunde in Rotenburg los“, sagt Bassen. Dass sie mit ihrem Podcast einmal so erfolgreich werden würden, entstanden sei die Idee auf der Suche nach Beschäftigung mitten im Corona-Lockdown, damit hatten die zwei nicht gerechnet. Und irgendwie passt der für ihr Format auserkorene, schmackhafte Name, dem ein Regionalbezug sicher nicht abzusprechen ist, mittlerweile auch wie die Faust aufs Auge. Denn, sagt Bassen: „Wir suchen im Landkreis Orte auf, die wir näher vorstellen – so wollen wir zeigen, dass man quasi auch vor der eigenen Haustür eine ganze Menge Geiles erleben kann.“ Im Tister Bauernmoor sei man so unter anderem schon gewesen, mit Mikro, Laptop und Kopfhörer „bewaffnet“, im Lager Sandbostel – und ja, auch in Rotenburgs legendärer Schmidt‘s Kneipe. „Die ist schließlich Pflichtprogramm, wenn man Spaß haben möchte“, schmunzelt Physiotherapeut Kuhn, der demnächst ein Studium in Oldenburg aufnehmen möchte.

Sieben Folgen unterschiedlicher Länge und mit einer eigens von einer befreundeten Band eingespielten Intro-Musik, welche so auch in den 1980er-Jahren beliebt gewesen wäre, haben die zwei Labskaus-Liebhaber schon veröffentlicht. „Einiges haben wir zwar aufgenommen, aber dann doch besser nicht ins Netz gestellt“, berichtet Bassen, der zurzeit noch in Lüneburg auf Berufsschullehramt studiert und für die SPD im Rotenburger Kreistag sitzt. Ein Beitrag, in dem sich die Cousins beim Kartfahren auf der Nintendo-Konsole über ihre Spieleerfahrungen austauschen, habe sich dann doch als Rohrkrepierer erwiesen. „Es hätte ja auch keine Sau interessiert“, ist Jan Kuhn überzeugt.

Was beide an dem gemeinsamen Hobby-Projekt vor allem schätzen würden: „Es bringt uns auch als Cousins, die wir als Kinder viel miteinander gemacht haben, wieder näher zusammen.“ Dabei übernimmt Kuhn auch die Postproduktion des zuvor aufgenommenen Materials. „Für den Schnitt einer 40-Minuten-Folge brauche ich ungefähr zwei bis drei Stunden.“ Dabei würden Versprecher nicht unbedingt der Software-Schere zum Opfer fallen. „Wenn da mal ein Patzer drin ist, bleibt der wegen der Authentizität auch drin – alles andere wären auch nicht wir.“

Zu lachen gibt es aber auch sonst schon genug – und genau das, meint Bassen, sei die große Herausforderung. „Comedy ist schwieriger als man denkt, wenn du das Mikro unter der Nase hast – aber wir arbeiten daran.��� Überhaupt sei der Umstand, sich via Podcast nur über seine Stimme mitteilen zu können, für ihn noch etwas gewöhnungsbedürftig. „Man muss das quasi über die Modulation die Gestik machen und darüber hinaus auch noch langsam sprechen – das ist kein leichtes Unterfangen, erst recht nicht, weil ich zum Beispiel im Kreistag viel mit Gestik und Mimik arbeite, aber man lernt dazu und es wird von Folge zu Folge auch besser.“

Der Hörerschaft scheint das, was Kuhn und Bassen da in wilder Manier produzieren, jedenfalls zu gefallen. Im Schnitt 60 Menschen lauschen mit, „und je mehr Folgen kommen, desto mehr werden es“, freuen sich die beiden. Groß vorbereiten würden sie sich auf die Vor-Ort-Besuche, bei denen auch jeweils typische Geräusche auf Tonband festgehalten werden, um so die Atmosphäre effektiver einfangen zu können (im Tister Bauernmoor war das beispielsweise Vogelgezwitscher), dabei nicht. „Wir beschreiben eigentlich die ganze Zeit, was wir sehen, denken und fühlen“, beschreibt Nils Bassen die Herangehensweise. Zuletzt sei das Konzept auch um Interviewpartner erweitert worden, die als Gäste im Podcast zu Wort kommen. „Mit Jan Maier von Schmidt‘s Kneipe haben wir rund 45 Minuten produziert, uns mit ihm danach aber noch ohne Mikro eine ganze weitere Stunde über Gott und die Welt unterhalten“, erinnert sich der 27-Jährige.

Dass ein eher schwermütiges Thema wie jenes über das ehemalige Gefangenenlager Sandbostel womöglich gar nicht so sehr die doch eher junge Generation an Podcast-Nutzern interessieren könnte, wissen die Cousins sehr wohl. „Einen Versuch, auch diese Leute für solche Geschichten zu begeistern, ist es allemal wert“, betont Bassen, der schon eine Vorstellung davon hat, wohin die Reise für ihn und seinen Verwandten als Nächstes gehen könnte. „Der Landpark Lauenbrück wäre bestimmt mal toll. Oder die Vareler Heide.“

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