80 Tiere sterben bei möglicher Brandstiftung in Bartelsdorf

Tod im Schweinestall

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Rund 80 Schweine wurden Opfer der Flammen.

Bartelsdorf - Von Ulla Heyne und Hannes Ujen. Wer am frühen Mittwochmorgen den Bauernhof an der Langen Straße in Bartelsdorf betritt, dem bietet sich ein Bild des Grauens: Der Stall hinter dem Wohnhaus fast komplett niedergebrannt, aus den eingestürzten, verkohlten Balken, die einmal das Dach trugen, qualmt es noch. Der halbe Hof steht in einer Pfütze, die die Löscharbeiten der insgesamt neun Wehren hinterlassen haben. Im Stall sind auf dem Boden die Überreste von Schweineleibern zu erkennen.

Die meisten der tragenden Sauen, die hier standen, sind bei lebendigem Leib verbrannt, genau wie die Tiere im Nachbarstall. Von ihm stehen nur noch die Grundmauern. Nur die wenigsten der rund 100 Schweine konnten aus dem Stall getrieben werden, als der Brand am frühen Morgen gegen vier Uhr bemerkt wurde. Hinter dem Haus weitere verendete Tiere, andere musste der Tierarzt wegen der Schwere der Brandverletzungen einschläfern, dazwischen einige, die den Brand überlebt haben.

Vor diesem Szenario stehen fassungslose Menschen: Feuerwehrleute, vor allem Kameraden des betroffenen Landwirts, Anwohner, Freunde. Jemand bringt belegte Brötchen, schließlich sind die Männer seit vier Stunden im Einsatz. An der Seite des Hauses ein Graffiti: „Keine Qälzuchten mehr. Peta“. Der in schwarz gesprühte Schriftzug gibt Anlass zu Spekulationen – und macht den Menschen hier Angst. Wenn nach langem Schweigen – fast scheint es, als hielten die Leute hier eine Mahnwache –, ein paar Worte gewechselt werden, fällt immer wieder das Wort „Kripo“. War es Brandstiftung?

Ausschließen mag das hier niemand, und doch: Vorstellen, dass jemand einen Stall mit 100 lebenden Tieren, viele noch dazu tragend, anzündet, kann sich so recht auch keiner. Der Zuchtbetrieb gilt als vorbildlicher Bauernhof. Ein Feuerwehrmann sagt, wie zur Bekräftigung: „Das ist jetzt so!“ Glauben können die meisten nicht, was sich hier gerade abgespielt hat. Die Rotenburger Polizei hat mittlerweile Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen – gegen unbekannt. Ein Polizeisprecher sagt, die Tat passe nicht zu Peta. Die Organisation sei eher dafür bekannt, Tiere freizulassen. Peta selbst distanziert sich sofort vom Verdacht. „Dieser schreckliche Anschlag widerspricht allem, wofür wir uns einsetzen“, heißt es am Morgen von Peta-Anwalt Krishna Singh in Berlin. Niemals würde die Organisation Tieren schaden, um ein Statement zu setzen. Peta verurteile den Brandanschlag auf die Schweinezuchtanlage scharf und könne nicht ausschließen, dass es Gegner der Organisation waren, die den Brand gelegt haben.

Singh: „Wir hoffen, dass durch die Ermittlungen der Behörden die Täter gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.“ Der Name der Organisation sei schon mehrfach missbräuchlich bei Plakataktionen benutzt worden, allerdings bisher nicht für Brandanschläge. Dass nur ein paar Stunden vor dem Brand in Bartelsdorf ein weiteres Feuer auf einem Bauernhof in Rastdorf im Kreis Emsland eine Halle mit Schweinen, landwirtschaftlichen Maschinen und Stroh vernichtet, ist für die Ermittler Zufall. Keine Hinweise auf Brandstiftung. In Rastdorf sterben 240 Tiere. Als die ersten Wehren kurz nach vier Uhr am Bauernhof in Bartelsdorf eintreffen, brennen bereits beide Gebäude lichterloh. Ob beide zeitgleich Feuer fingen oder der zweite Stall durch Funkenflug angesteckt wurde – auch das ist noch reine Spekulation. 150 Feuerwehrleute aus neun Freiwilligen Feuerwehren kämpfen stundenlang dafür, dass wenigstens ein Übergreifen der Flammen auf das Wohngebäude verhindert werden kann. Erfolgreich. Ein Kamerad erleidet eine leichte Rauchgasvergiftung bei der Rettung der Tiere.

Landvolk-Sprecher Sebastian Kuhlmann, der noch vor der Arbeit von dem Brand gehört hat und gekommen ist, um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, fasst den ungeheuerlichen Verdacht so zusammen: „Mit Kritik an Landwirten haben wir immer mal wieder zu tun gehabt – aber dieses hier wäre eine neue Qualität.“ Er will nicht nur dem Betroffenen alle erdenkliche Hilfe anbieten, sondern auch ausloten: „Was heißt das hier für die anderen Landwirte in der Region?“ Die seien verständlicherweise alarmiert ob des Vorfalls in Bartelsdorf. Auch Bürgermeister Ernst-August Kröger ist fassungslos: „Das muss man hier erstmal begreifen“, meint er und schüttelt den Kopf. Eine Frau deutet auf den Hintereingang zum stärker betroffenen Stall. „Fotografieren Sie das mal“, sagt sie und deutet auf die verkohlten Leiber, die zwischen den Balken liegen: „Das sollten Sie den sogenannten Tierfreunden mal zeigen!“

Es riecht nach verbranntem Fleisch. Eine Nachbarin spekuliert: „Das war bestimmt keiner von so ganz weit weg – man muss sich ja erstmal auf den Hof trauen und im Dunkeln zurecht finden.“ Auch das: Nur eine Spekulation. Namentlich genannt werden möchte hier niemand – zu groß ist das Entsetzen. Und die Hilflosigkeit: Denn einen Trost für den Landwirt, dessen Existenz in einer Nacht nahezu zerstört wurde, gibt es nicht.

Schweine sterben bei Stallbrand

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