Projekt „Laufbus“ will Grundschüler zum gemeinsamen Schulweg per pedes anregen

Schulweg mit Reflektorweste statt SUV

Tanja Rathje (v.l.), Nathalie Seegelken, Anna Grube und Christine-Kai Humrich haben im letzten halben Jahr die Umsetzung ihrer Idee geplant und ausprobiert. Foto: Heyne

Scheeßel – Wenn Tanja Rathje, Nathalie Seegelken, Anna Grube und Christine-Kai Humrich über das Thema Schulweg nachdenken, dann haben sie zwei Szenarien vor Augen: zum einen verstopfte Straßen kurz vor Anfang des Unterrichts, gestresste Eltern, die selbst schnell zur Arbeit müssen, Hektik und Verkehrschaos. Zum anderen ein Grüppchen Kinder in reflektierenden Warnwesten, die sich mit ihrem erwachsenen Begleitern zu Fuß auf den Weg machen, schon vor der Schule ihre Freunde treffen, sich gegenseitig und der Begleitperson etwas erzählen. Beide Szenarien sind Realität. Das zweite vom Pilotprojekt zur echten Alternative für möglichst viele Eltern zu machen, dafür sind die vier Mütter mit ihrer Initiative „Laufbus“ angetreten.

Der Plan: Erst- und Zweitklässler absolvieren den Schulweg gemeinsam zu Fuß. Damit dies auch für arbeitende Eltern machbar ist, melden sie ihre Kinder vorher verbindlich an. Zum verabredeten Zeitpunkt treffen sich alle Kinder einer „Buslinie“ – derzeit hat eine Bedarfsabfrage drei Routen ermittelt – an einer der drei „Haltestellen“. Begleitet werden sie von einem Eltern- oder Großelternteil oder anderen Freiwilligen, „so ist jeder nur einmal pro Woche dran“, erklärt Tanja Rathje. Das A und O ist Verlässlichkeit: Wer nicht mitgeht, meldet sich vorher in der WhatsApp-Gruppe ab.

Das kann nicht funktionieren? Diesen Einwand haben die vier im Eigenversuch entkräftet. Seit Anfang des Schuljahres gibt es den ersten „Laufbus“ als Pilotprojekt. Gestartet mit drei Kindern, waren es bis zur Schulschließung im März acht. Die Vorteile seien vielfältig: Mehr Bewegung, weniger Verkehrschaos und somit eine erhöhte Sicherheit, aber auch die soziale Komponente spiele eine Rolle: auch Freundschaften hätten sich entwickelt. Eine große Gruppe gäbe Planungssicherheit. „Wir sind momentan nur zu zweit“, erzählt Seegelken aus einem anderen Ortsteil.

Bei der Gemeinde, dem Schulförderverein und der Polizei, die sie schon früh ins Boot holten, stießen die vier mit ihrem Vorhaben auf positive Resonanz. „Grundsätzlich hat die Gemeinde unsere Aktion begrüßt“, freut sich Humrich. Die dem Schulelternvorstand von der Gemeinde vorgestellte „Kiss and go“-Fahrspur, für die ein Teil des Schulhofs weichen könnte, hält sie allerdings für kontraproduktiv für ihre Bemühungen um einen gesunden Schulweg: „Das ist ein Freifahrtschein für die Eltern“.

Die ersten unverbindlichen Abfragen bei Eltern der ersten und zweiten Klassen und Vorschüler erwiesen sich als vielversprechend: es gebe schon 30 Interessenten.

Wie es weitergeht? Ein für Ende März geplanter Elternabend, zu dem auch die Verkehrssicherheitsberater der Polizei Christoph Steinke und Silke Holtermann geladen waren, musste wegen der Corona-Pandemie und der Absage solcher Veranstaltungen ausfallen. Steinke und Holtermann hätten mit ihren positiven Erfahrungen mit einem „Laufbus“-Projekt in Hasbergen den Stein auch in Scheeßel ins Rollen gebracht. Dort ist der Laufbus so beliebt, dass die Vorschüler schon darauf hinfiebern, endlich alt genug für das Statussymbol „Reflektorweste“ zu sein.

Ob und wie das im neuen Schuljahr auch in Scheeßel Realität wird, hängt wohl auch sehr von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.  hey

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