1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Scheeßel

Schulen bereiten sich auf Ankunft ukrainischer Schüler vor

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ulla Heyne

Kommentare

Willkommenskultur an den hiesigen Schulen zu leben, das ist das Anliegen der Schulleiter Frank Lehmann (v.l.), Maico Tijink und Sven Borstelmann (r.) sowie Lions-Vertreter Thomas Burmester.
Willkommenskultur an den hiesigen Schulen zu leben, das ist das Anliegen der Schulleiter Frank Lehmann (v.l.), Maico Tijink und Sven Borstelmann (r.) sowie Lions-Vertreter Thomas Burmester. © Heyne

Schulen aus Scheeßel, Lauenbrück und Bothel bereiten sich auf Schüler aus der Ukraine vor. Für die gibt es nun eine Art Starterpaket.

Scheeßel/Lauenbrück – Tagelang hatten die Beteiligten sich koordiniert, Sachspenden eingeworben, Federtaschen mit Radiergummis und Rucksäcke mit Trinkflaschen und Frisbees bestückt – nun stehen 50 fertige „Schulstartpakete“ im Besprechungszimmer der Beekeschule. Initiiert wurde die Aktion zur Vorbereitung der Ankunft geflüchteter ukrainischer Kinder von Sven Borstelmann, „quasi in Doppelfunktion“, wie der Schulleiter und Präsident der Scheeßeler Lions erklärt.

Sein Anliegen, den Opfern des Krieges nicht nur in der Ukraine durch Spenden unter die Arme zu greifen, sondern auch hier vor Ort, fand sofort Zustimmung: „Das ist ganz im Sinne unserer Zielsetzung, Hilfe ‚rund um den Kirchturm‘ zu leisten“, so Thomas Burmester, der die Geschicke der Lions in Bothel betreut. Die Rucksäcke, die in Kooperation mit den Lions und zahlreichen regionalen Sponsoren vom Getränkefachmann bis zum Kaufhaus Kolkmann ihre Füllung bekamen, wurden gepackt, weil Kinder laut Borstelmann „auf der Flucht wohl als letztes Schulsachen mitnehmen.“

Mehr Programm angedacht

Neben der Beekeschule gehen auch einige an die Wiedauschule in Bothel, an die Lauenbrücker Fintauschule und in Teilen an die Grundschule und, wie der Initiator betont, „natürlich kommen sie auch anderen Schülern in ähnlichen Situationen zugute“.

Doch das soll nur der Anfang der Hilfsaktion sein. Die Scheeßeler Lions haben sich bereits verständigt, weitere Aktionen wie Begegnungstreffs zu unterstützen. Nicht nur finanziell, sondern auch mit konkreter Hilfe zur Eingliederung. „Viele Lions sind selbst in Vereinen vernetzt und können den Kontakt herstellen, damit die Flüchtlinge beispielsweise beim Sport schnell integriert werden“, so Pressesprecher Detlev Kaldinski.

Weiterhin sei an ein Nachmittagsangebot mit Ausflügen gedacht, „um Hemmschwellen abzubauen. Burmester ist nicht nur wichtig, dass die Hilfe – Geld und Unterstützung – unkompliziert und eins zu eins ankommt, sondern auch zügig und passgenau. „Wir können schneller sein, weil wir vor Ort sind und die Ohren aufhaben, wo etwas gebraucht wird – wir sind für jeden Hinweis dankbar“, betont er.

Deutsch als Drittsprache

Bis jetzt sind an den meisten Schulen in Scheeßel, Lauenbrück und Bothel erst jeweils zwei bis drei Kinder und Jugendliche angekommen, allesamt privat untergebrachte. „Einige haben als Drittsprache ab der achten Klasse Deutsch, so gut wie alle als erste Fremdsprache ab der dritten Klasse Englisch – das ist schon mal ein Vorteil“, hat Frank Lehmann, Schulleiter der Fintauschule, festgestellt.

Hier stellt man sich proaktiv auf eine jahrgangsübergreifende Sprachlernklasse ein, die von der Schularbeiterin und der Schulförderkraft betreut werden und gegebenenfalls auch die Mütter der geflüchteten Kinder mit einbindet. Stundenweise sollen die Schüler ähnlich wie im Integrationsbereich Kooperationsklassen besuchen, etwa in Fächern wie Sport oder Werken. In Mathe und den Naturwissenschaften erwartet Lehmann wenig Probleme, „da sind sie meistens weiter als unsere Schüler und dürften keine Schwierigkeiten haben, mit dem Stoff mitzukommen“.

„Kinder lernen am schnellsten Deutsch von anderen Kindern“, ist Borstelmanns Erfahrung, wo das integrative Konzept ähnlich gehandhabt werden soll. Ähnlich verhält es sich in Bothel, wohin ebenfalls zehn Rucksäcke ihre Reise antreten. Schulleiter Maico Tijink spricht von „Aufbruchsstimmung“ im Ort. Gerade habe die Schülervertretung einen Sponsorenlauf zugunsten der Ukraine organisiert, bei dem 24 000 Euro zusammenkamen. „Die Jugend ist nicht unpolitisch“, betont er. Aber auch seitens der Eltern und Lehrer sei eine enorme Solidarität zu spüren, berichten die drei Schulleiter. Einige haben sich bereits für Nachmittagsbetreuung angeboten; an der Beekeschule habe eine ukrainische Lehrerin Behördenunterlagen wie Anmeldeformulare ins Ukrainische übersetzt.

Auch interessant

Kommentare