Ulrike Jungemann möchte für das Amt der Bürgermeisterin kandidieren

Mit Schützenhilfe der Scheeßel-CDU

Auf zu neuen Ufern: Ulrike Jungemann kann auf die Unterstützung des CDU-Gemeindeverbandvorstandes (hier mit Günter Bassen, l., und Dirk Lange) in ihrem Bestreben, Scheeßels neue Bürgermeisterin zu werden, vertrauen. Ihre Kandidatur muss vorerst aber noch auf einer parteiinternen Nominierungsveranstaltung festgezurrt werden. Foto: lw

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wenn nächstes Jahr im September die Scheeßeler aufgefordert sind, parallel zur Kommunalwahl ihren Bürgermeister beziehungsweise ihre Bürgermeisterin zu wählen, dann wird eine ganz sicher nicht mehr ihren Hut in den Ring geworfen haben: die jetzige Amtsinhaberin. Käthe Dittmer-Scheele macht im 20. Jahr ihrer Laufbahn als Hauptverwaltungsbeamtin Schluss – auf eigenen Wunsch hin. Dreimal ist die heute 61-Jährige von „ihrer“ CDU im Wahlkampf unterstützt worden. Dreimal schaffte sie souverän den (Wieder-)Einzug ins Rathaus. Ob Ulrike Jungemann (48) dies in ferner Zukunft auch einmal von sich behaupten kann? Sie, die erfahrene Regionalplanerin in der Stabsstelle Kreisentwicklung, die erst seit vier Jahren ein Parteibuch besitzt, will es jedenfalls wissen – und mit Unterstützung des CDU-Gemeindeverbandes als neue Bürgermeisterin ins Scheeßeler Rathaus einziehen – ein erfolgreiches Abschneiden natürlich vorausgesetzt.

Für Günter Bassen und Dirk Lange, ihren Parteikollegen, wäre die Rotenburgerin jedenfalls eine ideale Besetzung für das hohe Amt. Beide sitzen sie im Verbandsvorstand. Beide, sagen sie, hätten ihre Fühler nach einer aus ihrer Sicht geeigneten Person schon vor gut zwei Jahren ausgestreckt und an unterschiedlicher Stelle Gespräche geführt. „Dabei sind wir von Anfang an der Auffassung gewesen, dass die Person, die Käthes Nachfolge antritt, auf jeden Fall nicht nur Verwaltungserfahrung haben muss, sondern die Menschen auch annimmt und versteht, ihnen als politische Vertretung das Gefühl gibt, verstanden zu werden, statt einfach nur den eigenen Terminkalender abzuarbeiten“, sagt Bassen, der Verbandsvorsitzende. Dieses Anforderungsprofil, ergänzt Dirk Lange, sei im Vorstand auch so besprochen worden. „Wir wollten da eigentlich nicht experimentieren.“

Dass man sich doch schon recht früh auf Kandidatensuche begeben habe, erklärt Bassen so: „Bei uns im Landkreis gibt es eine ganze Reihe von Hauptverwaltungsbeamten, die nächstes Jahr nicht wieder antreten werden oder wo vermutet wird, dass sie nicht mehr dabei sind – das war für uns ein Grund zu sagen, dass wir rechtzeitig losgehen und dieses Thema für uns baldmöglichst abschließen wollen.“

So habe es am Ende eine Handvoll Interessenten gegeben, mit denen Gespräche jeweils unter sechs Augen geführt worden seien. So auch mit Ulrike Jungemann, die laut ihrer beiden Mitstreiter eben nicht nur die genau von ihnen beschriebenen Skills mitbringen würde, sondern in der Region auch schon einen gewissen Bekanntheitsgrad genießen würde. „Ich habe mich total über das Angebot gefreut“, sagt die diplomierte Geografin, die eigenen Worten nach eh schon seit einiger Zeit darüber nachgedacht habe, sich nach 20 Jahren beim Landkreis beruflich weiterzuentwickeln. Der Zeitpunkt, an dem sie angesprochen worden sei, hätte aus ihrer Sicht aufgrund ihrer beruflichen und politischen Erfahrungen jedenfalls nicht besser passen können. „Dass es dann auch noch Scheeßel wurde, war für mich ein Glückstreffer, weil es für mich eine unheimlich tolle Gemeinde ist“, schwärmt die Endvierzigerin. Die Kombination aus Tradition und Moderne, ländlichem Raum und städtischem Einfluss – die habe ihr schon sehr imponiert. Und: „Durch meinen Job als Regionalplanerin habe ich natürlich schon eine ganze Menge mitbekommen, was in der Gemeinde passiert und kenne auch die Entwicklungsmöglichkeiten, die Potenziale, die Scheeßel hat.“

Wer aber genau ist Ulrike Jungemann, die 2017 nur allzu gerne die Nachfolge von Reinhard Grindel im Deutschen Bundestag angetreten hätte, und die Freunde einfach nur Rike nennen? Gebürtig kommt die Verwaltungsfrau aus Warendorf, einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Nach ihrem Geografie-Studium in Münster fasste sie beruflich beim Landkreis Rotenburg Fuß. Neben der Regionalplanung zählen noch weitere Bereiche zu ihren Schwerpunkten, darunter Bioenergie und Grundwasserschutz. Kinder hat die 48-Jährige keine, dafür ist sie dank ihrer sechs Geschwister gleich 16-fache (!) Tante. Jungemann ist ledig. Seit März 2019 sitzt sie im geschäftsführenden Vorstand des Rotenburger CDU-Kreisverbandes als Schatzmeisterin.

Diesen Posten hat Dirk Lange auf Scheeßeler Ebene auch inne. Er sagt: „Gerade weil sie ja schon signalisiert hat, für höhere politische Ämter kandidieren zu wollen – sie sich also mehr zutraut, als nur die Regionalplanung –, hat unsere Entscheidung damals beeinflusst, mit ihr ins Gespräch zu kommen.“ Allerdings betont der CDU-Fraktionschef im Scheeßeler Gemeinderat auch, dass es sich Stand jetzt bei der Personalie Jungemann nur um einen Vorschlag des Vorstandes handeln würde. „Natürlich werden wir, sobald es möglich ist, noch eine Nominierungsveranstaltung abhalten, auf der dann die Verbandsmitglieder befragt werden, ob sie ihrer Kandidatur zustimmen.“ Irgendwann im Sommer solle eine solche Versammlung stattfinden – nicht virtuell, sondern live und in Farbe. Bis dahin, erläutert Günter Bassen, könnten sich getreu dem geltenenden Vorschlagsrecht aber noch weitere Interessenten aus den Reihen der Scheeßel-CDU einbringen.

Zu konkreten inhaltlichen Themen, die die Gemeinde betreffen, wolle sie sich jetzt, 16 Monate vor der Wahl, noch nicht äußern, betont Jungemann. „Ich bin ja noch keine Bürgermeisterin, sondern will es noch werden.“ Ja, ihr sei bewusst, dass sie als mögliche Nachfolgerin von Käthe Dittmer-Scheele in ziemlich große Fußstapfen treten werde. „Ich schätze es sehr, was sie in den letzten Jahren geleistet hat, was aber nicht heißen muss, dass später keine Veränderungen stattfinden dürfen.“

Wenn sie in das Amt tatsächlich hineingewählt werden sollte, wolle sie als CDU-Frau die Neutralität im politischen Geschäft jedenfalls wahren. Auch sei sie gerne bereit, mit den anderen Fraktionen und Gruppen im Gemeinderat vorab ins Gespräch zu kommen. „Und mir wäre es selbstverständlich wichtig, ein offenes Ohr für alle Bürger aus der Gemeinde zu haben.“

Und wie sieht es bei der Scheeßeler SPD aus? Erfahrungsgemäß unterstützt sie einen eigenen Bürgermeisterkandidaten. Und daran will der Ortsverein, wie dessen Vorsitzender Marc Ostrowski gegenüber unserer Zeitung erklärt, auch bei der Wahl 2021 festhalten. „Aufgrund der Corona-Einschränkungen hat sich bei uns der Prozess der Kandidatensuche allerdings verzögert“, sagt er. Immerhin befände man sich bereits mit verschiedenen Interessenten im Austausch. „Zum Teil wurden diese von uns direkt angesprochen, zum Teil sind sie aber auch auf uns zugekommen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt könne man abschließend also noch keinen Kandidaten namentlich benennen. Ostrowski: „Wir arbeiten aber intensiv daran, die Gemeinde Scheeßel auch nach Ablauf der aktuellen Wahlperioden weiter aktiv mitzugestalten und freuen uns über die Chancen, die das nächste Jahr bieten wird.“

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