Schön – aber extrem giftig

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Kester Mahnken mit dem giftigen Jakobskreuzkraut (l.) und dem ungiftigen Johanniskraut (r.). Beide Pflanzen sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
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Kester Mahnken mit dem giftigen Jakobskreuzkraut (l.) und dem ungiftigen Johanniskraut (r.). Beide Pflanzen sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Sothel – Eigentlich sehen sie ja ganz hübsch aus, die gelben Blüten, die seit einigen Wochen schon wieder vermehrt an Wegesrändern und Wiesen zu sehen sind. Aber das Jakobskreuzkraut, das auch im Landkreis verstärkt auf dem Vormarsch ist, ist für Menschen und Wirbeltiere stark giftig. „Ein Pflänzchen reicht schon aus, um ein ausgewachsenes Pferd umzulegen“, sagt Kester Mahnken.

Dem Landwirt aus Sothel ist die Pflanze mit ihren 13 Blütenblättern schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Nicht zu verwechseln sei sie mit dem Johanniskraut, betont der 48-Jährige: „Die Heilpflanze sieht dem Jakobskraut auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich, hat aber nur fünf Blätter.“

Mahnken erinnert sich an Zeiten, da habe das giftige Gewächs noch keiner in der Region gekannt, er selbst eingeschlossen. Mindestens 20 Jahre sei das her. „Es ist zwar eine heimische Pflanze, verbreitet war sie aber noch längst nicht so weit wie heute.“ Nachdem die ersten Pflanzen auch in Sothel und der umliegenden Gemarkung aus dem Boden geschossen seien, habe er das noch gar nicht so ernst nehmen wollen – „bis es explodiert ist, und das ging relativ schnell“, weiß er aus Erfahrung. Allein drei Frontladerschaufeln voll habe man mal in einer konzentrierten Aktion von dem Kraut ausgerissen, erinnert er sich – die Auslese aus einem einzigen Wohngebiet. „Das war für mich der Punkt, wo ich gedacht habe, dass wenn es noch mal irgendwo kommt, ich es ausreiße und entsorge.“

Alle Jahre wieder: das Jakobskreuzkraut

Inzwischen sei es für ihn alle Jahre wieder im Juni ein festes Ritual, die Wege in der Feldmark und im Ort abzufahren, um die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes wenigstens auf lokaler Ebene ein Stück weit einzudämmen. „Dabei stehen mir auch immer wieder unsere Jäger und befreundete Landwirte hilfreich zur Seite“, berichtet er. Erst neulich sei die Dorfgemeinschaft so wieder zusammengekommen – am Ende seien 15 große Müllsäcke, alle bis zum Anschlag gefüllt, zur Verbrennung in die Entsorgungsanlage in Rehr verfrachtet worden.

„Beim Rausreißen sollte immer darauf geachtet werden, dass man Handschuhe trägt, um so zum Beispiel Hautreizungen zu vermeiden“, rät Mahnken. Und: Weil es sich um eine mehrjährige Pflanze handelt, sollte man sie komplett mit der Wurzel auszustechen.

Jakobskreuzkraut-Bedrohung erfolgt auch durch Heu

Auch wenn das Jakobskreuzkraut teilweise Vorteile wie etwa für Insekten bietet, kommt es durch das Gewächs vor allem in der Landwirtschaft zu Schwierigkeiten. Zwar meiden pflanzenfressende Nutztiere wie Schafe, Rinder und Pferde es aufgrund seiner abschreckenden Bitterstoffe auf der Weide, allerdings wird die Pflanze häufig mit abgemäht und getrocknet. Landet sie im Heu oder in der Silage, giftig ist sie dann immer noch, merken die Tiere das nicht, sie können es nicht mehr selektieren. Vor allem auf extensiv beziehungsweise ökologisch bewirtschafteten Flächen sei das laut dem Sotheler ein Problem, da dort die Pflanzen nicht mit Herbiziden bekämpft werden dürften. Mahnken: „Da einige Landwirte das Heu an Pferdehalter verkaufen, ist es für sie natürlich auch interessant, dass ihre Flächen sauber bleiben.“

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Und relativ sauber, versichert der 48-Jährige, dessen Hofhistorie bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückreicht, sei die Sotheler Feldmark allemal. „Darüber ist übrigens auch unsere Imkerin im Dorf ganz froh – denn Bienen nehmen das Gift auf, ohne dabei selbst Schaden zu erleiden.“ So könnten, auch wenn das Jakobskreuzkraut nicht unbedingt ihre Lieblingspflanze sei, toxische Spuren sogar in den Honig gelangen. „Man tut mit dem Entfernen der Pflanze also nicht nur den Tieren einen Gefallen, sondern auch den Menschen, wenn man den Honig mit Genuss essen möchte.“

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