Im Scheeßeler Fundbüro kommt nach dem Hurricane-Festival so einiges zusammen

Vom Schlüssel bis zum Moped

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Während der Hurricane-Festivals ging jede Menge verloren. Im Fundbüro des Scheeßeler Rathauses stapeln sich nun die Habseligkeiten in Kisten und Kästen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Das Telefon von Leon Drewes klingelt. Mal wieder. „Hier ist das Fundbüro nach dem Hurricane – was kann ich für Sie tun?“, meldet er sich. Der Rathaus-Mitarbeiter tut es zum x-ten Mal an diesem Tag. Das Festival ist längst vorbei, der Müll entsorgt, die Fans sind abgezogen. Was bleibt, sind zig Fundsachen. „Nach dem Hurricane“ – das bedeutet für Drewes und seine Kollegen eine Menge Arbeit, schließlich wollen die Besitzer der verloren gegangenen Gegenstände ausfindig gemacht werden.

„Wie viele Schlüssel sind am Bund?“, fragt Drewes die Anruferin. „Von welcher Marke? Welche Form? Rund? Eckig? Trapez?“ Der 20-Jährige weiß, welche Fragen er stellen muss, um zu identifizieren, ob der Schlüssel der Anruferin tatsächlich abgegeben wurde. Eine ganze Schatulle füllen die unterschiedlichsten Exemplare. Nichts besonders, denn Schlüssel sind ein beliebtes Utensil, das auf dem Festival verloren wird. Und dutzende, teils richtig teure Handys, wie ein Blick in die Kartons verrät. Für sie kommt eine Adapterversorgung zum Einsatz. Immerhin könnte das eine oder andere Modell ja nicht mit einem Pin gesperrt sein. „Wir schauen dann im Telefonbuch des Gerätes nach, ob sich dort die Nummer des Eigentümers oder vielleicht des Partners finden lässt, um so Kontakt mit ihm aufzunehmen“, erklärt Drewes. „Wir haben das schon sehr professionalisiert.“

310 Fundstücke lagern im Rathaus

Der Anruferin konnte der junge Mann an diesem Tag weiterhelfen, ebenso einem Mädchen, das mit seiner Freundin den Weg ins Rathaus gefunden hat. Sie bekommt ihr Portemonnaie samt Ausweis und Geld wieder. Das sei überraschend oft der Fall, sagt er. „Es scheint doch noch viele ehrliche Finder auf dem Hurricane zu geben.“

Insgesamt 310 Habseligkeiten haben seit dem Festivalende den Weg ins Rathaus gefunden – entweder über die Polizei oder den Veranstalter. Neben Handys, Schlüssel und Geldbörsen finden sich auch diverse Kleidungsstücke, Schlafsäcke, ja, sogar ein Ehering und ein Jagdmesser unter den Fundsachen – allesamt seit Dienstag dieser Woche vollständig katalogisiert und mit einer Nummer versehen. Dem gegenüber stehen mehr als 500 Suchanfragen, die in einem speziellen E-Mail-Postfach bei der Gemeinde eingegangen sind. Die werden Drewes und seine Kollegin Janine Sommer nun nach und nach abarbeiten müssen. „Das wird uns wohl noch weitere drei Wochen beschäftigen“, sagt er. Dabei sei man auch vor Scherzbolden keineswegs gefeit, die das Prozedere unnötig in die Länge ziehen würden. „Nicht wenige Leute schreiben uns, dass sie ihre Unschuld verloren hätten oder ihre Stimme – so etwas hält natürlich auf.“

Moped tritt Heimreise ohne Fahrer an

Vieles, was auf dem Festival verloren gegangen war, passt in kleine Schachteln oder Tüten. Anderes, wie ein Moped, natürlich nicht – das steht in der Tiefgarage des Rathauses und wartet darauf, die Heimreise nach Hamburg anzutreten. Ohne Fahrer. „Der Eigentümer hat eine Spedition beauftragt, die Maschine von hier abzuholen“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter.

Und wieder klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die Mutter eines Festivalbesuchers. Ob denn der Kulturbeutel ihres Sohnes im Fundbüro aufgelaufen sei, will sie wissen. Leon Drewes wirft einen Blick auf die Liste, verneint freundlich und legt auf. „So etwas würde ich wegen der Schlammreste persönlich ja nicht gerne zurückhaben wollen“, sagt er augenzwinkernd.

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