Rainer Schild verabschiedet sich zum Jahreswechsel

Scheeßels Förster geht in den Ruhestand

40 Jahre hat er den Forst in der Region geprägt. Nun verabschiedet sich Bezirksförster Rainer Schild in den Ruhestand.
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40 Jahre hat er den Forst in der Region geprägt. Nun verabschiedet sich Bezirksförster Rainer Schild in den Ruhestand.

Scheeßel – Zum Jahreswechsel ein Abschied mit viel Lob, Dank und Anerkennung für diese Lebensleistung: Forstamtmann Rainer Schild (65), seit Dezember 1983 Leiter der Bezirksförsterei Scheeßel der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, wechselt nach rund 40-jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Seine Nachfolge ist geregelt: Neuer Bezirksförster in Scheeßel wird Ulf Wahlers (36), bisher Leiter der Dienststelle Visselhövede.

Am Ende jahrzehntelanger Arbeit für den Wald steht zum Schluss dieses Jahres allerdings ein „geräuschloser” Wechsel für Schild und die privaten Waldbesitzer, für die er verantwortlich und zuständig war. Der letzte Diensttag, wie es bei Beamten üblich ist: Eine Urkunde vom Chef, Nils Ermisch, Leiter des zuständigen Forstamts Nordheide-Heidmark in Neuenkirchen, überreicht im Auftrag der Landwirtschaftskammer, ist das äußere Zeichen für das lange Wirken. In das „schwarze Loch” wird der Pensionär Schild, da ist er sich sicher, im Ruhestand nicht fallen. Eine Fülle an Aufgaben, Plänen und nicht realisierten Träumen warten auf den 65-Jährigen. „Wenn die Umstände es erlauben, wird es im Frühjahr eine offizielle Verabschiedung geben“, sagt er. Geplant sei eine Waldbauexkursion mit dem Vorsitzenden der Kreis-Waldmärkerschaft Rotenburg, Hans-Jürgen Bostelmann aus Kettenburg, und den Waldbesitzern.

Der große Wunsch, Förster zu werden, stand für den in Bremen geborenen Rainer Schild schon als kleiner Junge fest. Deshalb auch seine Begeisterung, wenn der Vater, ein Hobbyjäger, zum Ansitz in den Wald fuhr, und der Sohn ihn begleiten durfte. Bis zum Berufsziel Förster gab es nach Schulschluss noch einige „Umwege” und Stationen: Ausbildung als Vermessungstechniker, Fachhochschulreife, Wehrdienst auf der „Gorch Fock”, Studiengänge in Göttingen, das Praktikum in Syke für die Forstlaufbahn, danach an der Fachhochschule für Forstwirtschaft in Göttingen das dreijährige Forstwirtschaftsstudium. Dann ein Jahr Vorbereitungsdienst am Staatlichen Forstamt Knobben (Uslar) im Solling. Im Januar 1983 der Wechsel zur Landwirtschaftskammer, zur Privatforst: Schild arbeitete ein Jahr als Büroleiter beim Forstamt Braunschweig, um im Dezember des gleichen Jahres sein Lebensziel zu erreichen: Leiter der Bezirksförsterei Scheeßel.

Der Forstamtmann: „Damit war mein Berufswunsch in Erfüllung gegangen. Ich betreue und berate aktuell 437 Waldbesitzer mit einer Mitgliedsfläche von rund 4 000 Hektar. Außerdem bin ich zuständig für etwa 2 500 Hektar Nichtmitgliedsfläche. Es handelt sich dabei um bewaldete Moorflächen.”

Kiefer und Fichte, so Schild, seien die vorherrschenden Baumarten, gefolgt von Stieleiche, Rotbuche, Roterle, Sand- und Moorbirke. Etwa 70 Prozent der Waldflächen im Landkreis Rotenburg seien in privatem Besitz, etwa 30 Prozent seien Bundes-, Landes- und Kommunalwald. Die Größe der Privatwaldflächen habe, sehr stark parzelliert, Ausmaße von 0,5 bis 700 Hektar – sehr große zusammenhängende Waldflächen, wie zum Beispiel der Lüßwald bei Unterlüß im Landkreis Celle, gibt es im Landkreis Rotenburg nicht.

Förster Schild betreut die privaten Waldflächen in der Samtgemeinde Fintel, der Einheitsgemeinde Scheeßel, der Stadt Rotenburg mit dem Ortsteil Waffensen und die Gemeinden Brockel, Hemslingen-Söhlingen in der Samtgemeinde Bothel. „Ich habe die Waldbesitzer in sämtlichen Fragen der Forstwirtschaft betreut und beraten – von der Holzvermarktung über waldbauliche Maßnahmen, Naturschutzfragen bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit.”

Tätigkeiten, die berufliches Wissen, fachliches Können, Mut zum Wagnis, Hartnäckigkeit und immer wieder sehr lange Arbeitstage verlangen. Ansprüche, die Schild relativ „leicht” zu erfüllen vermag, denn für ihn gilt: „Ich bin mit Leib und Seele Förster.” Deshalb war dies für ihn stets ein besonderes Anliegen: Über die beruflichen Notwendigkeiten hinaus die Öffentlichkeit immer wieder in die Probleme des Waldes einzubeziehen und auf die Notwendigkeit der Pflege hinzuweisen. Und für ihn ist dieser Aspekt von besonderer Bedeutung: „Menschen dürfen durch vielfach von der Industrie geforderte permanente Holzeinschläge vom Wald nicht nur fordern. Der Wald braucht seine Zeit, um sich zu entwickeln. Er darf nicht in erster Linie zum Geldverdienen bestimmt sein, sondern zur Nachhaltigkeit.” Ein Prinzip, betont Schild, das sich im Privatwald noch steuern lasse, im Staatswald sei das schwieriger.

Apropos Nachhaltigkeit: Er habe immer sehr viel Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit, auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit den Naturschützern gelegt, unterstreicht der Scheeßeler Bezirksförster. Neben den vielen schönen Dingen, die der Wald biete, gelte es, die Öffentlichkeit für die Probleme zu sensibilisieren.

Welche großen Sorgen und Probleme nimmt der 65-Jährige mit in den Ruhestand? Er nennt an erster Stelle die Dürrejahre 2018 bis 2020 und damit die immensen Schäden, die der Borkenkäfer an rund 40 Prozent der Fichtenbestände angerichtet habe und in der Folge an den Windwurf durch die lokalen Sturmschäden. „Deshalb ist die Wiederaufforstung im Augenblick unsere vorherrschende Arbeit auf den sogenannten Kalamitätsflächen.“ Gepflanzt würden überwiegend Stieleiche, Rotbuche, Roteiche, Roterle, aber auch Nadelbäume wie Douglasie, Lärche und Küstentanne. „Damit versuchen wir, die Nadelholz-Reinbestände umzubauen in ökologisch wertvolle, stabile und standortgerechte Mischwälder.”

Schild, wenige Tage vor dem Ruhestand, vergisst nicht die jahrzehntelange hervorragende Zusammenarbeit mit den Mitgliedern und die gegenseitige Bereitschaft zum Kompromiss bei gegenteiligen Meinungen. Für dieses lange, gute Zusammenwirken bedanke er sich. Das gelte auch für die Firmen und ihre Mitarbeiter.

Auf ihn wartet im Ruhestand nicht nur seine Frau Marion, mit der er zusammen Reisen unternehmen möchte und mit der zusammen er stolz ist auf die vier erwachsenen Söhne. Er will sich als Hobbyimker versuchen, und er will weiter an der Berufsschule Rotenburg als Lehrbeauftragter für die einjährige Fachschule Agrarwirtschaft Unterricht erteilen. Darüber hinaus arbeitete Schild bisher im Auftrag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als zertifizierter Baumkontrolleur. Mit geschulten Augen überwachte der Fachmann im Kreis Rotenburg und weit darüber hinaus Bäume, die nicht nur schön sind, sondern für Menschen zur Unfallgefahr werden können.

Und die Jagd: Wird der Forstmann Rainer Schild künftig auf irgendeinem Hochsitz auf Wild ansitzen? „Gelegentlich sicherlich“, meint er, „aber ich wandere gerne weiterhin durch die Natur und genieße den Wald in vollen Zügen.”

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