Scheeßeler Tagespflege entlastet Angehörige / Einrichtung mit 35 Gästen ausgebucht

Dem Alltag im Alter Struktur geben

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Es wächst und gedeiht: Im Garten der Tagespflege können sogar frische Brombeeren gepflückt werden.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ins Altenheim einzuziehen, nein, das kann sich Hans Albrecht (87) überhaupt nicht vorstellen. Der Bartelsdorfer ist immer gut alleine zurecht gekommen. „Doch auch ich werde nicht jünger“, erzählt der Senior augenzwinkernd. Mit der Zeit war er auf mehr und mehr auf Hilfe angewiesen – Unterstützung, die seine Tochter manchmal nicht mehr geben konnte. Beide haben schließlich eine Lösung gefunden: Albrecht verbringt jetzt zwei Tage pro Woche in der Tagespflege der Diakonie-Sozialstation Scheeßel-Fintel.

Seit April bietet der Pflegedienst zusätzliche Hilfe für Menschen älteren Semesters an – ohne dass diese ihr häusliches Umfeld gegen eine Seniorenresidenz eintauschen müssen. „Unser Ziel ist es zum einen, durch strukturierte Tagesabläufe die Selbstständigkeit und Beweglichkeit unserer Gäste zu erhalten, oder sogar zu verbessern“, erklärt Pflegefachkraft Birgit Petersen. Gleichzeitig solle die Einrichtung die pflegenden Angehörigen entlasten: „Für viele ist es schön, mal wieder alleine einkaufen gehen zu können“, ergänzt Marianne Kuhn, Geschäftsführerin der Sozialstation. „Hier wissen sie ihre Angehörigen gut aufgehoben und versorgt.“ Für die Gäste sei die Tagespflege indes eine willkommene Abwechslung von ihrem Alltag, die Möglichkeit, auch mal raus zu kommen und sich mit anderen, als nur mit der eigenen Familie auszutauschen.

Dafür holt ein Fahrdienst einen Großteil der Pflegebedürftigen im Alter von 60 bis 98 Jahren morgens von zu Hause ab und bringt sie in die Friedrichstraße – fünfmal die Woche. „Für mich und meine Familie ist es ein Segen, dass es diese Alternative zum Altenheim gibt“, findet Hans Albrecht.

In der Tagespflege, auf dem Gelände des früheren Leuenroth-Supermarktes errichtet, gibt es eine offene Hightech-Küche, einen großzügigen Wohn- und Essbereich sowie einen direkt an der Beeke gelegenen Garten mit Obst- und Gemüsebeet. Jeweils in Dreierteams kümmern sich die Mitarbeiterinnen der Sozialstation um die einzelnen, in der Regel nach Pflegebedarf eingeteilten Gruppen.

„Niemand wird von uns zu irgendetwas gezwungen, unsere Gäste entscheiden selbst, wie sie ihren Tag verbringen möchten“, unterstreicht Birgit Petersen. „Sie können uns in der Küche zur Hand gehen, sich aus der Kreiszeitung vorlesen lassen oder einfach im Sessel sitzen und nichts tun.“ Außerdem gibt es neben den gemeinschaftlichen Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten tägliche Spiel-, Sing- und Bastelangebote. Und auch Geburtstage können in geselliger Runde gefeiert werden.

Das Leben in der Tagespflege, es funktioniert ähnlich wie das Leben im Altenheim – mit dem Unterschied, dass die Gäste nachmittags wieder nach Hause gebracht werden. Die meisten kommen, wie Albrecht – zweimal in der Woche. Der 87-Jährige hat sich schon eingelebt: „Mir gefiel es direkt gut hier. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen.“ Er scherzt gerne mit den anderen, Tanzen ist seine große Leidenschaft. „Das machen die müden Knochen wenigstens noch mit“, so der Bartelsdorfer. Manchmal, erzählt er, mache er den Neulingen auch Mut: „Ich sage denen dann: Sie brauchen keine Angst zu haben, ich bin ja bei Ihnen.“

Es sei schön zu sehen, wie die Gäste langsam Vertrauen fassen, meint Birgit Petersen: „Oft verschiebt sich das Verhältnis zu den Angehörigen durch die Pflegesituation. Durch die Tagespflege werden Beziehungen entlastet, und man kann sich wieder viel mehr aufeinander freuen.“

Fünf Monate nach dem Start der Scheeßeler Tagespflege ziehen Kuhn und Petersen bereits eine positive Bilanz: Derzeit würden 35 Gäste die pro Tag zur Verfügung stehenden Plätze belegen. „Damit sind wir aktuell voll ausgelastet“, sagen die beiden Frauen.

Dass der Bedarf im Bereich der Tagespflege sehr groß sei, bestätige die Zahl der Reservierungen. So stünden schon wieder mehrere Personen auf der Warteliste. Dabei habe man das Angebot von anfangs drei Tagen inzwischen schon auf fünf erweitern müssen. „Wenn wir könnten, würden wir sofort unsere Tagespflege vergrößern“, so Marianne Kuhn. Pläne dafür gibt es schon: In rund zwei Jahren soll an der Friedrichstraße angebaut werden.

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