„Frauen an die Queues“

Scheeßeler sucht Mitstreiter für Zevener Billardverein

Ed Muijs will mit Aktionen wie einem Frauen-Schnupperwochenende neue Mitglieder werben.
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Ed Muijs will mit Aktionen wie einem Frauen-Schnupperwochenende neue Mitglieder werben.

Ed Muijs will seinen Billardverein beleben. Dafür möchte er insbesondere auf Spielerinnen zugehen.

Zeven/Scheeßel – Ein beliebiger Abend im Spätherbst, irgendwo im Industriegebiet Zeven-Aspe. Auf dem Hinterhof an Lagerhallen und Pfützen vorbei geht es hinter einer der Stahltüren die Treppe hoch. Auch wenn die Schilder draußen auf den „Billard-Sport-Verein Zeven“ hinweisen – hierher verirrt sich keiner, der nicht Bescheid weiß. Hinter der Treppe ins erste Geschoss:

ein eigenes Reich mit neun Turnier-Billardtischen vom Feinsten unter den hohen Dachbalken und den weißen Wänden, stilvoll mit farbigem Licht illuminiert. Und im Hinterzimmer eine Lounge mit XL-Monitor und Ledersesselecke, die schon manches Pokerspiel erlebte.

An der Bar wartet in dem sonst menschenleeren Raum Ed Muijs zum Gespräch. Seit vier Jahren ist der Scheeßeler Mitglied im Billard-Sport-Verein Zeven. Seit einigen Jahren geht es mit den Mitgliederzahlen stetig bergab. „Nicht nur Corona-bedingt“ meint der Niederländer, der in der Heimat, einer Hochburg des Billards, eigentlich das verwandte „Carambolage“ gespielt hat.

Momentan hat der Verein gerade mal 23 Mitglieder. Zu wenig, um die laufenden Mietkosten zu decken, ganz zu schweigen von Ausgaben wie dem anstehenden neuen Beziehen eines der fünf Ligatische, was mit vielen hundert Euro zu Buche schlägt. Die letzte Restaurierung hatte Snooker-Legende Sascha Lippe gesponsert, ansonsten ist Billard nicht gerade ein Sport, um den sich die Sponsoren reißen.

Pokale an den Wänden, die Pinnwand mit Terminen ist so gut wie leer. Gerade mal eine Mannschaft ist noch gemeldet, von Nordenham bis Delmenhorst fahren die fünf Teilnehmer zu den Spieltagen, Aufsteigen möchten sie nicht, obgleich das leistungsmäßig sicherlich drin wäre – „dann wären die Fahrten ja noch weiter und die Tage noch länger, gerade für unsere arbeitende Bevölkerung“, meint Alexander Matys – wie Muijs Mitglied im Verein.

Die Hoch-Zeiten des Vereins mit mehr als 80 Mitgliedern vom Einsteiger bis zum Fortgeschrittenen und acht gemeldeten Mannschaften kennt der zweite Vorsitzende nur noch vom Hörensagen. Er ist seit 2011 dabei und hat noch die wöchentlichen Übungsabende kennengelernt, mit Technik-Lehrstunden durch den Sportwart. Seitdem ist das Interesse abgeflaut. „Viele haben keine Zeit mehr, weil sie im Schichtdienst arbeiten oder selbstständig sind“. Nur noch ein Jugendlicher und zwei Frauen sind unter den Mitgliedern.

Letzteres will Muijs mit einer neuen Kampagne ändern: Ein Schnupperwochenende im Januar soll neue Interessentinnen für den Sport begeistern. Darüber hinaus hat der Verein sich auch für Gäste geöffnet: Tagestickets gibt es für zehn Euro, egal wie lange man spielt. Das gilt für die Gästeöffnungszeiten mittwochs und donnerstags von 18 bis 22 Uhr. Aber auch andere Termine sollen nach telefonischer Terminvereinbarung möglich sein, „da sind wir ziemlich flexibel“, versichert der zweite Kassenprüfer und „Kümmerer“ Muijs, der seine freie Zeit als Rentner gern in den Dienst des Vereins stellt. Er hat auch den jüngsten Flyer ersonnen, der zurzeit in Briefkästen verteilt wird und neue Mitglieder werben soll.

Selbst spielt Muijs derzeit rund drei Mal pro Woche. Freitags werden Turniere mit bis zu einem Dutzend Mitgliedern gespielt. „Hoffentlich bleibt das so“, an den anderen Tagen verabredet er sich mit festen Partnern. „Jedes Mitglied hat einen Schlüssel und somit 24/7 Zutritt.“ Er schätzt vor allem die Gemeinschaft, „die Abstände sind auch während Corona einhaltbar, zur Zeit ist immer nur einer am Tisch – ein Sport, der auch während der Pandemie noch gut durchführbar ist“, erklärt er. Aber auch die sportlichen Aspekte spielen eine Rolle: „Das A und O ist Konzentration und Koordination. Du musst ausgeschlafen sein und den Kopf frei haben.“

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