Hilfe am Hörer

Scheeßeler Seniorenbeirat organisiert Impfregistrierung für ältere Mitbürger

Im verwaisten Übergangsquartier der Gemeinde sitzen Hans-Hermann Wittrock und Walter Jungfer (r.) bereit, um Scheeßeler Senioren bei der Vereinbarung eines Impftermins zu assistieren.
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Im verwaisten Übergangsquartier der Gemeinde sitzen Hans-Hermann Wittrock und Walter Jungfer (r.) bereit, um Scheeßeler Senioren bei der Vereinbarung eines Impftermins zu assistieren.

Scheeßel – Die Verwaltung ist längst zurück ins Rathaus gezogen, doch im verwaisten Container im Speckfeldweg, mehr als ein Jahr lang temporäre Heimat für einen Teil der Verwaltung, brennt dieser Tage noch Licht. Hans-Herrmann Wittrock und Walter Jungfer sitzen im Büro und leisten am Laptop und Telefonhörer ehrenamtlich Dienst für die älteren Bürger.

Dank der Kooperation zwischen Gemeinde und Seniorenbeirat haben seit einer Woche „Ü80“-Einwohner die Möglichkeit, bei der Registrierung für einen Impftermin Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Neun Ehrenamtler sind dieser Tage in Zweiterteams jeweils von 9 bis 11 Uhr unter den Nummern 04263 / 9804535 und 04263 /98045356 erreichbar, um die Registrierung für die Corona-Impfung für ältere Mitbürger ohne Internetzugang vorzunehmen. „Am ersten Tag hatten wir mehr als 20 Anrufe“, erzählt Jungfer, inzwischen sei es etwas ruhiger geworden. Telefonisch erfassen er und seine Mitstreiter die erforderlichen Daten, gleichen diese mit der Liste der Gemeinde der insgesamt 800 Bürger dieses Alters ab, um Übertragungsfehler bei Schreibweise und Geburtsdatum zu vermeiden und nehmen die Online-Registrierung auf den gemeindeeigenen Laptops vor – „Datenschutz wird großgeschrieben!“, betont Jungfer. Zuvor wurden alle, die für diese kostenlose Hilfestellung infrage kommen, postalisch informiert. „Es rufen aber auch andere an, die nicht zu dieser Gemeinde gehören, weil sie denken, dass es dann schneller geht mit einem Termin“, sagt Jungfer. Sie muss er enttäuschen, genau wie diejenigen, die sich bereits selbst auf der Warteliste eingeschrieben haben und so auf eine schnellere Terminvergabe hoffen. „Das funktioniert natürlich nicht“, weiß Mitstreiter Wittrock, ebenfalls Vorstandsmitglied des Seniorenbeirates.

„Eine halbe Weltreise“

Oft hätten die Anrufer jedoch auch andere Fragen, allen voran die nach dem Transport. Konkret weiterhelfen kann der Seniorenbeirat hier nicht. Der Plan, den Bürgerbus für einen Shuttle einzusetzen, sei nicht durchführbar gewesen, weil dessen Routen nicht veränderbar seien. So kann er nur auf den öffentlichen Nahverkehr verweisen: „Es gibt eine Verbindung mit dem Bus zum Bahnhof Rotenburg, von dort aus zum Bahnhof nach Zeven und mit dem Shuttle zum Impfzentrum.“ Das sei am Impftag für den Fahrgast sogar kostenlos, „allerdings dauert die Fahrt pro Strecke mehr als zwei Stunden – eine halbe Weltreise“, befindet Wittrock. So bleibt nur der Verweis auf den Hausarzt, der möglicherweise ein Attest für eine Taxibeförderung ausstellt. „Ob das in der Praxis auch klappt, wissen wir nicht“, so Jungfer.

Ebenso wenig hat er bis jetzt eine Rückmeldung, ob die ersten betreuten Mitbürger bereits postalisch Meldung über den Eintrag in der Warteliste erhalten haben. „Wir bieten den Anrufern an, dass sie sich melden, wenn es nicht klappt“, so Jungfer, und fügt hinzu: „Wenn die Leitung mal überlastet sein sollte, wird die Nummer gespeichert und wir rufen in der Regel innerhalb einer Stunde zurück.“

Er hat auch schon Gespräche entgegengenommen mit Anregungen für die Arbeit des Seniorenbeirats. „So ist die Aktion auch ein bisschen Werbung für uns“, freut er sich.

Gerade klingelt wieder das Telefon: eine Hamburger Nummer. Nach dem Abgleich mit der Liste zückt er den Stift und macht sich an die Datenaufnahme: „Alles okay“, meint er, „da hat ein Sohn für seinen Vater angerufen, und der wohnt hier in Scheeßel.“ Wie viele Wochen die beiden und ihre sieben Mitstreiter die Hotline noch betreiben, ist noch nicht klar: „Ende dieser Woche ziehen wir erstmal Bilanz und sehen dann weiter“, so Jungfer.

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