Erst W-Lan, dann Laptops

Schulausschuss bringt Digitalisierung auf den Weg

Digitalisierungsfachmann für Schulen Cord Gerken ist Besucher im Schulausschuss.
+
Digitalisierungsfachmann für Schulen Cord Gerken gibt als Besucher im Schulausschuss entscheidende Impulse.

Scheeßel – Die Digitalisierung der Schulen – ein Thema, das den Beteiligen bundesweit spätestens seit der Pandemie auf die Füße fällt. Am Donnerstagabend hat sie den Schulausschuss beschäftigt, soll sie an den Scheeßeler Schulen doch mit Mitteln aus dem 2019 aufgelegten Digitalpakt vorangetrieben werden.

Warum die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten fünf Milliarden Euro nur zögerlich abgerufen werden, brachte Fachbereichsleiter für Inneres, Schulen und Kultur Stefan Behrens so auf den Punkt: „Keine Förderung ohne Konzept.“

Um Selbiges auf den Weg zu bringen, hatten sich die 15 Schulträger der 61 Schulen im Landkreis zusammengeschlossen, um mit einem Medienentwicklungsplan einen Rahmen zu schaffen, der den Kommunen einen Leitfaden für die Antragstellung an die Hand geben soll. Mit dabei: Christian Heinzel, seit November 2020 im Rathaus für die IT zuständig. Er erläuterte dem Ausschuss die Hintergründe der Förderrichtlinie und die Konsequenzen für die Umsetzung durch die Gemeinde.

So sei die maximale Fördersumme von 124 000 Euro für die Grundschule und 167 000 Euro für die Beekeschule – zusammengesetzt aus einem Sockelbetrag und einer von der Schülerzahl abhängigen Summe – nicht frei verplanbar. Vielmehr müsse als Basis eine Breitbandanbindung mit Lan und W-Lan geschaffen werden. Erst bei stehender Infrastruktur dürfen Endgeräte angeschafft werden. Neben den einmaligen Anschaffungskosten sind es vor allem die laufenden Kosten von 780 Euro pro Monat für eine Breitbandverbindung mit hohen Upload-Raten, die ins Gewicht fallen. Insgesamt kämen mit Access Points für W-Lan, Hard- und Software stolze 1,2 Millionen Euro zusammen, von denen abzüglich einer förderbaren Summe von 292 000 Euro noch 935 000 Euro in einem Zeitraum von fünf Jahren durch die Gemeinde zu schultern sind.

Die Quintessenz für Heinzel: „Eigentlich müsste es jedes Jahr vom Bund fünf Milliarden geben – jetzt wird der Stein zwar ins Rollen gebracht, für einen dauerhaften Erhalt der Technik reicht es aber nicht, und die Schulträger werden allein gelassen.“

Dass die Initialzündung durch den Digitalpakt nur der Anfang ist und sich die Gemeinde auch später auf laufende Kosten in ähnlicher Höhe gefasst machen muss, wurde in vielen Redebeiträgen deutlich. „Der Anstoß war überfällig. Dass die Digitalisierung in den Schulen stiefmütterlich behandelt wurde, ist uns in den letzten Monaten vor Augen geführt worden“, konstatierte Behrens. Vielen Redebeiträgen gemeinsam war der Wunsch, „dass die Schulen auch in Zukunft weiter über das verwendete System selbst entscheiden dürfen sollen“, wie CDU-Mann Dirk Lange zum Ausdruck brachte.

Die Betroffenen selbst zeigten sich zufrieden mit dem Medienentwicklungsplan: „Für Grundschulen bietet er große Vorteile, da er über unsere ursprünglichen Forderungen, allerdings vor der Pandemie, hinausgeht“, so Schulleiterin Meike Nerding-Ehlbeck.

Während die Beekeschule im Herbst aus dem Corona-Fördertopf unter anderem 22 Laptops bekommen hatte, war die Grundschule leer ausgegangen, wie Zuschauer Cord Gerken, seines Zeichens medienpädagogischer Berater des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung Mobiles Lernen anmerkte. Die Endgeräte für die Lehrkräfte würden jedoch dringend gebraucht, betonte Nerding-Ehlbeck: „Zur Zeugniserstellung nutzen wir von der Industrie gespendete Altgeräte. Es wird viel improvisiert.“

Hier sprang Arthur Lempert in die Bresche. Hatte der Vorsitzende der Grünen-Fraktion die Investitionssumme anfänglich noch als „happig“ bezeichnet, stellte er nun den Antrag, die Geräte aus dem Gemeindesäckel vorzufinanzieren – auch auf die Gefahr hin, dass die Fördergelder nachträglich unter Umständen nicht fließen, wie Behrens zu bedenken gab. Lemperts Vorschlag fand eine knappe Mehrheit und wird, genau wie die Beschlussvorlage zu den Investitionen, dem Verwaltungsausschuss vorgelegt.

Vorgesehen ist ein Planungsbeginn im Mai, die Umsetzung soll im letzten Quartal erfolgen mit dem Ziel einer Fertigstellung im zweiten Quartal 2022. Noch Bauchschmerzen bereitet Behrens der Support. Dem pflichtete Gerken, selbst Lehrer einer Landkreis-Schule, bei. „Wenn der Standard des Landkreises auch hier einzieht, wird es schwierig.“ Sein Ratschlag an die Gemeinde: „Warten Sie nicht auf das Land, warten Sie nicht auf den Beschluss, nutzen Sie die Spielräume, geben Sie Gas.“  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Meistgelesene Artikel

Landwirte-Ehepaar Schröder setzt auf Direktvermarktung

Landwirte-Ehepaar Schröder setzt auf Direktvermarktung

Landwirte-Ehepaar Schröder setzt auf Direktvermarktung
Freunde und Helfer: Polizisten über besondere Herausforderungen ihres Berufs

Freunde und Helfer: Polizisten über besondere Herausforderungen ihres Berufs

Freunde und Helfer: Polizisten über besondere Herausforderungen ihres Berufs
„Putinsche Drohung“: Der Ton in der Sottrumer Politik wird rauer

„Putinsche Drohung“: Der Ton in der Sottrumer Politik wird rauer

„Putinsche Drohung“: Der Ton in der Sottrumer Politik wird rauer
Pastor Matthias Wilke verlässt Kirchwalsede nach gut sieben Jahren

Pastor Matthias Wilke verlässt Kirchwalsede nach gut sieben Jahren

Pastor Matthias Wilke verlässt Kirchwalsede nach gut sieben Jahren

Kommentare