Scheeßeler Künstler „Sophies Henker“ stellt seine Werke in der Videothek aus

Vernissage mit Buletten und Bier

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Videothekar Marc Spang (l.) und Künstler Eike Wedemeyer alias „Sophies Henker” machen die Videothek zur Galerie.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Eine Vernissage mit Buletten und Bier statt Frizzantino und Fingerfood, noch dazu in einer Videothek? Bei dem Scheeßeler Künstler Eike Wedemeyer ist so einiges anders. Das fängt schon beim Künstlernamen an: „Sophies Henker“ – was martialisch klingt und auch irgendwie zu den schwarz-weißen, großflächigen Tuschebildern mit den knallenden Kontrasten passt, die ab heute Abend in der Videothek in der Alten Post zu sehen sind, ist eine Anspielung an ein Morgenstern-Gedicht.

Unter diesem Namen hat der kreative Tausendsassa bereits in jungen Jahren mit einer Punkband gespielt, später Blues-Rock, dann auf selbst gebastelten Zigarrenkisten-Gitarren oder Videos mit Legofiguren abgedreht. Beim Besuch in den Vernissage-Räumen, für die Videothekar Marc Spang gerade die Deckenleisten anbringt, stellt der gebürtige Westerholzer klar: „Ich male nur für Geld!“.

Das sei schon immer so gewesen, versichert er eine Spur zu ernsthaft: Damals als Schüler, als er für einen Wettbewerb sein erstes Bild malte, weil er auf das Preisgeld scharf war: „Da sollte es 100 D-Mark für den ersten Preis geben – und mir war klar: Das holst du dir!“, lacht er.

Es klappte. Das Malen, von der Suche nach geeigneten Fotomotiven („Raucher gehen gut, die haben oft charakteristische Gesichtszüge“) über die Bearbeitung am PC bis zur Freihandübertragung und schließlich Umsetzung in Tusche: „Das ist auch Stressabbau, da komme ich zur Ruhe“. In Phasen persönlicher Krisen sei er am kreativsten – oder eben wenn eine Ausstellung ansteht, wie die in Scheeßel, seine dritte dieses Jahr.

Für das Künstlerhaus „Güterbahnhof” in Bremen sind 20 Bilder in vier Tagen entstanden. Seine Devise: „An einem Abend muss ein Bild fertig sein.“ Das hat nicht nur mit dem künstlerischen Elan zu tun, der Begeisterung, die schnell verpufft. Die Schnelligkeit ist auch einem profanen Platzproblem geschuldet: Die Werke des Autodidakten entstehen allesamt am Küchentisch, „und der muss morgens wieder frei sein!“

Neben Auftragsarbeiten – dem Hochzeitsbild, dem neugeborenen Nachwuchs oder Nachbars Hund, malt er vor allem, worauf er Lust hat: „Musiker nur, wenn mir die Musik gefällt.“ So hat er Tom Waits portraitiert und Bob Dylan, das Konterfei von Ringo Starr ziert den Ausdruck seines ersten Liedtextes. So finden sich auch in Scheeßel viele von Wedemeyers Ikonen: Helmut Schmidt, „Derrick“ Horst Tappert in Warholscher Farbgebung – allesamt Zeugnisse seiner Sozialisation.

Sich mit Spang auf Motive zu einigen – etwa die Hälfte der 40 Werke sind eigens für diese Ausstellung entstanden – sei gar nicht so leicht gewesen: Die cineastischen Helden der Jugend kennen hier die wenigsten. Konsens bestand bei den Blues Brothers, die fanden beide „einfach klasse“. „Früher wollte ich die nie malen, weil das Motiv so abgelutscht ist, aber hier passen sie einfach rein“, meint der Sozialpädagoge, der im Fintel und Botheler Jugendtreff Workshops im Kreativbereich wie Graffiti oder Bluesboxenbau anbietet. Ebenso ist Kermit eigens für die Kinderecke entstanden.

Um die 40 der kontrastreichen Bilder sind zu sehen, mit den charakteristischen Klecksen, die – anfänglich nur zur Vertuschung versehentlicher Spritzer gedacht –, längst zum Stilmittel geworden sind. Seine Vernissage soll sich bewusst von dem abheben, was in der Szene sonst so üblich ist. „Bier und Buletten, das sind wir“, meint der bekennende „Vernissagen-Hopper“, der gern in der regen Szene junger Galerien in der Bremer Neustadt unterwegs ist.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Videothek zu sehen, der Eintritt zur Vernissage heute um 18 Uhr ist kostenlos.

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