Wie Scheeßeler mit ihren außergewöhnlichen Familiennamen leben

Dem einen sein Knipp, der anderen ihr Mett

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Gestatten: Hecht, Knipp oder Mett – einige Scheeßeler sind mit einem besonders auffälligen Nachnamen gesegnet.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Namen, sagt der Volksmund, sind wie Schall und Rauch. Denkste. Ob Frau Hecht, Herr Mett, Frau Fick oder Herr Balzer: In der Gemeinde Scheeßel leben Menschen, die so weiter gar nicht groß auffallen würden – wäre da nicht ihr mitunter recht skurriler Familienname. Eine Spurensuche.

Zugegeben, stolz braucht man auf den Namen Behrens nicht gerade sein – zumindest als Bürger der Beeke-Gemeinde nicht. Sage und schreibe 114 Mal wird der Name im Scheeßeler Teil des Telefonbuches geführt. Wer Behrens heißt, ist eben einer von vielen – das trifft auch auf die ehemalige Heimatvereinsvorsitzende Christine zu. Und auf Stefan, den Hauptamtsleiter im Scheeßeler Rathaus – dabei kommt der noch nicht einmal aus der Gemeinde, geschweige lebt dort. Ganz oben auf der Liste der häufigsten Nachnamen steht, na klar, „Meyer“ (140 Mal), aber auch die Schröders (55 Mal), Dittmers (53 Mal) und Bassens (48 Mal) schlagen sich ganz vernünftig.

Da mutet Rainer schon fast wie ein Exot an. Der Scheeßeler hört nämlich auf einen Familiennamen, der unweigerlich Assoziationen an das Paarungsvorspiel in der Tierwelt aufkommen lässt: „Ich heiße Balzer, und das mittlerweile ganz gerne“, sagt der Scheeßeler. Klar habe er sich als Jugendlicher in seiner schleswig-holsteinischen Heimat von Mitschülern den einen oder anderen Spruch anhören müssen. „Die Leute heißen da ja alle Hansen, Jensen oder Petersen“, sagt Balzer. Was ihn immer noch nerve: „Ständig muss ich bei irgendwelchen Gelegenheiten meinen Namen buchstabieren – offenbar weil die Leute denken, sie hätten sich verhört.“

Früher hieß Irmgard Mett einmal Landner. Zu verdanken hat sie ihren jetzigen Namen ihrem Gatten Horst. „Wir haben uns eigentlich noch nie so richtig Gedanken darüber gemacht, woher der Name stammt“, sagt sie. Da sie sich nicht ausschließlich nur der vegetarischen Küche verschrieben habe, könne sie auch gut mit dem „Mett“ hinter dem „Irmgard“ leben. „Manchmal esse ich es sogar ganz gerne.“ An Anrufe, bei denen Scherzbolde nachfragen, ob sie auch Hack oder Mett verkaufe, habe sie sich indes längst gewöhnt.

Ob er ein „toller Hecht“ sei, das müssten andere beurteilen, antwortet Matthias Hecht auf die Frage, wie er bei anderen Menschen denn so ankomme. Schon einmal auf die Besonderheit seines Familiennamens angesprochen sei er bisher jedenfalls noch nie. Warum auch? „Der Name ist ja nun wirklich nicht ungewöhnlich“, ist Hecht überzeugt.

Im hannoverschen Raum hieße er „Pfannenschlag“. Grund: Sein Nachname beschreibt eine typisch norddeutsche Spezialität, die man in unserer Region weniger als „Pfannenschlag“, dafür aber als Knipp kennt. Und Manfred Knipp kann gar nicht genug von der Grützwurst-Speise bekommen, wie er selbst sagt. Dabei sei er als junger Mann mit dem Namen gar nicht groß aufgefallen: „Bei uns in Ostpreußen war der Begriff Knipp als Speise nicht so geläufig.“ Dass er so heißt wie er heißt, habe er seinen holländischen Vorfahren zu verdanken, hat herausgefunden.

Einen Herrn oder eine Frau „Frick“ gibt es gleich mehrfach in der Einheitsgemeinde. Aber „Fick“? „Ich bin wohl weit und breit die einzige, die diesen Namen tragen darf“, vermutet Hilde Fick, geborene Behrens. Die Seniorin selbst habe nie mit der etwas obszönen Andersdeutigkeit gehadert, ihre drei Kinder schon. „Die waren alle froh, als sie heiraten konnten“, berichtet sie augenzwinkernd. Selbst ihr Sohn habe damals den Nachnamen seiner Ehefrau angenommen – und das „Fick“ gegen ein „Schröder“ eingetauscht. Nur ein einziges Mal, erinnert sich die Scheeßelerin, habe sie darüber nachgedacht, ihren Mädchennamen wieder anzunehmen. Das sei kurz nach dem Tode ihres Mannes Wilhelm gewesen. „Meine Nachbarn sagten mir aber, das solle ich mir nicht antun.“ Sie befolgte den Rat – und lebt damals wie heute getreu der Devise: „Manchmal muss man auch mal Humor beweisen.“

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