Scheeßeler Gruppierung sammelt Unterschriften für den Erhalt von Krippenplatzangeboten im Kernort

Gegenwind für die Dorfkrippe

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Wollen mit ihrer Unterschriftenaktion ein Zeichen für das Krippenplatzangebot im Kernort setzen: Alexander Schweiger (v.l.) Thorsten und Sandra Hermann sowie André Rogge übergeben Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele die Liste.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. André Rogge, Alexander Schweiger sowie Sandra und Thorsten Hermann haben zu Weihnachten nur einen Wunsch: „Krippenplätze müssen auch in Zukunft im Kernort bleiben.“ Dafür setzen sich die Scheeßeler, einige sind selbst Elternteil eines Krippenkindes, schon seit Jahren ein – quasi an vorderster Front. Umso größer ist nun ihre Sorge, dass die Ratsmehrheit ernst machen will und ihren Antrag auf Einrichtung einer Gruppe im Kindergarten Westervesede „durchdrücken“ wird. Um seinen Einwänden Nachdruck zu verleihen, hat das Quartett in der Scheeßeler Bevölkerung Unterschriften gesammelt, knapp 90 an der Zahl. Gestern überreichten sie die Pro-Kernort-Liste im Rathaus der Bürgermeisterin.

„Es geht um den tatsächlichen Bedarf in Scheeßel und nicht um Bedürfnisse auf den Dörfern“, meint André Rogge und erklärt, dass dieser Unterschied in der anhaltenden Diskussion um die Krippenstandortfrage oft vermengt werde. Er und seine Mitstreiter sind überzeugt: Krippenplätze würden auch in Zukunft im Kernort benötigt. Das, erläutert Rogge, würden die Zahlen der Vergangenheit und die daraus erstellte Hochrechnung sowie die zusätzlich prognostizierte Annahme der kommenden Jahre eindeutig voraussagen. „In Scheeßel gibt es Baugebiete – dort siedeln sich Familien an“, sagt er. Hinzu komme die deutlich gestiegene Zahl an Flüchtlingen mit Kindern, was seiner Ansicht nach ebenfalls einen Bedarfsanstieg an Betreuungsangeboten im Kernort mit sich bringen werde.

Ohnehin seien die zwei Gruppen à 15 Plätze in der Containerkrippe von Scheeßeler Kindern besetzt, stellt Sandra Hermann fest. „Wo sollen dann diese Kinder hin, wenn das Provisorium in drei Jahren wieder aufgelöst wird?“, fragt sie.

Fakt ist: Eine der beiden Gruppen wird am Kindergarten Sperlingsweg ihr neues Domizil finden. Soweit hat es der Gemeinderat bereits abgenickt. Die zweite Einheit will die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und Gruppe 57 im Zuge der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Westervesede mittlerweile im dortigen Kindergarten untergebracht wissen. Damit, sind sich die Gegner der Dorfkrippe einig, wäre jedoch nichts gewonnen. „Nachher müsste die Einrichtung wieder schließen, weil sie nicht ausgelastet ist“, befürchtet André Rogge.

„Fassungslos und enttäuscht“ sei der Vater eines zweijährigen Krippenkindes mit Blick auf die Meinungsbildung, die die Mehrheitsgruppe seiner Auffassung nach mit ihrem Vorgehen in der Öffentlichkeit anheize. So hätten die Gespräche, die das Quartett im Zuge der Unterschriftenaktion mit den Bürgern führten, ergeben, dass zwar viele Einwohner – sowohl aus den Ortschaften, als auch aus dem Kernort – den Krippenausbau in Scheeßel befürworten, „leider möchten diese Leute aber ihre Meinung nicht öffentlich kundtun, weil sie Bedenken haben, dass sie womöglich Stress innerhalb ihrer Dorfgemeinschaft, ihrer Vereine oder anderer Gruppierungen bekommen“, bedauert Thorsten Hermann. „Allein das zeigt doch schon, wie viel Druck seitens der Ratsmehrheit inzwischen schon aufgebaut wurde.“

Andere Befragte, so Hermann, hätten erst gar keine Meinung kundgetan, darunter vor allem jüngere. „Bei ihnen handelt es sich um die Eltern von morgen, die sich von der Diskussion im Moment nicht betroffen fühlen“, nennt der Scheeßeler einen möglichen Grund.

Und noch etwas stört die Verfechter der Kernortkrippe: „Wenn SPD, Grüne und Gruppe 57 das tatsächlich durchziehen, kommt deren Aussage ,Gönnt den Dörfern doch auch mal etwas!‘ – für mich ist das ein Totschlagargument“, betont André Rogge. Ihm zufolge sei es unbestritten, dass allgemein auch die Ortschaften zu ihrem Recht kommen sollten, „es kann aber doch in der aktuellen Diskussion nicht sein zu sagen, dass jetzt der eine berücksichtigt wurde und nun automatisch der andere dran ist“.

Ein klares „Nein“ zur DGH-Krippe, das ist es, was sich das Quartett von der Scheeßeler Politik erhofft. „Bis zur Gemeinderatssitzung am Donnerstag ist ja noch ein bisschen Zeit, den Antrag zu überdenken“, sagt Sandra Hermann. Für den Fall, dass die Mehrheitsgruppe von ihrem Vorhaben tatsächlich abrücken sollte, wünschen sie und ihre Mitstreiter sich, dass nochmals in den Fachgremien ein intensiver Austausch zum Für und Wider stattfinden werde.

Das hofft auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, selbst vehemente Gegnerin der DGH-Krippe. Einen Anstoß dafür will sie bereits mit der Bekanntgabe möglicher Standorte für eine zweite feste Krippengruppe im Kernort (Sperlingsweg, Beeke-Schule oder Fuhrenkamp) gegeben haben. „Der Bedarf durch die tatsächliche Belegung der Krippenplätze in den Containern ist eindeutig gegeben“, zeigt sie sich überzeugt. Entsprechende Auslastungszahlen würden dies belegen. „Vielleicht ist dies ein Ansatzpunkt für die Ratsmitglieder, das nocheinmal zu überlegen.“

Einen weiteren Aspekt, der gegen den Westerveseder Standort spricht, nennt Alexander Schweiger. So hätten nicht alle Scheeßeler Eltern die Möglichkeit, ihr Kind in die Dorfkrippe zu bringen, sagt er. „Die haben sich doch bewusst für den Kernort als Wohnsitz entschieden, da sie dort alles zur Fuß oder mit dem Rad erreichen können – um nach Westervesede zu kommen, bräuchten diese Eltern, deren Kinder dann der Krippe zugewiesen würden, in der Regel auf jeden Fall ein Zweitauto.“ Und André Rogge ergänzt: „Im schlimmsten Fall müsste ein Elternteil aus Abbendorf einen immensen Umweg in Kauf nehmen und sein Kind quer durch die Gemeinde nach Westervesede bringen und dann zur Arbeit fahren.“

Die Beine in den Schoß legen, das wollen er und seine Mitstreiter bis zur Ratssitzung am Donnerstag nicht. Stattdessen gehen sie weiter auf Unterschriftenjagd – und hoffen aus der Bevölkerung auf eine ehrliche Meinung. Rogge: „Uns bleiben ja noch vier Tage.“

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