Scheeßeler Gemeinderat stimmt der Planung zum Untervogtplatz zu

„Das ist Demokratie“

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Die Bäume auf dem Untervogtplatz müssen fallen. Der Rat hat der Umgestaltung zugestimmt.

Scheeßel - Von Inken Quebe. Sechs Bäume auf dem Untervogtplatz, die gefällt werden sollen, spalten die Gemüter: Die Debatte, die schon im Kernortausschuss begonnen hatte, hat auch die Mitglieder des Scheeßeler Gemeinderates am Donnerstag beschäftigt. Nun ist es beschlossene Sache: Die Bäume fallen, der Platz wird aussehen, wie vom Kernortausschuss empfohlen. Doch es gab auch einen Kompromiss.

Der Ratsvorsitzende Wolfgang Kirschstein (SPD) hatte einiges zu tun: Redner notieren, drei Anträge entgegennehmen und das Publikum um Ruhe bitten – und das alles unter dem scheinbar harmlosen Namen „NEU Top 10“. Der Untervogtplatz ist ein heißdiskutiertes Thema, das weiß auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU). Sie weiß aber auch: „Ich werde nicht jeden zufriedenstellen können. Ich und jedes Ratsmitglied ringen um jede Entscheidung.“

Das klang auch in den Worten einiger Ratsmitglieder an, unter anderem war von einem zweijährigen Kampf die Rede. „Und kurz vor Toresschluss stehen wir davor, dass wir vergessen haben, dass da Bäume stehen“, gab Wolfgang Bassen (CDU) zu. Dennoch betonte er, dass es besser sei, die schon bewilligten Fördergelder von mehr als einer halben Million mitzunehmen, „sonst bekommen es am Ende andere Kommunen“. Ein Satz der ihm von Ursel Brüning-Wildhagen (Grüne) gleich den Vorwurf einbrachte, dass er damit eine nicht notwendige Neiddiskussion lostrete. „Mit den Geldern könnte man etwas Sinnvolleres anfangen“, ist sie der Meinung.

Parteikollegin Gabriela Villwock äußerte ebenfalls Unverständnis für das Vorhaben der Gemeinde. Da half es auch nicht, dass in der Sitzung des Kernortausschusses am 26. Januar Ausweichvarianten präsentiert wurden: „Die Kompromisslösung sollte keinen Kompromiss herstellen.“

Dass einige Ratsmitglieder nicht davon gewusst haben wollen, dass die Bäume gefällt werden müssen, ließ Ralf Münkel (Gruppe 57) nicht gelten: „Wer das sagt, der hat geschlafen.“ Eine, die laut eigener Aussage schon gesehen hatte, dass die Bäume weg müssen, war Angelika Dorsch (SPD), die in ihrer Abstimmung von der Parteilinie abwich, weil sie den Plan nicht logisch finde. Ihre Fraktion hingegen wollte die Ortsgestaltung nun voranbringen, schließlich habe man schon Geld in die Planung gesteckt, so Detlev Kaldinski. Er selbst habe eine andere Variante bevorzugt, aber: „Das ist Demokratie.“

Den Antrag der Grünen, die Sitzung für Bürger zu öffnen, die sich bereits in der Einwohnerfragestunde äußerten, lehnte die Mehrheit der Ratsmitglieder ab. Die von den Grünen beantragte öffentliche, namentliche Abstimmung ergab schließlich: Bei fünf Gegenstimmen und drei Enthaltungen ist die Umgestaltung beschlossen – mit zu fällenden Bäumen.

Doch es gab auch einen Kompromiss, als Antrag von der Gruppe 57 ins Spiel gebracht. Die Gemeinde Scheeßel verpflichtet sich als Ausgleich zu den Fällungen, in der Feldmark zehn Bäume zu pflanzen, wobei der konkrete Ort und die Baumart mit dem Naturschutzbund (Nabu) Rotenburg abzustimmen seien. Das kam bei allen Ratsmitgliedern gut an – sie entschieden sich einstimmig dafür. Und auch, wenn die alten Bäume am Untervogtplatz fallen müssen, dort soll es vier neue geben.

Ein versöhnliches Zeichen in Richtung Nabu. Dessen Vorsitzender Roland Meyer hat sich bereits am Freitag geäußert: „Wir sind enttäuscht. Wir hatten gehofft, dass nach dem Motto ‚Gründlichkeit vor Schnelligkeit‘ ernsthaft nach einer schonenderen Lösung gesucht wird. Der Gutachter hatte gesagt, dass es für keinen der sechs Bäume einen Grund zum Fällen gibt.“ Den Kompromiss wertet er dennoch positiv, denn das sei „mehr als nichts“.

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